Am 14. Juli 2021 ertrank Köln beinahe in sintflutartigen Regenfällen. Ein Ereignis, das die Stadt bis heute prägt und zu massiven Investitionen in den Hochwasserschutz führte.
Die Flut-Katastrophe 2021So wappnet sich Köln gegen das nächste Wasser-Chaos

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Die Unterführung zwischen Pohligstraße und Weißhausstraße ist am 14. Juli 2021 komplett überflutet.
Ein stärkerer Gegensatz ist kaum vorstellbar: Während Köln zuletzt wochenlang trocken blieb, wurde die Metropole vor genau fünf Jahren von den heftigsten Niederschlägen seit langer Zeit heimgesucht. An jenem Mittwoch, dem 14. Juli 2021, prasselte der Regen von vier Uhr früh ununterbrochen bis in die Abendstunden. Die Wetterstation in Stammheim maß binnen zwölf Stunden unglaubliche 156 Millimeter – das entspricht ungefähr einem Fünftel der üblichen Jahresmenge von 750 mm.
Die Folge dieser Fluten war, dass unzählige Straßen überschwemmt wurden, Keller voll liefen und Bäume umkippten. Ein ganzer Straßenzug in Bickendorf versank in den Fluten. Tragischerweise kostete das Extremwetter in Köln auch zwei Menschen das Leben. In Bocklemünd verstarb eine 72-jährige Frau und in Longerich ein 54-jähriger Mann, als sie in den Kellern ihrer überschwemmten Häuser nachsehen wollten. Ein möglicher Stromschlag war laut Polizeiangaben die Ursache.
Die Flut von 2021: Ein „extremes Starkregenereignis“
Für die Feuerwehr in Köln herrschte absoluter Ausnahmezustand: Innerhalb von 48 Stunden mussten 3750 Einsätze bewältigt werden, während die Leitstelle über 11.000 Notrufe registrierte. Ein Auto wurde in der überfluteten Unterführung zwischen der Weißhausstraße und der Pohligstraße von den Fluten eingeschlossen. Erneut überschwemmt wurde auch die KVB-Haltestelle an der Geldernstraße, die bereits zuvor betroffen war. Aufgrund umfangreicher Reparaturarbeiten musste sie für eine ganze Woche gesperrt werden.
Von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (Steb) wurde das Unwetter als „extremes Starkregenereignis“ bezeichnet. Das städtische Kanalnetz ist für derartige Wassermengen nicht ausgelegt. Ähnliche Regenfälle sind auch künftig nicht ausgeschlossen. „Da aufgeheizte Luft in Städten mehr Feuchtigkeit aufnimmt, kann Starkregen im Sommer jeden Ort im Stadtgebiet treffen – unabhängig von der Nähe zu Gewässern“, hebt Steb-Sprecherin Birgit Konopatzki hervor.
Die Steb nutzten die Flut vom 14. Juli 2021 als Weckruf, um die Schutzvorkehrungen für die Stadt zu intensivieren. „Seit Juli 2021 haben die Steb Köln rund 130 Millionen Euro in die hydraulische Verbesserung des Kanalnetzes sowie in Schwammstadt-Maßnahmen investiert, beziehungsweise die Maßnahmen befinden sich in der baulichen Umsetzung“, erklärt Konopatzki. Um das Kanalnetz zu entlasten, wurden neue Stauraumkanäle errichtet, etwa in den Stadtteilen Esch und Longerich. Ein großes Regenrückhaltebecken wurde in Bickendorf gebaut, ein weiteres Becken in Vingst.
In Porz gestalteten die Steb im Jahr 2023 den Eiler Schützenplatz für 1,7 Millionen Euro zu einer Retentionsfläche um. „Die Fläche dient im Alltag als Freizeitraum und nimmt bei Starkregen gezielt Wasser aus dem Straßenraum auf“, sagt die Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe. Des Weiteren flossen etwa 7,3 Millionen Euro in die Wartung der Hochwasserschutzanlagen am Rhein „sowie in Renaturierungen an Rheinnebengewässern, um natürliche Retentionsflächen zu schaffen“.
Doch öffentliche Gelder allein reichen nicht aus; auch das Mitwirken von privaten Hauseigentümern ist zwingend notwendig, um Gebäude in Köln zu sichern. Auf der Webseite der Steb können sich Interessierte über das Risiko für ihr Eigentum informieren. Dort gibt es eine Starkregengefahrenkarte, die für jede Straße in der Stadt anzeigt, ob eine Überflutungsgefahr besteht. Grundlage der Karte ist ein digitales Modell des Kölner Geländes, das alle tieferliegenden Zonen erfasst, in denen sich Regenwasser ansammeln könnte.
Interaktive 3D-Karte zeigt das Flut-Risiko für jedes Haus
Als besonders bedroht gelten unter anderem die bereits genannte Unterführung zwischen der Weißhausstraße und der Pohligstraße, der Herkulestunnel im Stadtteil Ehrenfeld, die Redwitzstraße in Sülz, die Peter-Stühlen-Straße in Kalk sowie die Neusser Straße bei Hausnummer 315. An diesem Ort stand das Wasser am 14. Juli 2021 über knöchelhoch und drang in die Eingänge der Häuser. Die Gefahrenkarte wurde 2025 um ein interaktives 3D-Modell ergänzt. Damit lässt sich am Computer, Tablet oder Smartphone für jedes Gebäude die potenzielle Überschwemmungsgefahr prüfen, inklusive einer Simulation der wahrscheinlichen Fließrichtung.

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In einer 3D-Anwendung simulieren die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb), welche Bereiche Kölns bei Starkregen überflutet werden können. Der lilafarbene Bereich der Unterführung Weißhaustraße ist besonders gefährdet.
Wenn jemand durch dieses Online-Tool feststellt, dass Prävention ratsam ist, sollte laut Steb vor allem eine funktionierende Rückstausicherung im Haus vorhanden sein, zum Beispiel eine Rückstauklappe im Keller. Eine regelmäßige Wartung ist hierbei entscheidend. „Fehlender Rückstauschutz ist die häufigste Ursache für überflutete Keller“, warnt Konopatzki. Des Weiteren sollten Öffnungen am Keller, Lichtschächte, Einfahrten zu Garagen und Eingänge „durch kleine Schwellen, Aufkanten oder druckdichte Fenster gegen oberflächlich abfließendes Wasser absichern“. Im Sinne der „Schwammstadt“, die Wasser wie ein Schwamm aufnimmt, sollten Flächen, wo es geht, entsiegelt werden. „Regenwasser sollte nach Möglichkeit auf dem eigenen Grundstück versickern, statt es in die Kanalisation einzuleiten.“ Der städtische Leitfaden „Mehr Grün für ein besseres Klima“ bietet hierzu Beratung.
Weitere Millionen-Investitionen der Steb geplant
Auch für die kommenden Jahre haben die Steb viel vor, um Köln besser vor Starkregen zu schützen. Laut Konopatzki sind aktuell Projekte im Umfang von circa 20 Millionen Euro für den Kanalausbau und dezentrale Rückhaltebecken in der Pipeline. Die Kasemattenstraße in Deutz wird entsiegelt und klimafreundlich gestaltet. Das größte Einzelvorhaben ist der Retentionsraum in Worringen. Dieses Projekt, das vom Land mit 225 Millionen Euro vollständig finanziert wird, soll den Norden von Köln sowie flussabwärts liegende Städte vor extremem Rheinhochwasser bewahren und befindet sich laut Steb in der Umsetzung. Zudem sollen die Beratungen für Hausbesitzer zum Thema Starkregenschutz erweitert werden.
Steb-Vorständin Ulrike Franzke macht gegenüber unserer Redaktion klar: „Die Erfahrungen vom Juli 2021 haben gezeigt, dass moderne Überflutungsvorsorge eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Wir investieren kontinuierlich in die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur und treiben den Umbau Kölns zur Schwammstadt voran. Einen absoluten Schutz vor solchen Extremwetterereignissen kann es durch öffentliche Maßnahmen allein jedoch nicht geben. Umso wichtiger ist das Zusammenspiel aus kommunaler Vorsorge und privater Eigenvorsorge auf den Grundstücken.“ (red)
