Die Domstadt zelebriert die bunte Vielfalt, aber die Besorgnis nimmt zu. Hunderttausende Menschen setzten beim CSD ein Zeichen – mit einer riesigen Feier und einer unmissverständlichen Botschaft.
CSD in KölnAusgelassene Feier mit ernster Botschaft

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NRW-Innenminister Herbert Reul feierte seine CSD-Premiere.
Köln erstrahlte in Regenbogenfarben! Die Kölner Innenstadt glich am Sonntag einer einzigen, riesigen Feiermeile. Nach Angaben des CSD-Veranstalters Cologne Pride kamen insgesamt 1,5 Millionen Menschen zum Straßenfest und der gewaltigen Parade. Rekord! Etwa 60.000 Aktive waren in rund 250 Gruppen und auf 90 Wagen in der Innenstadt unterwegs, um ein Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung zu setzen.
Hinter den dröhnenden Bässen und der fröhlichen Atmosphäre verbarg sich jedoch eine ernste Nachricht. „Der CSD wird heute gebraucht wie nie zuvor auf unseren Straßen, ich sehe Hass und Hetze, und Menschen, die uns unsere Existenz absprechen wollen“, machte Hans Douma von Cologne Pride bei der Eröffnungszeremonie klar. Der Leitspruch „Für Queerrechte – Viele.Gemeinsam.Stark!“ war aus diesem Grund weit mehr als nur ein Slogan.
CSD in Köln: Herbert Reul gibt Versprechen ab
Dass diese Befürchtung begründet ist, untermauern die offiziellen Statistiken. In Nordrhein-Westfalen wurden für das Jahr 2025 insgesamt 284 Straftaten mit queerfeindlichem Hintergrund erfasst – das ist eine Zunahme von etwa 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, und es wird eine beträchtliche Dunkelziffer angenommen. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul, der seine Premiere beim CSD feierte, äußerte sich alarmiert: „Wir haben zunehmend Menschen, die den Anspruch erheben, zu bestimmen, wie man leben muss. Und das ist ein Irrtum.“
Reul weiter: „Der Teil des Staates, für den ich stehe, die Polizei, der schützt alle. Ich träume von einem Land, in dem jeder so leben kann, wie er will, solange er sich an die Regeln hält. Wenn eine Million Menschen herkommen, dann ist das ein Statement, ein viel besseres als meins.“
Daniel Hewer (43) zeigte eindrücklich, wie eng Jubel und Bedenken verknüpft sind. Mit seinem aufsehenserregenden, selbst gefertigten Outfit in Rot und Regenbogen-Optik war er ein absoluter Blickfang. Ganze 30 Stunden hatte er an seiner Perücke gearbeitet. Doch seine Botschaft ging tiefer als die reine Optik: „Ich möchte für die Rechte einstehen, für die Demokratie. Diese ist nicht selbstverständlich“, erklärte er. „Man sollte an Wahlen teilnehmen. Das Schlimmste wäre, aufzugeben.“
Gabi Tylla (55) aus Hürth war für ihren 25-jährigen Sohn vor Ort. „Damit unsere Kinder von der Gesellschaft akzeptiert werden“, so die Mutter. Sein Coming-out habe für sie nichts geändert, denn „er ist doch derselbe Mensch“. Auch die 73-jährige Henny ist jedes Mal dabei, um für all jene zu demonstrieren, die früher ihre Gefühle verstecken mussten und deren Kampf für Anerkennung weitergeht.
Auch die politische Prominenz zeigte sich zahlreich, von Karl Lauterbach über Saskia Esken bis hin zu Mona Neubaur. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth plädierte für eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal der „sexuellen Identität“. Der Kölner Karneval war durch den neuen Präsidenten des Festkomitees, Lutz Schade, vertreten, und auch die Schauspiel-Stars Mariele Millowitsch und Walter Sittler mischten sich unter die Leute.
Gegen 18 Uhr erreichte der farbenfrohe Demonstrationszug sein Ende in der Umgebung des Doms. Die Feierlichkeiten waren damit aber keineswegs beendet. Auf den Bühnen am Alter Markt und Heumarkt ging die Party im Anschluss erst richtig los. (red)

