Kölner Travestie-Star reicht es„Der CSD verkommt zu einer Fetisch-Parade“

Der CSD hat Köln komplett im Griff. Travestie-Größe Julie Voyage ärgert sich jedoch über die immer größer werdende Gruppe an Gästen, die das Wochenende nutzt, um eigene Fetische auszuleben.

Die Kölner Innenstadt steht an diesem Wochenende wieder vollständig im Zeichen des Regenbogens. Seit Freitag läuft das Straßenfest zum Christopher Street Day. Auch in diesem Jahr erwartet Deutschlands größter Pride wieder über eine Million Menschen.

Das Herzstück, die große Demonstration, wird am Sonntag (5. Juli 2026) um 11 Uhr auf der Deutzer Brücke eröffnet. Die queere Community geht dann wieder für Freiheit, Selbstbestimmung und Akzeptanz auf die Straße.

CSD-Parade startet am Sonntag um 11 Uhr auf der Deutzer Brücke

Bei Deutschlands größter Pride-Demonstration ziehen über 200 Gruppen durch die Kölner Innenstadt. Die zentrale Botschaft der Parade ist eigentlich der weltweite Kampf für die Rechte, die Sichtbarkeit und die gesellschaftliche Akzeptanz der LSBTIQ+-Community.

Aber seit Jahren habe sich der Fokus verschoben, findet Travestie-Star Julie Voyage. „Inzwischen verkommt der CSD zu einer Fetisch-Parade. Optisch und verbal sehe ich in Kölns Straßen zunehmend eine wilde, feiernde Horde, die die Sau rauslassen will und mit der ursprünglichen Intention der Bewegung nichts mehr gemein hat“, sagt Entertainer Ken Reise, der Julie seit zwei Jahrzehnten verkörpert, zu EXPRESS.de.

Am Samstagvormittag fand der sogenannte Pride Drag Brunch im Hard Rock Café statt. Neben Julie Voyage waren auch Swanee Feels, Samantha und Mimi Marcia dabei. „Da auch Vertreter der Aidshilfe vor Ort waren, habe ich noch einmal an die Ursprünge und die anfänglichen Widerstände für die CSD-Bewegung erinnert. Als ich dann sagte, dass diesem Anliegen durch diese Exzesse geschadet wird, gab es Applaus. Offenbar bewegt das doch mehrere Menschen in der Community.“

Welche politische Botschaft im Sinne der CSD-Bewegung habe es, wenn Männer in String-Tanga und Schweinemaske auf allen Vieren kriechende Jungs am Halsband hinter sich herziehen, fragt sich der 40-Jährige. Solche Auftritte würden nur die Vorurteile verstärken, dass alle Schwulen einen extremen Fetisch hätten.

Julie Voyage beim Auftritt auf der Bühne.

Copyright: Daniela Decker

Entertainer Ken Reise unterhält sein Publikum seit 20 Jahren als Julie Voyage.

„Wir wollen Normalität, Toleranz, Respekt und Gleichbehandlung. Gleichzeitig provozieren immer mehr mit ihrem Exhibitionismus.“ Der Kölner hat beobachtet, wie Kellner beleidigt wurden, weil diese die Gäste gebeten hatten, die Hundemasken im Lokal abzusetzen oder sich zumindest ein paar Kleidungsstücke überzuziehen.

Queere Menschen gehen in freizügigen Kostümen bei der Parade zum Christopher Street Day mit.

Copyright: Uwe Weiser

Bei der Parade zum Christopher Street Day ist auf Kölns Straßen immer viel nackte Haut zu sehen. Zu viel, findet Travestie-Star Julie Voyage.

„Wo bleibt da die gesunde Selbstreflexion?“, fragt sich Reise. „Wir wollen ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft, doch dann gebärden sich einige so, dass es verstörend wirkt. Ich kann jede Familie verstehen, die sich die Parade nicht anschauen will. Und ich kann auch jede Firma verstehen, die ihr finanzielles Engagement überdenkt.“

Das Verhalten am CSD-Wochenende ähnele den Exzessen, die sich stellenweise beim Karneval abspielen. „Da hat auch nicht alles mit Brauchtum zu tun, was in gewissen Vierteln passiert“, sagt Reise. „Und das, was jetzt auf Kölns Straßen zu sehen ist, hat auch nicht mehr den Hintergrund wie die ersten bunten Demonstrationen vor 35 Jahren durch Köln, bei denen es um Diskriminierung und Ausgrenzung ging.“

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