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BAP-Frontmann wird deutlichNiedecken über Köln und Karneval: „Würde wahnsinnig werden“

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken liebt Köln – aber beim Karneval hört die Liebe auf.

Wolfgang Niedecken (75) ist eine der prägendsten Stimmen der Stadt – BAP-Sänger, Kölsch-Legende.

Ausgerechnet im Karneval aber wollte er nie auftreten. Im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ wird Niedecken jetzt deutlich, warum.

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken über Köln und den Karneval

„Köln ist mein Heimathafen, ich bin Kölner, kritischer Kölner, aber ich schätze das Wesen der Kölner: Du schaffst es bei uns nicht, in eine Eckkneipe zu gehen, ohne spätestens nach fünf Minuten angesprochen zu werden“, sagt Niedecken über seine Stadt.

Die Liebe der Kölner zu ihrer Heimat versteht er – und teilt sie. Doch genau diese Liebe werde ausgenutzt, findet er: „Die Kölner sind sehr in ihre Heimatstadt verliebt, was ich verstehe. Aber diese Liebe kommerziell auszunutzen, wie es oft im Karneval passiert, gehört sich nicht.“

Deshalb sei für ihn auch klar: „Ich wollte nie im Karneval spielen, und ehrlich gesagt, könnte ich es auch gar nicht.“ Der Grund liegt nicht an mangelnder Lust auf Kölsch und Konfetti, sondern an der Routine, die er im Karneval sieht: „Wenn ich immer und immer wieder dieselben Lieder machen und dieselben Witze reißen müsste, würde ich spätestens am dritten Abend wahnsinnig werden.“

Auch beim Dialekt selbst sieht Niedecken einen Wandel – sogar dort, wo man ihn am wenigsten erwarten würde.

Toten-Hosen-Sänger Campino habe ihn vor ein paar Monaten gefragt, ob er mit den Toten Hosen den Song „Kristallnacht“ auf Hochdeutsch einsingen könne. Die Anfrage habe „einen Nerv getroffen“, sagt Niedecken, weil ihm bewusst sei: Kölsch stirbt wie die meisten Dialekte aus.

„Selbst im kölschen Karneval wird heute Hochdeutsch gesungen, die Büttenreden werden ebenfalls hauptsächlich auf Hochdeutsch gehalten“, beobachtet er. Ein komplettes Hochdeutsch-Album mit den größten BAP-Hits kann er sich inzwischen vorstellen – „richtig geil“ finde er die Idee aber trotzdem nicht.

„Schreibe ich neue Stücke auf Hochdeutsch oder auf Kölsch?“

Für den 75-Jährigen, der in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert – seinen eigenen 75. Geburtstag und das 50-jährige Bestehen von BAP –, stellt sich ohnehin eine grundsätzlichere Frage: „Schreibe ich neue Stücke auf Hochdeutsch oder auf Kölsch?“

Kölsch sei für ihn nie Mundartpflege gewesen, sondern schlicht seine Umgangssprache. „Heute ist das aber nicht mehr so“, sagt er. Wer ihm noch auf Kölsch begegnet, sei mittlerweile die Ausnahme: „Wenn ich alle zwei, drei Wochen mal jemanden treffe, mit dem ich instinktiv Kölsch sprechen kann, ist das oft.“

Das große Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen im Rhein-Energie-Stadion am 10. Juli 2026 war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Das nächste Konzert von Niedeckens BAP in Köln findet am 18. Dezember 2026 in der Lanxess-Arena statt. Allerdings gibt es dafür nur noch wenige Tickets. (mt)

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