Bei Anne Will Kölner Professor lässt Wut über Corona-Versagen der Politik raus

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Der medizinische Direktor der Inneren Medizin an der Kölner Uniklinik, Prof. Dr. Michael Hallek, hier bei einer Pressekonferenz, machte der Politik eine klare Ansage.

Köln – Er war der Mann, der nicht persönlich im Studio war – aber bei Anne Will in der ARD den nachhaltigsten Eindruck machte. Zugeschaltet aus Köln hat der medizinische Direktor der Inneren Medizin an der Kölner Uniklinik, Prof. Dr. Michael Hallek (61), der deutschen Politik in der Pandemiebekämpfung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

  • Kölner Klinik-Direktor macht Politik klare Ansage
  • Schlechtes Zeugnis für die Pandemiebekämpfung
  • Professor Hallek macht nachhaltigsten Eindruck in Talkshow

Der Eindruck sei, dass „unsere Demokratie, unsere demokratischen Institutionen, nicht mehr in der Lage“ seien, mit einer Bedrohung wie einer Pandemie zurechtzukommen, so Hallek bei der Talkshow am 18. April.

Kölner Professor: Gemeinsam Corona-Krise bewältigen

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Mehr noch: Die demokratischen Parteien sollten zeigen, dass sie in so einer Krise an einem Strang ziehen können – „und nicht gegeneinander arbeiten, weil gerade Kanzlerwahljahr ist.“ Der aus dem bayerischen Hof stammende Mediziner forderte, den Wahlkampf „einmal kurz beiseitezuschieben“. Die Parteien sollten sich auf die gemeinsame Bewältigung der Krise besinnen und sich innerhalb von fünf Tagen auf einheitliche Maßnahmen einigen, die überall gelten: „Wir haben keine Zeit für ein Gesetzgebungsverfahren, das dann in drei Wochen entschieden ist.“

Gleich zu Beginn schilderte der Mediziner den TV-Zuschauern und den anwesenden Gästen, darunter Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), FDP-Chef Christian Lindner und Kathrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, das Leiden und Sterben in den Intensivstationen der Uniklinik. „Patienten, die um ihr Leben kämpfen oder die Angst haben, dass sie nicht mehr genug Luft kriegen.“ 5000 Menschen seien es derzeit in den Intensivstationen bundesweit.

Kölner Professor: Kritik an Inzidenzwert 100

„Bedrückt und erzürnt“ sei er mit seinen Kollegen darüber, dass dies alles mit Ansage geschehe. Seit Januar mahne die Initiative „No Covid“, die er mitgründete und die einen Inzidenzwert von 10 anstrebt, die nötigen Maßnahmen an. Der zum Maßstab genommene Inzidenzwert von 100 sei bei der Coronavariante 3.1.1.7 „viel zu hoch, das geht viel zu schnell. Sie können nicht mit 100 in eine scharfe Kurve, da fliegen sie sofort wieder raus“.

Zwar würden einzelne richtige und notwendige Dinge angegangen – die Kontakte für eine vorübergehende Zeit zu reduzieren, die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, Testungen in den Betrieben verpflichtend einzuführen. Jedoch, so Halleks eindringlich vorgetragener Appell, „sollte die Politik erst einmal ein Ziel definieren, wo sie eigentlich hinwill, welche Strategie sie hat, um die Pandemie in den kommenden Wochen in den Griff zu bekommen“.

Der britische Premier Boris Johnson habe es in der Corona-Bekämpfung vorgemacht. Der sei kein leichtfertiger Lockdown-Fanatiker gewesen, habe aber dem Volk klargemacht, dass es neben dem Impfen eine klare Regelung für den Lockdown und für die Schließungen auch nachts gab – „jetzt haben sie eine Inzidenz von 30 und haben B.1.1.7 in die Knie gezwungen“.

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