Erfolge & Kurioses Drama während Corona: So erging es Kölns Amateur-Clubs

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Die Saison 2019/2020 wurde im Amateurbereich aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen. Das Symbolfoto zeigt einen Fußballplatz in Jülich im November 2016.

Köln – Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. In den letzten Monaten war diese jedoch eine lange Zeit nicht erlaubt. Anders als in den Profiligen hatten die Amateurfußballer des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM) nicht die Chance, ihre Saison 2019/2020 zu Ende zu bringen.

Am 21. Juni wurde der Corona-bedingte Saisonabbruch beschlossen, nachdem die Spielzeit zuvor über mehrere Monate ausgesetzt worden war. Viele Mannschaften konnten ihre Ziele also nicht weiterverfolgen, andere wiederum profitierten von der Entscheidung, da es in dieser Ausnahmesituation in keiner Liga Absteiger gab.

Amateur-Aufsteiger wurden durch spezielle Regel ermittelt

Auf der anderen Seite wurde jeweils ein Aufsteiger mit der Quotientenregel ermittelt. Die Mannschaft, die in ihren bislang absolvierten Spielen die meisten Punkte einfahren konnte, durfte den Aufstieg praktisch von der Couch aus feiern.

Glück für den einen, Pech und Enttäuschung für den anderen: Vor allem die Teams, die noch um den Aufstieg in die höhere Spielklasse mitspielten, schauten in die Röhre und konnten nicht mehr aktiv in das Aufstiegsrennen eingreifen.

Wie haben sich Traditionsvereine aus dem Kölner Amateurfußball mit der Entscheidung abgefunden? Im Folgenden erklären sowohl Profiteure, als auch Leidtragende des Saisonabbruchs ihre aktuelle Situation, schildern kuriose Situationen aus der Corona-Zeit und werfen einen Blick auf die neue Spielzeit, die laut FVM unter Vorbehalt am 6. September starten soll.

Sportvereinigung Porz knüpft an alte Erfolge an

Den Anfang macht einer der arriviertesten und traditionsreichsten Amateurclubs in Köln. Die Sportvereinigung Porz knüpft langsam wieder an ruhmreiche Erfolgszeiten an und spielte in der Spielzeit 2019/2020 erstmals seit zehn Jahren wieder in der Landesliga. Zu Beginn des Lockdowns befanden sich die Porzer im Mittelfeld der Tabelle, hatten auf Rang zehn fünf Punkte Abstand auf den ersten Abstiegsplatz.

Die Sportvereinigung erreichte den Klassenerhalt also von zu Hause aus und stellt damit neben dem FC Viktoria Köln II und dem SC Borussia Lindenthal-Hohenlind die einzigen Kölner Vertreter in der Landesliga.

Die Porzer Verantwortlichen sprachen sich früh für einen Abbruch aus

In einem Interview mit Porz Aktuell hatte sich Präsident Peter Dicke bereits frühzeitig für einen Abbruch der Saison stark gemacht: „Ich halte es für sinnvoller neu zu starten, um wieder ein Ziel und ein wenig Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Auch die Regelung bezüglich der Aufsteiger und Nicht-Absteiger ist für mich, wenn man es so sagen kann, die fairste von allen Lösungen.“

Die Folgen der Corona-Krise für den Verein, in dem unter anderem Bernd Cullmann oder Wolfgang Weber ihre Fußballkarriere starteten, sei bislang noch nicht abzusehen: „Mit dem Abflachen der Pandemie ist die Corona-Krise für die Amateurvereine längst noch nicht ausgestanden. Die mittel- und langfristigen Folgen können wir noch nicht absehen. Ob uns unsere Sponsoren weiterhin so unterstützen (können) wie bisher, ist völlig offen. Deshalb müssen und werden wir sämtliche Planungen überdenken.“

Spielvereinigung Flittard: Saisonabbruch mitten im Aufstiegsrennen

Ein wahrer Schock war die Nachricht des Saisonabbruchs für die erste Mannschaft der Spielvereinigung Flittard. Der Verein hat in den letzten Jahren eine äußerst positive Entwicklung durchgemacht, schaffte beispielsweise den Durchmarsch von der Kreisliga A in die Landesliga.

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Die 1. Mannschaft der Spielvereinigung Flittard hatte noch gute Chancen auf den Aufstieg in die Landesliga.

Allerdings konnte diese im Folgejahr nicht gehalten werden, sodass darauf der Abstieg in die Bezirksliga folgte. Flittard startete daraufhin das Projekt „direkter Wiederaufstieg“ und bis zum Anfang des Lockdowns sah dies auch ziemlich gut aus. Hinter Spitzenreiter Hohkeppel befand man sich mit fünf Punkten Abstand auf dem zweiten Tabellenplatz.

Nun wurde der Spielvereinigung die Möglichkeit genommen, weiter ins Aufstiegsrennen einzugreifen, Hohkeppel verabschiedete sich von zu Hause aus in Richtung Landesliga.

Flittard: Saisonabbruch reiht sich in verkorkstes Jubiläumsjahr ein

Der zweite Geschäftsführer der Flittarder, Sven Olbricht, hält sich mit seiner Meinung über den Abbruch nicht zurück: „Das ist natürlich scheiße und sehr ärgerlich. Wir hätten die Spielzeit gerne sportlich zu Ende gebracht.“ Vor allem sei die Flittarder Mannschaft vom Quotienten her besser gewesen als der Erstplatzierte aus der vierten Bezirksligastaffel.

„Aber es nutzt ja nichts, wir fangen nun wieder da an, wo wir aufgehört haben“, erklärt Olbricht, „unsere Jungs tragen das Projekt weiter mit und so gehen wir den Aufstieg auch im nächsten Jahr wieder an.“ Die Flittarder Mannschaft zeichnet vor allem der Zusammenhalt aus, viele Spieler stammen aus der eigenen Jugend und tragen schon seit Jahren das grün-gelbe Trikot.

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Auch außerhalb des Platzes sind die Jungs der Spielvereinigung Flittard eine Einheit.

Jedoch fing das Jahr 2020, welches für den Verein aufgrund des 100-jährigen Bestehens ein Besonderes darstellt, schon ziemlich unglücklich an. So wurde beispielsweise der geplante Karnevalszug, in dem der Verein mitgehen sollte, aufgrund eines Unwetters abgesagt.

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Auch die Jubiläumsfeier, bei dem ein Spiel gegen Drittligist Viktoria Köln geplant war, konnte aufgrund von Corona nicht stattfinden. „Wir haben uns das alles ganz anders vorgestellt, irgendwie ist dieses Jahr wie verflucht, obwohl wir uns so darauf gefreut haben“, beschreibt Olbricht die Gemütslage innerhalb des Vereins. Doch trotz der vielen Tiefschläge wolle man in Flittard den eingeschlagenen Weg weitergehen und nächstes Jahr wieder um den Aufstieg in die Landesliga mitspielen.

Germania Zündorf feiert von der Couch aus den größten Erfolg seit 36 Jahren

Eine wahre Erfolgsstory stammt aus dem Porzer Amateurfußball: Denn der FC Germania Zündorf konnte erstmals seit 36 Jahren den Aufstieg in die Bezirksliga klar machen. Und das dank des Saisonabbruchs von der Couch aus.

Jahrzehntelang fand die Germania sich in den Niederungen der Kölner Kreisligen wieder, zum großen Wurf hatte es nie gereicht. Nun, erstmals seit 1984, gelang der Schritt heraus aus den unteren Spielklassen.

Germania Zündorf: Die Aufstiegsfeier wird in großem Rahmen nachgeholt

Für den 1. Vorsitzenden Winfried Mudrack ein Resultat der konsequenten Arbeit in den vergangenen Jahren: „Wir haben uns vor drei Jahren einen Fünfjahresplan gesteckt, der die Rückkehr in die Bezirksliga als klares Ziel hatte. Dieses Ziel haben wir durch unsere Arbeit auf und neben dem Platz nun schon zwei Jahre früher erreicht.“ Die zwei Aufstiege aus den letzten zwei Jahren bestätigen Mudracks Aussagen.

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Die Freude sei riesengroß gewesen, als der FVM den Saisonabbruch am grünen Tisch besiegelte, allerdings hätte er das Rennen um den begehrten ersten Platz auch gerne auf dem Fußballfeld entschieden: „Die emotionale Freude war einfach nicht so präsent, als wenn wir es mit der regulären Spielanzahl entschieden hätten. Dennoch nehmen wir die Situation jetzt dankend an und versuchen, uns in den nächsten Jahren in der Bezirksliga zu etablieren.“

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Erstmals seit 36 Jahren konnte der FC Germania Zündorf die Kölner Kreisligen verlassen.

Eine ausschweifende Aufstiegsfeier habe es bislang noch nicht gegeben: „Das holen wir erst nach, wenn es auch wieder richtig möglich und erlaubt ist. Denn das ist eine große Sache für uns, die auch einen entsprechenden Rahmen verdient hat.“

Borussia Kalk entkommt durch Saisonabbruch zwei Abstiegen

Ebenfalls profitiert von der Entscheidung des Saisonabbruchs, jedoch in ganz anderem Stile als Germania Zündorf, hat der SC Borussia Kalk.

Denn die zweite und dritte Mannschaft der Kalker hätte höchstwahrscheinlich den Gang aus der Kreisliga B, beziehungsweise Kreisliga C antreten müssen. Beide Teams standen abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Ein echter Grund, die Korken knallen zu lassen?

Borussia Kalk profitiert und nutzt die Chance zur Neustrukturierung

Geschäftsführer Frank Schumacher sieht das nicht ganz so: „Man kann schon sagen, dass wir von dieser Entscheidung begünstigt wurden. Trotzdem hätten wir die Spielzeit natürlich lieber sportlich zu Ende gespielt.“

So sei er aus Vereinssicht aufgrund der Tabellenstände voreingenommen gewesen, als es um die Frage ging, ob die Spielzeit abgebrochen werden soll: „Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass es richtig war, diese Saison so zu beenden.“

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Damit man in Sachen Klassenerhalt in den nächsten Jahren nicht wieder auf Entscheidungen angewiesen ist, auf die die Kalker selber keinen Einfluss haben, hat man sich zu einer Kursänderung für die zweite und dritte Mannschaft entschlossen: „Die zweite Mannschaft wird eine ganz junge Truppe, in der hauptsächlich Spieler aus der letztjährigen A-Jugend eingebunden werden sollen. Aus den beiden letztjährigen Mannschaften, die höchstwahrscheinlich abgestiegen wären, ist kaum noch jemand da.“

Angesprochen auf den angesetzten Start der neuen Saison im September hoffe Schumacher vor allem auf frühzeitige Gewissheit, da diese vor allem für kleinere Mannschaften in Köln enorm wichtig sei.

Nippeser Aufstiegs-Duell wird durch Corona gestoppt

Wohl jeder Kreisliga-Kicker träumt davon, einmal mit seinem Heimatverein einen Aufstieg feiern zu können. Zwei Vereine aus Nippes, nämlich DJK Grün-Weiß und die TFG 78, standen in diesem Jahr kurz vor dem großen Wurf.

Beide Clubs waren mittendrin im Aufstiegsrennen der Kreisliga C, schließlich wurden sie dann aber erst von der Corona-Pandemie und schließlich vom daraus folgenden Saisonabbruch gestoppt. Die beiden Teams standen jeweils mit 35 Punkten auf den Plätzen zwei und drei, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Spielvereinigung Rheindörfer Köln-Nord II.

Nippes 78 und DJK Grün-Weiß Nippes müssen Entscheidung akzeptieren

Cengiz Kirat, Trainer von Nippes 78, hat immer noch an der FVM-Entscheidung zu knabbern: „So wie viele andere Vereine sind auch wir sauer wegen der Entscheidung. Ich könnte dazu vieles sagen, muss es aber jetzt so akzeptieren und in den sauren Apfel beißen.“ Für die 78er wäre der Aufstieg in die Kreisliga B eine Rückkehr nach fünf Jahren in der C-Klasse gewesen.

Auch der Stadtteil-Rivale DJK Grün-Weiß hatte sehr gute Chancen, den Abstieg aus dem Vorjahr bereits in dieser Spielzeit wieder wett zu machen. Trainer Ivan Omazic musste seine Jungs vorerst auch erst einmal wieder aufrichten, war jedoch von deren Reaktion begeistert: „Die Jungs sind in der Corona-Pause zusammen über 3000 Kilometer selbstständig laufen gegangen. Das haben wir über eine spezielle App kontrolliert. Auch eine von uns Trainern vorgeschlagene vierwöchige Sommerpause haben sie dankend abgelehnt.“

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Die Jungs von Grün-Weiß Nippes konnten aufgrund des Saisonabbruchs nicht mehr in das Aufstiegsrennen eingreifen.

In Nippes herrscht also Vorfreude auf die neue Spielzeit. Gut möglich, dass die beiden Rivalen den Aufstiegskampf dann auch wieder unter sich ausmachen.

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