Bei der Kölner Ratssitzung geht es auch um das Thema Olympia – das wird kurios.
Heute wird abgestimmtWie bitte?! Kölns verrücktester Olympia-Antrag

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Der Kalkberg – eigentlich sollten hier mal Rettungshubschrauber starten und landen (Archivfoto).

Der Kölner Kalkberg – jahrelang ein teures Sorgenkind der Stadt – soll jetzt groß raus kommen.
Auf der Kölner Ratssitzung wird am Dienstag (12. Mai) ein ziemlich kurioser Antrag eingebracht, der sehr wahrscheinlich abgelehnt wird. Zudem steht ein wesentlich wichtigeres Thema auf der Agenda: das viel diskutierte Suchthilfezentrum mit dem Standort am Perlengraben.
Olympia auf dem Kalkberg – wie kurios klingt das?
Da klingt der Antrag der „Partei“ nach einem Witz. Die Forderung: Der „missglückte“ Hubschrauberlandeplatz soll fit gemacht werden für olympische Mountainbike-Wettbewerbe – und zwar für die Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Die „Partei“ ist seit der Kommunalwahl 2020 im Kölner Stadtrat vertreten und verbindet Satire mit realpolitischen Anträgen.
Hintergrund: Die Gemeinde Herten hat beim Ratsbürgerentscheid über die olympische Nutzung der Halde Hoheward das nötige Quorum verpasst. Damit scheidet Herten komplett aus der NRW-Bewerbung aus. Ausweichkonzepte mit alternativen Sportstätten werden gesucht – und da soll Köln ins Spiel kommen.
Die „Partei“-Ratsleute Andreas Altefrohne und Aaron von Kruedener wittern ihre Chance: Köln solle als „Leading City“ der NRW-Bewerbung einspringen – mit dem Kalkberg.
Der Kalkberg ist alles andere als ein Vorzeigeprojekt. Der aus hochgiftigem Kalkschlamm aufgeschüttete Hügel hat eine bewegte Geschichte hinter sich.
Der geplante Hubschrauber-Hangar der Feuerwehr sackte 2015 während der Bauphase ab, das Projekt wurde 2020 endgültig begraben. Seitdem kostet die Sicherung der Bauruine die Stadt rund 300.000 Euro jährlich – statt der geplanten 10 Millionen wurden am Ende über 30 Millionen Euro verbaut. Heißt es in dem Antrag. Arsen, Blei und andere Schadstoffe stecken im Untergrund. Die Kuppe des Bergs hat sich um bis zu 15 Zentimeter abgesenkt.
Die Antragsteller sind sich dessen bewusst – und fordern deswegen: Bei der Kostenschätzung für die „olympische Ertüchtigung“ soll ein präventiver Risikozuschlag von 500 Prozent eingerechnet werden.
Skater, Boulderwand, Beachball – und jetzt Downhill?
Dabei hatte die Stadtverwaltung erst 2024 eigene Pläne für den Kalkberg vorgestellt. Architekt Simon Hubacher entwarf ein Nutzungskonzept mit Skateranlage am Fuß des Berges, einer Boulderwand an der Rückseite des Hangars und einem Beachballfeld auf der Plattform.
Ob da nun auch noch Olympia-Mountainbiker den Hang hinunterrasen sollen, ist eine andere Frage.
Für den Fall, dass der Kalkberg selbst für Olympia zu wackelig ist, haben Altefrohne und von Kruedener vorgesorgt: Dann sollen laut Antrag Alternativstandorte wie der Kölnberg oder der Monte Troodelöh, die höchste Erhebung in Köln, geprüft werden.
Der Antrag der „Partei“ steht auf der Tagesordnung, aber es stellt sich schon die Frage: Muss sich die Politik jetzt wirklich damit beschäftigen?
