Die Kölner Band Rumtreiber hat sich dazu entschlossen, nach dieser Session aufzuhören. Der Traum vom ganz großen Durchbruch hat sich nicht erfüllt, haben die Musiker im EXPRESS.de-Gespräch gesagt.
„Hat uns das Genick gebrochen“Kölsche Band macht Aschermittwoch Schluss

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Bei der Kostümsitzung im Pullman-Hotel hatten die Rumtreiber ihren letzten Auftritt bei der KG Treuer Husar Blau-Gelb. Mit dem Traditionskorps ist die Band seit Langem befreundet.
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Der Karneval hat die Stadt fest im Griff. In den Sälen tobt die fünfte Jahreszeit und die Jecken genießen einfach eine Auszeit von den schwierigen Zeiten, denn der Karneval gibt den Menschen ein großes Stück Freude zurück.
Einen Großteil der Freude schenken die kölschen Bands, deren Vielfalt immer größer wird. Diese enorme Vielfalt hat einer Gruppe jedoch den Glauben an den Erfolg genommen.
Die Rumtreiber haben sich 2016 gegründet – nun folgt das Aus
Seit zehn Jahren leben Sänger Timo Hamacher und seine Kollegen Heiko Mührens, Dirk Jöris, Jens Offergeld und Markus Paffen ihren Traum als kölsche Band. Im exklusiven EXPRESS.de-Gespräch verkünden die Rumtreiber nun ihr offizielles Aus nach der Session.
Die Karriere der Rumtreiber startete am 8. Dezember 2016. Seit dieser Zeit vereinen die fünf Musiker rheinisches Lebensgefühl und halten mit ihren folkgeprägten Songs das kölsche Erbe lebendig. Songs wie „Hey Marie“, „In der Naach“, „Et letzte Strüssje“ oder der neue Sessionstitel „Ming Märchenprinzessin“ kommen gut an.
Und dennoch hat sich die Band dazu entschlossen, nach der Session aufzuhören. „Wenn uns vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass wir als Band dreimal die Sessionseröffnung der Willi Ostermann Gesellschaft auf dem Heumarkt mitgestalten oder in fast allen großen Sälen spielen dürfen, hätten wir dies nie geglaubt. Wir haben zehn wunderbare Jahre erleben dürfen, aber ab Aschermittwoch sind wir raus“, sagt Hamacher.
„Wir haben gemerkt, dass sich unser geliebter kölscher Fasteleer, sagen wir mal wertneutral, verändert hat. Wenn man es positiv ausdrücken möchte, ist er moderner geworden. Er ist kurzweiliger geworden, als er es ohnehin schon war. Die Brauchtumspflege, das, was wir als Kinder noch kennenlernen durften, ist unserer Meinung nach ein wenig in den Hintergrund geraten“, betont der Frontmann.

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Rumtreiber-Frontmann Timo Hamacher hat sich mit seinen Kollegen entschieden, sich von der Bühne zu verabschieden.
„Wir sind groß geworden mit den Höhnern, Bläck Fööss, mit Sängern wie Peter Horn, Henning Krautmacher, Tommy Engel und Micky Brühl. Das war die Musik, die uns geprägt hat, und diese Art von Musik haben wir auch immer auf die Bühne bringen wollen.“
Trotz großer Erfolge gerade der „alten“ Bands, habe sich der Karneval und seine Musik verändert. Die traditionellen Klänge seien schon seit Langem nicht mehr so gefragt. „Wenn man sich anschaut, welche Titel und welche Bands in den vergangenen Jahren im Karneval Einzug gehalten haben, muss man sich einfach eingestehen, dass der Glaube daran, dass eines Tages der große Durchbruch kommt, wahrscheinlich nicht mehr ausreicht.“
Die Rumtreiber waren 2019 mit ihrem Sessionstitel „En dingem Ärm“ auf dem besten Weg, doch dann kam Corona und machte alle Träume zunichte. Es folgte 2023 die bewegende Ballade „Et letzte Strüssje“. „Auch da haben wir gehofft, dass das vielleicht der Song ist, der unseren Bekanntheitsgrad etwas erhöht, der es uns ermöglicht, mehr Auftritte zu fahren. Jeder kann sich vorstellen, dass es sich finanziell nicht lohnt, wenn fünf Musiker und drei Techniker nur für einen Auftritt am Abend herausfahren. Da wir alle neben der Musik unseren Jobs nachgehen, stand das Finanzielle bei uns nicht an erster Stelle. Vielmehr war es die Liebe zum Karneval und allem, was damit zu tun hat.“

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Die Rumtreiber befinden sich derzeit auf Abschiedstour durch die jecken Säle.
Ein Problem haben alle Nachwuchskünstler im Kölner Karneval: Sie werden zu wenig gebucht. Das betrifft die Redner wie auch die Bands gleichermaßen. „Ich weiß, dass die Literaten Höhner, Paveier, Räuber, Bläck Fööss, Kasalla oder Cat Ballou auf die Plakate schreiben müssen, um die Säle vollzubekommen. Das ist uns bewusst.“
Der Sänger weiter: „Wenn man den Newcomern nicht ermöglicht, sich auch auf solchen Bühnen zu präsentieren, dann wird das Publikum auch nicht auf den Nachwuchs aufmerksam und wir können keine Nachfrage schaffen. Ich glaube, das hat uns letztlich das Genick gebrochen und uns dazu bewogen, den Schritt zu gehen.“
Mit dem Titel „Mach et jot Colonia“, der Aschermittwoch 2026 erscheint, verabschieden sich die Rumtreiber von ihrem Publikum. „Ich hoffe, dass alle Verständnis für unsere Entscheidung haben. Wir möchten lieber dankbar auf das zurückschauen, was uns ermöglicht wurde, statt noch zwei, drei oder fünf Jahre daran zu glauben, dass es eines Tages besser wird. Wir danken allen, die den Rumtreibern die Treue gehalten haben“, sagt Hamacher und muss mit den Tränen kämpfen.

