„Bin mit mir im Reinen“ Deutscher Skisprung-Star beendet überraschend seine Weltklasse-Karriere

Severin Freund bejubelt mit seinen Kollegen die Silbermedaille bei der Skiflug-WM 2022.

Severin Freund (rechts) feiert mit den Skisprung-Kollegen den letzten großen Erfolg seiner Karriere: Silber bei der Skiflug-WM in Vikersund am 13. März 2022.

Ein ganz Großer des deutschen Skispringens tritt ab: Severin Freund gab beim Weltcup-Finale überraschend sein Karriereende bekannt.

Severin Freund (33) sagt Servus! „Ich bin mit mir im Reinen und kann dieses Kapitel in meinem Leben so abschließen, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagte Deutschlands erfolgreichster Skispringer der vergangenen zwei Dekaden, als er am Sonntagmorgen (27. März 2022) beim Weltcup-Finale in Planica ein wenig überraschend seine Karriere für beendet erklärte.

Severin Freund: Olympiasieg, WM-Titel und Generationen-Klebstoff

Mit dem Olympiasieger und viermaligen Weltmeister aus Niederbayern verschwindet das wichtigste Bindeglied zwischen der Hannawald-Generation und den heutigen Spitzenspringern um Karl Geiger (29) von der Bildfläche. Als Freund 2007 im Weltcup debütierte, war das deutsche Skispringen zweitklassig. Zusammen mit Werner Schuster, der 2008 Bundestrainer wurde, und dem erst in der Vorwoche zurückgetretenen Richard Freitag (30) führte Freund die DSV-Adler zurück nach oben.

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„Ich hatte wirklich schöne Jahre und durfte viele wertvolle Erfahrungen sammeln“, sagte Freund. 22 Weltcupsiege feierte er, nur Jens Weißflog (33) und Martin Schmitt (28) haben unter den deutschen Springern mehr. 2014 wurde Freund in Sotschi Team-Olympiasieger, im gleichen Winter Skiflug-Weltmeister.

Ein Jahr später folgte seine beste Saison, als er bei der WM in Falun/Schweden Gold von der Großschanze sowie mit dem Mixed-Team holte und in einem denkwürdigen Finale als bislang letzter Deutscher den Gesamtweltcup vor dem punktgleichen Slowenen Peter Prevc (29) gewann. Nur der Vierschanzentournee-Sieg gelang auch ihm wie jedem DSV-Adler seit nunmehr 20 Jahren nicht.

Mega-Erfolge und Verletzungs-Leid: Freund war ein großer Kämpfer

In Erinnerung wird zudem Freunds Comeback nach schweren Verletzungen bleiben. Nach zwei Kreuzbandrissen im Jahr 2017 kämpfte er sich zurück ins Weltcup-Team, erreichte nicht mehr die alte Stärke, feierte aber noch späte Erfolge: 2021 wurde Freund in Oberstdorf Team-Weltmeister, vor zwei Wochen gewann er bei der Skiflug-WM in Vikersund Silber mit der deutschen Mannschaft.

Für Olympia in Peking hatte er sich jedoch nicht mehr qualifiziert, vieles ging Freund mühsam von der Hand. „In den letzten Wochen ist mir klar geworden, dass die Zeit als aktiver Sportler zu Ende geht“, sagte er.

Trainer Horngacher: „Qualitäten, über die nur wahre Champions verfügen“

Bundestrainer Stefan Horngacher (52) bedauert den Rücktritt des hochangesehenen Routiniers. „So, wie er sich auf den Punkt fokussiert hat, so kam er auch aus Niederlagen oder Verletzungen zurück und bewies Qualitäten, über die nur wahre Champions verfügen“, sagte der Österreicher: „Severin hinterlässt sportlich und menschlich eine große Lücke.“ Das Resümee von Freunds Ex-Boss: „Er hat vorgelebt, wie man als Spitzensportler sein muss.“

Auch die Kollegen bedauern Freunds Abschied: „Er war viele Jahre mein Vorbild, ich habe unglaublich viel von ihm lernen können“, erklärte der aktuelle deutsche Vorzeige-Athlet Geiger, der in der abgelaufenen Saison nur knapp den Sieg im Gesamtweltcup verpasste. Markus Eisenbichler (30) musste „ein paar Tränen verdrücken. Ich war mit Severin schon im Internat. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

„Für Skispringen schlägt mein Herz“: Bleibt Freund beim DSV?

Freund, der mit Frau Caren und Töchterchen Johanna in München lebt, soll dem Deutschen Skiverband (DSV) allerdings möglichst erhalten bleiben. „Für Skispringen schlägt mein Herz. Von daher werde ich mein Leben lang mit diesem Sport verbunden bleiben“, sagte der International-Management-Absolvent bei seinem Abtritt. (sid/kmh)

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