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Tränen bei DSV-EinkleidungStirbt deutsche Parade-Sportart? „Wirklich Angst“

Nathalie Armbruster bei einem Skilanglaufrennen im Schnee

Copyright: IMAGO / Eibner

Nathalie Armbruster fürchtet um die Zukunft der Nordisxchen Kombination.

Olympia-Aus, Geldsorgen, Tränen: Die Nordische Kombination kämpft ums nackte Überleben – doch Frankreich weckt neue Zuversicht.

Eine Aussage wie ein Donnerschlag: „In spätestens zwei Jahren gibt es die Kombination nicht mehr“.

Geäußert hat das niemand Geringeres als Bundestrainer Eric Frenzel während eines Interviews bei der „Zeit“. Dieses Statement löste enorme Diskussionen aus. Wenig überraschend, schließlich verdeutlicht es komprimiert das gewaltige Beben rund um diesen geschichtsträchtigen Sport.

Entscheidung über 2034 wird zum Schicksalstag

Was dahintersteckt: Über ein Jahrhundert lang gehörte die Nordische Kombination fest zu Olympia, bescherte auch den deutschen Athleten so manche Medaillenflut. Doch für 2030 strich das Internationale Olympische Komitee (IOC) sie komplett von der Liste. Klappt das Comeback auf großem Parkett vier Jahre danach? Absolut ungewiss.

Dadurch geht es mittlerweile um viel mehr als bloß um den Platz im Olympia-Programm – die komplette Sportart ringt ums Überleben. Während die Aktiven beim Einkleidungstermin vom Deutschen Ski-Verband (DSV) ihre großen Sorgen schilderten, sorgt ein Vorstoß aus Frankreich für einen Funken Zuversicht. Das berichtet Sport1.

Beim Treffen des DSV ließ sich die enorme Niedergeschlagenheit förmlich greifen. Besonders Nathalie Armbruster, die 2024/25 den Gesamtweltcup gewann, war den Tränen nahe und musste sich erst einmal sammeln. „Es ist gerade eine ziemlich schwere Zeit für uns“, erklärte die Athletin gegenüber Sport1. Sie ergänzte: „Ich werde ziemlich schnell emotional, weil ich wirklich richtig Angst um die Zukunft unserer Sportart habe.“

Dreifach-Olympiasieger Frenzel geht es ganz ähnlich wie seiner Vorzeige-Athletin. Seine eigene Ratlosigkeit versteckte der Trainer keineswegs. „Man hat viel gehofft in den letzten Jahren, in den letzten Monaten, das Ruder irgendwie rumreißen zu können“, räumte er ein. Gebracht hat der ganze Einsatz bis dato allerdings wenig. Wer sich international umhört, erlebt exakt dieselbe bedrückende Stimmung. „Ich höre auch von Kollegen aus anderen Nationen, dass sie nicht wissen, wie es weitergehen soll.“

Ein Blick ins Nachbarland verdeutlicht die ganze Dramatik. Dort verkündete der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) bereits, sämtliche Gelder für diese Sparte bloß noch bis zum Winter 2028/29 fest einzuplanen. Fehlt bis zum Jahr 2029 das definitive Okay für eine Olympia-Rückkehr, dreht selbst diese absolute Top-Nation den Geldhahn zu, weil das Budget nicht mehr darstellbar ist.

Nicht nur die aktuelle Generation bangt um ihre Laufbahn. Solche sportpolitischen Weichenstellungen zerstören vorrangig den Traum vieler Nachwuchskräfte. Was in den kommenden Saisons tatsächlich passiert, vermag Armbruster momentan überhaupt nicht vorherzusagen. „Wir wissen, dass es drastische Veränderungen geben wird, aber in welcher Form, wann sie eintreffen werden und welche konkreten Folgen die Entscheidung hat, da sind wir uns noch nicht im Klaren drüber“, so die Sportlerin.

Cheftrainer Frenzel weiß genau, dass er jungen Talenten aktuell keinerlei Garantien für die kommenden Jahre geben kann. „Natürlich würde ich gerne sagen: ‚Ihr habt hier genau die sportliche Perspektive wie in jeder anderen Sportart.‘ Das können wir leider aktuell nicht.“ Falls jemand unter diesen Umständen den Absprung wagt, zeigt der Coach dafür absolutes Verständnis. „Ich verstehe, dass man ein ungutes Gefühl hat und vielleicht sagt: ‚Ich möchte mich in einer anderen Sportart ausprobieren.‘ Dann werden wir denjenigen nicht im Ansatz böse sein oder die Wege verbauen.“

Prinzipiell wäre selbst für Armbruster ein kompletter Umstieg zu den Spezialspringerinnen eine Option. Das große Problem dabei: Ohne die geliebte Loipe würde ihr genau jenes Element fehlen, welches ihre jetzige Disziplin so unvergleichlich macht.

Entweder Ende 2027 oder Anfang 2028 wollen die IOC-Bosse ihr Urteil fällen. Dieser Termin entscheidet dann endgültig über das Schicksal der Kombinierer.

Doch inmitten der düsteren Wolken gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick: Ausgerechnet aus Frankreich, dem Gastgeberland der Winterspiele 2030, mehren sich zuletzt Stimmen, die sich doch noch für eine nachträgliche Aufnahme der Nordischen Kombination starkmachen. Ob dieses letzte Aufbäumen beim IOC Gehör findet, bleibt jedoch abzuwarten.