Verkehrte Welt beim Foto-Finish im Shorttrack: Der Italiener Pietro Sighel sicherte sich seinen Platz für den Finaltag, indem er die Ziellinie mit dem Hintern zuerst kreuzte.
Buh-Rufe nach Eis-DramaOlympia-Star fährt rückwärts um den Sieg
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Zwei Tage lang ließ ihn sein kurioses Foto-Finish noch von einer Olympia-Medaille träumen, jetzt ist klar: Lokalmatador Pietro Sighel (26) wird keine Shorttrack-Medaille im Einzel für Italien einfahren.
Über die 500 m der Männer mischte der Mannschafts-Olympiasieger am Mittwoch (18. Februar 2026) im Medaillenrennen mit, der Sprung unter die besten 20 war zuvor allerdings mit einem gewaltigen Schreckmoment verbunden.
Pietro Sighel rettet sich nach Kollision ins Ziel
Der zweite Vorlauf am Montag hatte für kuriose Bilder gesorgt, als der knappe Sieger Absal Äschighalijew (33) haarscharf vor Sighel über den Zielstrich fuhr. Während der Kasache wie üblich mit den Spitzen seiner Kufen ins Ziel schlitterte, kreuzte Sighel die Linie mit dem Hintern zuerst.
Zwar qualifizierten sich die besten zwei eines jeden Vorlaufs sicher für das Viertelfinale, dennoch hatte der Rückwärtsgang des Italieners nichts mit lockerem Auslaufenlassen zu tun. Im Gegenteil: Wenige Augenblicke zuvor hatte Sighel das bittere Aus gedroht.
In der letzten Kurve krachten der Lette Reinis Berzins (24) und der Türke Furkan Akar (23) ineinander und stürzten zu Boden. Dabei drohten sie auch Sighel ins Verderben zu reißen, weil Berzins ihn im Fallen mit der Hand am Schlittschuh erwischte.
Artistisch hielt sich Sighel trotz des hohen Speeds auf den Beinen, allerdings glitt er durch die halbe Drehung in der Auffangbewegung plötzlich rückwärts über das Olympia-Eis. Eine beinahe schon Eiskunstlauf-würdige Rettungstat!
Um bloß nichts mehr zu riskieren, ließ er sich die wenigen verbleibenden Meter bis ins Ziel gleiten, wo er sogar beinahe noch vor Äschighalijew gelandet wäre: Gerade mal neun Zentimeter trennten die beiden Vorlauf-Gewinner.
Die Lacher hatte Sighel damit auf seiner Seite, das Ticket für den Final-Abend in der Milano Ice Skating Arena außerdem in der Tasche. Aus der erhofften Gala wurde allerdings ein Frust-Auftritt. Zwar überstand Sighel noch das Viertelfinale und war in der Vorschlussrunde sogar auf Final-Kurs, dann zwang ihn eine Kollision in der letzten Runde diesmal dann doch in die Knie.
Während Sighel wutentbrannt aus der Halle stapfte und den Start im kleinen Finale aus Protest verweigerte, quittierte das italienische Publikum die Entscheidung der Offiziellen mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen.
Die Jury hatte sich nach Studium der Bilder dagegen entschieden, eine Strafe gegen den am Sturz beteiligten Kanadier Maxime Laoun (29) auszusprechen und Sighel nachträglich einen Platz im Finale zuzusprechen.


