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„Hart aber fair“ Olympia-Held schlug Peking-Angebot aus: „Das ist nichts für uns“

Christian Neureuther war am Montag bei „Hart aber fair“ zu Gast. Hier verfolgt er mit Rosi Mittermaier die Feier, in der sie 2019 zu Ehrenbürgern von Garmisch-Partenkirchen ernannt wurden.

Christian Neureuther war am Montag bei „Hart aber fair“ zu Gast. Hier verfolgt er mit Rosi Mittermaier die Feier, in der sie 2019 zu Ehrenbürgern von Garmisch-Partenkirchen ernannt wurden.

Emotionale Diskussion über die Olympischen Winterspiele in Peking. Bei „Hart aber fair“ war Olympia und China am Montagabend Thema der Sendung.

2008 fanden die Olympischen Sommerspiele in Peking statt. Jetzt, am 4. Februar 2022, werden die Winterspiele ebenfalls in Peking eröffnet. Viele Betrachter schlagen die Hände über dem Kopf zusammen bei der Vergabe des IOC nach China.

Am Montagabend 31. Januar 2022 wurde auch in der ARD bei „Hart aber fair“ über Olympia diskutiert. Moderator Frank Plasberg (64) stellte die Frage „Winter ohne Schnee, Spiele ohne Freiheit: Was soll Olympia in Peking?“ Zu Gast waren der dreimalige Olympia-Teilnehmer Christian Neureuther (72), ARD-Korrespondentin und Leiterin des ARD-Studios in Peking, Tamara Anthony (44, per Video zugeschaltet aus China), Felix Lee (47), Journalist und Buchautor („Der Gewinner der Krise - was der Westen von China lernen kann“), Deutschlandfunk-Moderatorin Marina Schweizer und CDU-Politiker Jürgen Hardt (58).

Zu Beginn wurde über die Argumente des IOC gesprochen, warum China der perfekte Ort für Winterspiele sei. In der Nähe von Peking sei nun ein Gebiet entstanden, was von nachfolgenden Generationen für den Wintersport genutzt werden soll. Neureuther winkte gleich ab: „Unsere Enkel werden nicht nach China fahren wollen, weil die eine andere Erziehung erhalten werden. Diese Region hat mit Wintersport nichts zu tun. Da wird ein Gebiet in den Boden gestampft. Da schneit es maximal fünf Zentimeter im Winter. In den Alpen hat sich das Skifahren dagegen über hunderte Jahre entwickelt.“

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Neureuther erzählte dann aus dem Nähkästchen: Seine Familie mit Frau Rosi und Sohn Felix sollte Olympia-Testimonial für China werden. Er reiste hin und schaute sich alles vor Ort an. Danach hat er gesagt: „Das ist nichts für uns.“

Tamara Anthony berichtete über die aktuelle Stimmung in Peking, von Olympia-Fieber sei nichts zu spüren: „Hier ist die erste Priorität momentan die Covid-Bekämpfung und die Neujahrsfeier. Man bekommt wenig von Olympia mit in den Straßen. Wenn man mit den Leuten spricht, sagen sie eher, dass es ihnen egal ist. Es ist lästig für die Menschen, weil viele Straßen gesperrt sind. Olympia scheint mir hier nicht so beliebt zu sein.“

Olympia in Peking: Es geht nur um Wachstum

Dass in der Nähe von Peking ein Skigebiet mit Zukunft entstanden ist, hält sie für realistisch: „Ich glaube schon, dass es viele Leute gibt, die auf den Geschmack gekommen sind.“ Laut IOC sollen 300 Millionen Menschen fürs Skifahren begeistert werden. Die Zahlen gehen in vielen Bereichen nach oben, was Ausrüstung und Tourismus angeht. „Das wird sicher weiter bergauf gehen,“ glaubt Anthony an wirtschaftlichen Erfolg.

Doch dass es nur ums Finanzielle geht, stößt bei nahezu allen Teilnehmern der Runde übel auf. Marina Schweizer sagte: „Die Olympischen Spiele sind ein Produkt. Für Athletinnen und Athleten ist es ein Highlight. Aber sie sind im Klammergriff, können nichts mitbestimmen. Ich frage mich, wie da olympische Momente aufkommen wollen.“

Journalist Felix Lee vergleicht dann die Sommerspiele 2008 mit den Winterspielen 2o22: „2008 war die Bemühung da, die Bevölkerung mit zunehmen. Jetzt versucht man abzuschotten. Für die Führung ist es ein grandioses Propaganda-Instrument. Das westliche Denken interessiert die Chinesen überhaupt nicht mehr. Diese Führung will nur zeigen: Peking ist die erste Stadt, die Sommer- und Winterspiele ausrichtet. Das ist ein Sieg. IOC-Präsident Thomas Bach spielt da komplett mit. 2008 wurde sich zumindest beispielsweise noch bemüht um Themen wie Pressefreiheit. Das war jetzt überhaupt kein Thema mehr.“

Für Jürgen Hardt (CDU) ist klar: „Die Entscheidung, die Spiele nach China zu geben, war falsch.“ In China herrsche das Denken: Hauptsache man hat Unterhaltung, egal ob man seine Meinung sagen darf. Hartd: „Da müssen wir was entgegensetzen. Olympia war auch immer ein Austausch. Es ist nun eine enorme Belastung für die Sportler.“

Was die Situation für Offenheit und Meinungsfreiheit erschwert, ist die Lage in der Pandemie. Corona werde nun auch von den Chinesen genutzt, um noch mehr abzuschotten. Anthony: „Das werden Spiele wie in einer Truman-Show. In der Blase wird alles schön gemacht, überall wird Kunstschnee verteilt.“

Doch ist es richtig, China und das IOC nur zu kritisieren? Schließlich wollten zahlreiche europäische Stadt, unter anderen auch München, die Spiele nicht ausrichten. Neureuther sagt zu der von der Bevölkerung abgelehnten Bewerbung von München: „Die Bewerbungsrichtlinien sind so komplex. Damit kannst Du einen Deutschen nicht mehr für Olympia begeistern. Das muss westlicher werden und nachhaltiger. Es glaubt keiner mehr dem IOC. Wir haben Ruinen in Rio oder Athen.“ Das könne man keinem Bürger mehr vermitteln.

Olympia: Die Rolle von IOC-Präsident Thomas Bach

Dann wurde über die Rolle des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach gesprochen. Schweizer stellte fest: „Das IOC und China haben sich die Hand gegeben. Das IOC denkt in Märkten. Es ist das erste Land, was nochmal Spiele bekommt. China hat nun das IOC als Verbündeten. Es geht hier um Wachstum, das ist mit Nachhaltigkeit nicht vereinbar.“

Moderator Plasberg fragte: „Herr Hardt, was würden sie Herrn Bach sagen, wenn sie ihn treffen würden?“ Hardt antwortete: „Ich würde Herrn Bach dringend raten, die Spiel auf das zurückzubringen, was sie mal waren: ein großes Sportereignis. Ich kann nicht verstehen, warum bei Olympia immer alles gigantischer sein muss.“ Hardt hat aber auch eine Befürchtung: „Ich fürchte, dass wir an einem Punkt sind, dass China sehr großen Einfluss auf Funktionäre hat.“

Neureuther kennt Ex-Fechter und Olympiasieger Bach schon lange und gut: „Er hat den Laden im Griff, aber auf die falsche Weise. Ich würde ihm sagen: Wir haben völlig andere Themen, Klimawandel und Freiheit. Das muss in die olympischen Bedingungen. Wir müssen zu den Werten zurückkommen. Wir brauchen nicht fünf Milliarden Umsatz in vier Jahren. Wir brauchen Vorbilder für die Jugend und Begeisterung für Sport. Kinder und Eltern müssen wieder sagen: Hey, das ist eine tolle Veranstaltung.“

Doch der Sport kann die Probleme und die Einhaltung er Menschenrechte nicht alleine lösen. Lee: „Sport war immer auch ein Politikum, ich hätte mir mehr Einfluss von der Politik gewünscht.“ Neureuther sieht es genau so: „Ein Wort der Politik würde ich mir im Sinne des Sportes wünschen. Da geht es um Menschen, wir müssen permanent darauf hinweisen. Wir müssen den Mund aufmachen. Das geht nur mit Druck, auch von namhaften Sportlern. Wir brauchen, die Politik, die Künstler und die Sportler, dann reagiert vielleicht auch das IOC.“

Schweizer stellte aber klar: „Das IOC hat die Spiele in der Hand und muss sie nicht an Länder wie China geben.“

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