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„Wertigkeit immer geringer“Hannawald schießt gegen andere Sportarten

Aktualisiert

Im Skispringen der Männer gibt es bei Olympia einen neuen Wettbewerb. Dafür wurde das klassische Mannschaftsspringen abgeschafft. Sven Hannawald hat eine klare Meinung.

Die Skisprung-Fans müssen bei den Olympischen Spielen auf einen beliebten Wettkampf verzichten. Der Team-Wettbewerb mit je vier Springern pro Mannschaft wurde durch das Event „Super Team“ ersetzt. Bei diesem tritt statt eines Quartetts nur noch ein Duo pro Land an.

Für die ausgemachten Freunde des klassischen Team-Wettbewerbs hatte ARD-Kommentator Tom Bartels am Montagabend keine guten Nachrichten. „Ich denke, egal wie viele Trainer sich noch beschweren werden und sagen: ,Wir brauchen das Vier-Mann-Team zurück‘– das wird der Wettkampf der Zukunft sein“, sagte er im Livestream bei ARD und ZDF über den neuen Wettbewerb, bei dem die Springer jeweils drei Sprünge zeigen.

Hannawald über andere Sportarten: „Gefühlt 18 Möglichkeiten“

Auch Experte Sven Hannawald sieht das so. „Definitiv, das wirst du nicht mehr zurückbekommen“, pflichtete der ehemalige Weltklasse-Skispringer seinem ARD-Kollegen bei.

Hannawald selbst gewann 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City Gold mit der Mannschaft. Dennoch kann er mit der Neuerung leben. „Ich finde es auch gut, dass wir nicht einen zusätzlichen Wettkampf bekommen, also zum normalen Team noch Super Team, weil ich es nicht schön finde, wenn du gefühlt 18 Möglichkeiten hast, Olympiasieger zu werden“, erklärte der ehemalige Vierschanzentournee-Sieger.

Mit dieser Aussage richtete sich Hannawald durchaus kritisch an andere Sportarten und -verbände, bei denen es immer mehr Wettkämpfe gibt: „Bei anderen Sportarten ist das so. Aber bei uns, wenn du Olympiasieger bist – dadurch, dass es nicht viele Chancen gibt –, hat das einen höheren Stellenwert. “

Er könne es nachvollziehen, neue Dinge zu forcieren und neue Abläufe in Wettkämpfen zu testen, so Hannawald. „Aber dann: Lasst einen weg. Denn die Wertigkeit wird immer geringer, wenn du mehr Wettkämpfe hast und somit auch gleichzeitig mehr Chancen.“

Im Vergleich zu Hannawalds Zeiten gibt es für die männlichen Skispringer bei Olympischen Spielen lediglich eine Medaillenchance mehr: Da mittlerweile auch die Frauen bei Olympia dabei sind, wurde der Mixed-Teammwettbewerb ins Programm aufgenommen. In der diesjährigen Ausgabe landete Deutschland dabei auf dem unglücklichen vierten Platz.

Ansonsten gibt es im Skispringen der Männer nach wie vor „nur“ die Einzelwettbewerbe von der Normal- und der Großschanze und nun eben das neue Event Super Team statt des Mannschaftsspringens.

Im Biathlon beispielsweise, zusammen mit Skispringen bei deutschen Fans die beliebteste Wintersport im Fernsehen, wurde das olympische Programm dagegen immer mehr aufgebläht. So gab es 1992 bei den Spielen, als erstmals auch die Frauen dabei waren, lediglich je drei Rennen für Frauen und Männer: Sprint, Einzel und Staffel.

Mittlerweile sind neben der Mixed-Staffel auch die Verfolgungen und die Massenstarts dazugekommen, die sich bei den Fans allerdings auch großer Beliebtheit erfreuen. Die Single-Mixed-Staffel hat es noch nicht ins olympische Programm geschafft. Der Biathlon-Weltverband möchte das aber ändern und hat einen entsprechenden Antrag beim IOC gestellt.

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