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Norweger liefert „das tragischste Bild dieser Spiele“ - Neureuther kommen in der ARD die Tränen

Nach seinem Ausscheiden stapft der Norweger Atle Lie McGrath davon Richtung Wald. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Petersen)

Copyright: 2026 Getty Images/Christian Petersen

Nach seinem Ausscheiden stapft der Norweger Atle Lie McGrath davon Richtung Wald. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Petersen)

Loïc Meillard ist der Gott des Gemetzels, Linus Straßer poltert über Olympia, und Atle Lie McGrath will zu Fuß nach Norwegen laufen: So war die Slalom-Entscheidung bei den Herren.

Die letzte Entscheidung im Ski alpin der Herren steht an. In Bormio geht es durch den Stangenwald. Dieser Slalom werde ein „Gemetzel“, so hatten es ein paar Fahrer vor Rennbeginn prophezeit. Sie sollten vielleicht in Aktien investieren oder Lotto spielen: Von den Top 30 Startern erwischt es in Durchgang eins nämlich bereits elf.

Atle Lie McGrath produzierte Bilder, die es sicherlich in die Jahresrückblicke schaffen werden. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Petersen)

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Atle Lie McGrath produzierte Bilder, die es sicherlich in die Jahresrückblicke schaffen werden. (Bild: 2026 Getty Images/Christian Petersen)

Darunter den Franzose Paco Rassat, die Italiener Alex Vinatzer und Tommaso Sala (obwohl ihr Trainer den Lauf gesteckt hat), Kitzbühel-Sieger Manuel Feller und Lucas Pinheiro Braathen, der im Riesenslalom das erste Gold für Brasilien bei olympischen Winterspielen geholt hatte. Der Samba-König trägt's mit Fassung: „Ich habe die Technik vergessen“, gibt er freimütig zu. Sagt aber auch, dass die guten und schweren Erfahrungen das Rezept für seinen Erfolg seien. Für seine Goldmedaille. Und wird dann poetisch: „Ich habe eine Sonne an meiner Jacke.“ Da wird Amelie Stiefvatter ganz neidisch.

Ein Haitianer ist Slalom-König der Herzen

Wie schon beim Drama in der Damenabfahrt steht die Journalistin mit Marco Büchel am Pistenrand. Den Live-Stream im Internet kommentiert Bernd Schmelzer, in Durchgang zwei emotional unterstützt von Felix Neureuther. Die beiden schließen sich, weil die Medaillenchancen für Linus Straßer nach Rang 12 im ersten Lauf eher gering sind, spontan dem Richardson-Viano-Fanclub an.

Linus Straßer schäumt im Interview: „Alles ist absolut steril!“ (Bild: ZDF)

Copyright: ZDF

Linus Straßer schäumt im Interview: „Alles ist absolut steril!“ (Bild: ZDF)

Viano wer? Nun, der 23-Jährige startet für Haiti. Der Inselstaat ist mit genau zwei Athleten bei den Spielen vertreten. Der andere ist Langläufer Stevenson Savart, der im Skiathlon 64. wurde. Viano ist mehr als doppelt so gut: Er landet am Ende auf Rang 29 und schneidet damit besser ab als - wir erinnern uns - Braathen, Feller und Vinatzer. Und ein paar anderen großen Namen, dazu gleich mehr.

Nach dem Schneetreiben im ersten Lauf kommt plötzlich die Sonne heraus, sie scheint nicht mehr auf Braathens Jacke, sondern auf Linus Straßer. Aber der ist nicht so der Sonnenanbeter, wie es scheint, und bringt auch diesen Lauf nicht ordentlich ins Ziel. Man hört förmlich, wie Felix Neureuther und Bernd Schmelzer synchron ins Mikro beißen. „Es war ois angerichtet“, heult Neureuther.

Straßer deutet Rücktritt an: „Ich kann darauf verzichten“

Auch ihnen fehlt die Stimmung: Marco Büchel, Amelie Stiefvatter. (Bild: ZDF)

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Auch ihnen fehlt die Stimmung: Marco Büchel, Amelie Stiefvatter. (Bild: ZDF)

Straßer selber heult nicht. Er ist einfach genervt. Nicht von der Piste oder der Kurssetzung, sondern von der Stimmung. „Du hast keine Interaktion mit den Zuschauern“, stellt er fest. „Wenn das der Genuss von Leistungssport ist, bin ich froh, dass es mein letztes Mal war.“

War das gerade eine Rücktrittserklärung? Vorm Fernseher hält man den Atem an. Doch Amelie Stiefvatter geht vorsichtshalber darüber hinweg. Straßer hat derweil noch etwas Luft und setzt hinzu: „Es ist absolut steril. Ganz ehrlich: Ich kann darauf verzichten!“

Amelie Stiefvatter spricht mit einem stolzen Rrichardson Viano. (Bild: ZDF)

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Amelie Stiefvatter spricht mit einem stolzen Rrichardson Viano. (Bild: ZDF)

Marco Büchel gibt dem Münchner übrigens recht: „Das hier ist ein Eventpublikum“, merkt er an und verweist auf die hohen Ticketpreise. Die für die Tribüne würden so um die 300 Euro kosten, mutmaßt der Liechtensteiner. Da kann Gianni Infantino nur müde lächeln, ein Ticket fürs WM-Finale wird auf den einschlägigen Plattformen der FIFA schließlich schon für 143.750 US-Dollar gehandelt.

„Das tragischste Bild dieser Spiele“

Als wolle sie bestätigen, dass ihr Stimmung und Spannung völlig egal sind, zeigt die internationale Regie vor dem Start des Drittplatzierten Fabio Gstrein dann auch nicht das Gesicht des Österreichers, sondern die Familie von Clément Noël, mit der der Franzose, frisch ausgeschieden, gerade chattet. Bernd Schmelzer und Felix Neureuther sind nicht amüsiert.

Und dann, Loïc Meillard hat gerade seinen Lauf souverän ins Ziel gebracht, startet Atle Lie McGrath. Der Kumpel von Lucas Braathen muss eigentlich nur unten ankommen. Tut er aber nicht. Irgendwo fädelt er ein, man bekommt gar nicht so richtig mit, warum und an welcher Stelle. Und dann wirft der junge Norweger seine Sportgeräte weg und stapft los. Stapft durch den Schnee Richtung Fangzaun, findet darin ein Loch und stapft einfach weiter Richtung Wald.

„Der läuft jetzt bis Norwegen“, vermutet Bernd Schmelzer. „Das tragischste Bild dieser Spiele.“ Ob es wirklich das tragischste ist, da sind andere vielleicht anderer Meinung. Franzi Preuß zum Beispiel. Oder Ilia Malinin. Mit Sicherheit Lindsey Vonn. Aber ohne Frage wird es dieses Bild von McGrath allein auf weiter Flur in sämtliche Jahresrückblicke schaffen. Schließlich legt er sich neben einem weiteren Zaun in den Schnee. „Da kommen mir die Tränen“, sagt Felix Neureuther und er meint das ganz ernst.

Am Ende holt Loïc Meillard also Gold und ist damit der Gott des Gemetzels. Fabio Gstrein rettet die Ehre der österreichischen Skifahrer. Und es bleibt die Erkenntnis, dass es bei Olympia der Stimmung zuträglicher sein kann, vorm Bildschirm zu hocken als im Stadion. „Wir hatten schöne Emotionen, wir zwei“, sagt jedenfalls Felix Neureuther zu Bernd Schmelzer. Wer will dem schon widersprechen? (tsch)

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