Die Vorrunde verlief nicht ideal, doch jetzt steht Deutschland bei Olympia im Viertelfinale. Wie steht es um den vermeintlichen „Knatsch“ im Team?
„Knatsch“ im Eishockey-Team?ARD-Experte analysiert Mo Müllers Brandrede
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Pflichtaufgabe gemeistert! Die deutschen Eishockey-Männer haben bei den Olympischen Spielen das Viertelfinale erreicht. In der Quali-Runde setzte sich das DEB-Team mit 5:1 gegen Außenseiter Frankreich durch.
Lange ausruhen dürfen sich NHL-Superstar Leon Draisaitl (30) und Co. auf dem Sieg aber nicht: Schon am Mittwochmittag (12.10 Uhr) geht es weiter. Mit der Slowakei wartet dann ein ganz anderes Kaliber.
Mo Müller wehrt sich: „Das habe ich so nicht gesagt“
Nach dem Frankreich-Spiel und vor dem Slowakei-Duell ging es in der ARD noch einmal um die Brandrede von Moritz Müller (39), der nach der wenig überzeugenden Vorrunde Alarm geschlagen hatte.
„Im Vorfeld ist viel darüber gesprochen worden, wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen“, hatte der Ex-DEB-Kapitän und Spielführer der Kölner Haie festgestellt und zudem hinsichtlich der NHL-Stars im Team betont: „Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die mit zu den besten auf der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn jemand von denen auf dem Eis ist, dass wir denen jedes Mal die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert.“
Diese Worte hallten auch nach dem Sieg gegen Frankreich noch nach. ARD-Moderatorin Stephanie Müller-Spirra (42) sprach den Experten Rick Goldmann (49) am Dienstagnachmittag auf die Aussagen an, bezeichnete Müllers Kritik als „ein bisschen Knatsch, der öffentlich wird“. Sie wollte vom ehemaligen Nationalspieler Goldmann wissen: „Was sagst du denn zu so einem Knatsch? Es gab wohl eine Aussprache ...“
Der Wortwahl widersprach Goldmann aber entschieden. „Für mich ist das kein Knatsch. Das kommt natürlich von draußen ein bisschen rein. Er weist darauf hin, dass die Mannschaft noch nichts gewonnen hat“, erklärte er. Die Frage sei, ob es die beste Mannschaft sei, die Deutschland je gesehen habe, oder die Mannschaft mit den besten Namen. „Und da ist momentan noch der Weg frei, zu sagen, das kann beides werden.“
Goldmann stellte sich hinter Müller. „Ich glaube, dass er die Erfahrung hat, wenn er das merkt, dass er sowas anspricht. Und ich glaube auch, dass der Zeitpunkt absolut perfekt ist. Denn wenn du es danach sagst, dann ist es vorbei, dann hast du keine Chance mehr. Wenn ein Team wirklich funktioniert, dann kannst du sowas ansprechen. Und dann kannst du mit dieser Klarheit auch eine Mannschaft in die richtige Richtung lenken“, betonte er.
Müller selbst stellte nach dem Sieg gegen Frankreich klar, dass er mit einigen Überschriften in der deutschen Presse nicht einverstanden gewesen war. Es sei nie um ein Problem zwischen NHL- und DEL-Spielern gegangen. „Das habe ich so nie gesagt. Ich habe gesagt, dass wir als Mannschaft besser spielen müssen und dass wir begreifen müssen, wie wir auf dem Level zu spielen haben. Alles andere wurde da von extern reininterpretiert“, so der Routinier. Das Spiel gegen Frankreich sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. „Ich habe gesagt, wir müssen geradliniger spielen. Das haben wir heute gemacht.“
Der neue Kapitän Draisaitl gab dem Verteidiger indirekt recht: „Ich glaube, dass es nicht ganz so einfach ist, wenn eine Mannschaft so in der Konstellation noch nie zusammengespielt hat. Das dauert manchmal ein bisschen“, betonte er. „Heute hat man schon gesehen, dass es ein bisschen besser war. Die Gegner werden jetzt stärker, gar keine Frage.“
Das deutsche Spiel blieb allerdings auch gegen Frankreich voll auf die NHL-Stars zugeschnitten, die bei dem Turnier sehr viel Eiszeit bekommen. „Ich bin das gewohnt aus Edmonton, relativ viel auf dem Eis zu stehen. Jungs, die viel spielen, die brauchen diese Eiszeit auch“, sagte Draisaitl zwar. Der gebürtige Kölner, der selbst beim Stand von 4:1 keine Schonpause für Mittwoch bekam, bemerkte aber auch: „Natürlich muss man auch genügend Eiszeit für die anderen Jungs finden. Das muss man gut balancieren können, weil die anderen Jungs genauso wichtig sind für unseren Erfolg.“ (mit dpa)



