Fabel-Rekord am Mount Everest – doch es gibt Zweifel.
Rekord mit BeigeschmackUS-Läufer besteigt Gipfel in unter 10 Stunden, doch es gibt Kritik

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Der Mount Everest lockt immer wieder zu Rekorden. (Archivbild)
Riesen-Wirbel um den Mount Everest! Ein Amerikaner meldet einen neuen Fabel-Rekord am höchsten Gipfel der Erde. Aber war das alles mit rechten Dingen zugegangen? Eine Top-Expertin hat da so ihre Zweifel.
Erneut steht der Mount Everest im Fokus eines Rekordversuchs. Laut Berichten der Online-Fachplattform ExplorersWeb hat der US-amerikanische Trailrunner Tyler Andrews die Strecke vom Basislager bis zum Gipfel auf circa 8.850 Metern Höhe in unter zehn Stunden bewältigt. Damit soll er die bisherige Bestmarke von Lakpa Gelu Sherpa aus dem Jahr 2003 um mehr als eine Stunde geknackt haben. Diese Leistung erregt in der Alpinisten-Community großes Aufsehen, entfacht aber auch eine Debatte über die Fairness solcher Rekorde.
„Natürlich ist es eine sehr beeindruckende Leistung, den Everest – auch mit Flaschensauerstoff – in dieser Zeit vom Basislager bis zum Gipfel zu besteigen“, erklärt Billi Bierling, die Chefin des Archivs Himalayan Database, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die meisten Menschen benötigen dafür allein vom Lager 4 auf 7.950 Metern bis zum Gipfel ähnlich lange.“ Sie betont jedoch, dass man einen Geschwindigkeitsrekord am Berg, bei dem Sauerstoff aus Flaschen genutzt wird, keinesfalls mit einer Bestleistung in einem Stadion gleichsetzen kann.
Expertin: Ohne Sauerstoff wäre es ein echter Rekord
Laut Bierling machen viele Details einen gewaltigen Unterschied, etwa ab welcher Höhe der Sauerstoff zum Einsatz kommt und mit welcher Durchflussmenge. „Zudem denke ich, dass man als Athlet einen solchen Rekord ohne Flaschensauerstoff bestreiten sollte“, fügt die Expertin hinzu, die persönlich mehrere Achttausender ohne künstliche Hilfe bezwungen hat. Der zusätzliche Sauerstoff sei ein Hilfsmittel zur Leistungssteigerung, da er die wahrgenommene Höhe erheblich senkt.
Den Mount Everest ohne diese künstliche Unterstützung zu erklimmen, gilt als eine der ultimativen Herausforderungen, an der die meisten scheitern. Andrews selbst hat dies laut eigenen Aussagen mehrfach probiert, musste aber jedes Mal aufgeben. Der Extremsportler wurde nach seiner Rückkehr von ExplorersWeb mit den Worten zitiert: „Mich hat es immer motiviert, als Sportler an meine eigenen Grenzen zu gehen, und der Aufstieg zum Gipfel in 9:55 Stunden (und der Rückweg in 16:32 Stunden) ist eine der härtesten Sachen, die ich je gemacht habe“.
Vergleich hinkt: Die entscheidenden Details
Seit den 1960er-Jahren erfasst die Himalayan Database so gut wie jede Expedition im nepalesischen Himalaya. Bierling merkte an, dass sie mit Andrews noch kein persönliches Gespräch geführt habe. Laut den Informationen von ExplorersWeb setzte er bereits ab Lager 2 auf 6.400 Metern Höhe künstlichen Sauerstoff ein, mit einer Durchflussrate von vier Litern pro Minute. Im Gegensatz dazu griff Lhakpa Gelu, der fast elf Stunden benötigte, erst ab Lager 4 auf Sauerstoff zurück. Dessen genaue Durchflussrate ist zwar unbekannt, da die Himalayan Database dies nicht aufzeichnet, aber zu jener Zeit waren zwei, maximal drei Liter pro Minute die Norm.
Zudem kommt hinzu, dass sich die Strecke am Berg jährlich ändert. Wie Bierling von erfahrenen Expeditionsleitern und Alpinisten erfuhr, war der Khumbu-Eisbruch dieses Mal besonders „schnell“. Verglichen mit früheren Saisons gab es anscheinend erheblich weniger Leitern und die Wegführung war wohl sehr geradlinig.

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Am Evererst ist der Aufstieg mit Fixseilen und Leitern vorbereitet. (Symbolbild)
Ein weiterer Faktor: Am Everest, wo sich in der Hochsaison oft lange Schlangen von Menschen zum Gipfel drängen, neigt sich die Klettersaison dem Ende zu. Andrews hatte also möglicherweise freie Bahn und wurde nicht von anderen Kletterern aufgehalten. „Am 20. Mai war das anders. Da waren 274 Menschen unterwegs und es gab an der Hillary Step wohl Wartezeiten bis zu drei Stunden.“
Die wahre Heldentat des Jahres
Im Gespräch mit der dpa stellte Bierling stattdessen eine andere außergewöhnliche Leistung aus diesem Jahr in den Vordergrund: „Das beeindruckendste, was ich dieses Jahr am Everest gesehen habe, war Bartek Ziemskis Skiabfahrten vom Lhotse und vom Everest, die er jeweils alleine und ohne Flaschensauerstoff bestiegen hat.“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
