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„Plötzlich steht Corinna in Michaels Benetton-Box“ So krallte sich Frentzens Freundin Schumi

Michael Schumacher (Benetton) mit seiner Freundin Corinna Betsch.

Juli 1992: Michael Schumacher posiert stolz mit seiner Freundin Corinna Betsch in der Benetton-Box.

Willi Weber, Ex-Manager von Michael Schumacher, schreibt in seiner Autobiografie „Benzin im Blut“ über seine Zeit mit der Formel-1-Legende.

Köln. Die Formel 1 und die Frauen – auch das ist ein Thema, in dem sich Willi Weber (79) bestens auskennt. Aber eines, das er diskret hinter den Kulissen der großen Rennsport-Bühne für seinen jungen Schützling Michael Schumacher managte. Bis zum 22. März 1992, denn da stellte der Kerpener beim Mexiko-GP seine neue Freundin Corinna Betsch vor.

Das war ein Ding, denn die schöne Blondine war zuvor mit Schumis Formel-3-Rivalen Heinz-Harald Frentzen liiert. Wie es zum berühmtesten Garagenwechsel der Formel 1 kam, darüber schreibt Weber in seiner am 27. August im Lübbe-Verlag erscheinenden Autobiografie „Benzin im Blut“. Express.de darf daraus vorab zitieren.

In der Formel 1 geht's um Motoren, Macker, Mädels

Dass die Rennstrecke kein Nonnenkloster ist, muss man, glaube ich, niemandem erklären. Seit jeher treffen hier die drei großen Ms aufeinander: Motoren, Macker, Mädels. Grid Girls heißen die Ladies im Englischen. Die deutsche Presse nennt sie „Boxenluder“. Und jeder hat wahrscheinlich sofort das Bild von Katie Price vor Augen, mit Brüsten so prall, dass in jedem Mann sofort der Tankwart erwacht. Atü, platzen, Druck ablassen. Sie wissen schon. In der Formel 1 kursieren die wildesten Sexanekdoten.

Über James Hunt, Formel-1-Weltmeister in den Siebzigern, Spitzname Hunt the Shunt – „Hunt, der Verschrotter“ –, erzählt man sich zum Beispiel die folgende: Noch spät in der Nacht ist er auf einer Party mit einem Mädel zugange, sodass er von Niki Lauda ermahnt werden muss: „Du, vergiss nicht, wir müssen morgen früh pünktlich um sieben zur Rennstrecke nach Paul Ricard fliegen!“

Und Hunt? Steht pünktlich um Viertel vor sieben auf der Matte, im Schlepptau besagtes Mädchen, dessen vormals weißes Kleid nun schwarz ist. Er trägt ein plärrendes Kofferradio auf der Schulter, ist total betrunken und hat keine Sekunde geschlafen. Dafür trägt er einen Overall mit Aufdruck: „Sex! Frühstück der Champions.“

Nun muss man sich seine Erlebnisse natürlich nicht gleich auf die Brust drucken. Bei Michael stellt sich allerdings die Frage: Was sollte da auch stehen? Disziplin bis zum Abwinken, Ehrgeiz ohne Ende, Mr. Perfect. All das ist Michael. Und zu vorgerückter Stunde der ungeselligste Mensch, den man sich vorstellen kann.

Gehen wir essen, schaut er spätestens um elf auf die Uhr, verkündet: „Oh, schon so spät! Tut mir leid, ich glaub, ich muss ins Bett.“ Und weg ist er. Hat aus seiner Sicht natürlich zwei Vorteile. Zum einen ist er am nächsten Morgen ausgeschlafen. Zum anderen in der Heia, bevor die Rechnung kommt. Ein echter Sparfuchs halt, ich glaube, ich erwähnte es schon. Das Einzige, was er in den letzten zwölf Monaten flachgelegt hat, sind Reifenstapel.

Michael Schumacher im Gespräch mit Manager Willi Weber und seiner Freundin Corinna Betsch.

Imola 1994: Michael Schumacher im Gespräch mit Manager Willi Weber (r.) und seiner Freundin Corinna Betsch.

Auf Fahrerpartys, auf denen er stets durch Abwesenheit glänzt, gibt es einen Running Gag, der geht so: „Weißt du, wo der Schumacher ist?“ „Ja, ich glaube, der macht im Nebenzimmer gerade Sit-ups.“ Dann lautes Gelächter und High five.

„Sag mal, merkst du nicht, wie die Girls hier um dich rumscharwenzeln?“, frage ich ihn, wenn wir dann doch mal abends etwas länger unterwegs sind. „Doch, klar“, grinst Michael dann meist. „Und?“, will ich wissen. „Was und?“ „Na, hast du deiner Susi ewige Treue geschworen, oder was ist das mit dir?“ Susi, zur Erinnerung, ist sein lang zurückliegendes Techtelmechtel aus Kerpener Tagen. Meist lacht er dann besonders verschmitzt und weicht mir aus: „Was wollen Sie denn immer mit der Susi, Herr Weber?“

Michael Schumacher fehlte lange Selbstbewusstsein

Nun bin ich ja aber nicht nur Manager, sondern auch Kontaktanbahner. „Siehst du diesen schüchternen Kerl da drüben?“, frage ich ein Partygirl, das sich gerade neben mich auf die Clubgarnitur hat plumpsen lassen. Ich nicke unauffällig in Michaels Richtung. „Ich glaube, der findet dich rattenscharf.“ Dass mein kleiner Michel im Kopf wahrscheinlich gerade Fahrzeugeinstellungen durchgeht, muss ich ihr ja nicht auf die Nase binden. Erst guckt sie fragend. Dann sehe ich diesen typischen Blick in ihren Augen aufleuchten, den Frauen immer dann haben, wenn Hundewelpen aus Auffangstationen und Katzenbabys aus Mülltonnen gerettet werden müssen.

Das Girl legt sich mächtig ins Zeug. Wirklich. Volle Punktzahl. Einen Lazarus würde es von den Toten auferstehen lassen. Und selbst sein Rollator hätte anschließend neue Reifen. Doch Michael? Scheint blind und taub. Was er natürlich nicht ist. Was ihm fehlt? Selbstbewusstsein. Gut Ding will Weile haben, sage ich immer.

Buchcover der Autobiografie von Willi Weber: "Benzin im Blut"

Willi Webers Autobiografie „Benzin im Blut“ (304 Seiten, Lübbe-Verlag) kommt am 27. August zum Preis von 20 Euro in den Handel.

In diesem Fall heißt „Gut Ding“ Corinna, kommt aus Halver im Sauerland, ist blond, Anfang zwanzig und Bürokauffrau. Wie vom Himmel gepurzelt steht sie plötzlich in Michaels Benetton-Box. Nun kann man da natürlich nicht einfach so reinlatschen. Es braucht ein Badge um den Hals. Eine Zugangsberechtigung. Doch da die Blondine ganz zufällig die Freundin ist von Heinz-Harald Frentzen, Michaels engem Freund aus Kart-, Formel-3- und Gruppe-C-Tagen, sind Badges für sie kein Thema. Und so wirklich vom Himmel gepurzelt ist sie natürlich auch nicht.

In Spa hat sie den Kaffee serviert, als Michael während seines Formel-1-Einstands in Heinz-Haralds Formel-3000-Bus hockte. Als Trio war man in der Vergangenheit Pizza essen, hatte zu Marianne Rosenberg abgehottet, Geburtstag gefeiert, auf der Kartbahn abgehangen, philosophiert, wie es wäre, in der Formel 1 zu fahren.

Aus dem „Wäre“ ist nun ein „Ist“ geworden. Michael hat’s gepackt, fährt die Königsklasse und küsst, das sehe ich sofort mit Kenneraugen, die Freundin seines Freundes. Während sich Heinz-Harald für zwei Jahre in der japanischen Formel Nippon verdingen muss, weil es in Deutschland kein Cockpit für ihn gibt. The winner takes it all. Sie wissen schon ….

Michael Schumacher küsste die Freundin seines Freundes

Corinna hat ein bisschen was vom Halleyschen Kometen. Auch dessen Auftauchen ist ja bekanntermaßen begleitet von diversen Weltuntergangsprophezeiungen. Schon bald müssen wir zwei feststellen, dass wir nicht immer der gleichen Meinung sind, was Michael braucht oder was ihm guttut. Wir verfolgen da, vorsichtig formuliert, diametral entgegengesetzte Konzepte.

„Du kannst ihn jetzt nicht stören, er schläft“, erkläre ich, wenn sie noch kurz vor einem Rennen zu ihm ins Motorhome will. Wohin sich Michael wie immer zurückgezogen hat. „Ich will da aber jetzt rein.“ Ihre Stimme ist laut, grell. Ein paar Leute drehen die Köpfe. Ganz schön selbstbewusst, die junge Lady, denke ich. Aber nun gut. Big Love, big Ausraster. So muss man das wohl sehen. Und weiß ich, was sie mit Michael besprochen hat?
„Na, dann …“ Ich trete beiseite. Selbst die sturmerprobten Security Guards, die vorm Motorhome postiert sind und es ohne Probleme mit der GSG 9 aufnehmen, kuschen, wenn sie Corinna sehen. Die wissen halt, wie AK-47 geht und Handgranate, nicht aber, wie überengagierte Girlfriends aus Halver funktionieren.

Wenn ein Formel-1-Pilot eine Frau in sein Leben lässt, dann ist
das, muss man wissen, wie die Superspar-Menüs im Fast-Food-Restaurant. Du willst die Pommes, aber die kommen mit Whopper. Corinnas Mutter Gaby ist aus der Bling-Bling-Abteilung, pflegt allerbeste Beziehungen zu ihrem Beauty Doc.

„Du, Willi, die Mami hat gerade gependelt, dass es gut wäre für Michael, wenn er jetzt das und das machen würde“, informiert mich Corinna, wenn sich Gaby daheim im Halver’schen Wohnzimmer mal wieder aufgemacht hat zu einer ihrer Pilgerreisen ins eigene Unterbewusstsein. Voller Bange erwarte ich den Tag, an dem sie mit Wünschelrute in der Boxengasse auftaucht.

Und als ob das nicht schon Glück genug wäre, gibt’s zum Whopper noch den Pappbecher mit Getränk: Peter, Gabys Lebensgefährte, ein einfacher Fliesenleger, weiß alles und kann alles und gibt ebenfalls gern seinen Senf dazu, wenn es um Michaels Karriereplanung geht. Und hinter meinem Rücken höre ich ihn zischeln: „Meine Jüte, muss denn der Willi so viel Geld verdienen?“

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