Andreas Wolff erwischt bei der EM gegen Norwegen einen absoluten Weltklasse-Tag – muss sich zwischenzeitlich aber sehr über seine Vorderleute ärgern.
„Hat mich nicht begeistert“Handball-Held Wolff legt Finger tief in die Wunde
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Andreas Wolff war nach dem Sieg der deutschen Handballer im Hauptrundenspiel gegen Norwegen der gefeierte Mann. Mit über 20 Paraden hatte er erheblichen Anteil daran, dass Deutschland trotz einer durchwachsenen Leistung weiter vom Halbfinale träumen darf.
Im ZDF-Interview gab sich Wolff nach dem 30:28-Erfolg zurückhaltend, lobte die Abwehr vor ihm. „Schon vor dem Turnier haben wir gesagt, wir wollen eine gute Defensive spielen. Das machen wir. Wir spielen sehr variabel hinten. Wir haben sehr viele verschiedene Formationen“, erklärte Wolff.
„Nicht nur innerlich“: Andi Wolff haderte mit Vorderleuten
Als er dann aber gefragt wurde, ob er an diesem Abend auch mal innerlich mit seinen Vorderleuten gehadert habe, antwortete Wolff ganz ehrlich: „Ich glaube, nicht nur innerlich. Man hat gesehen, dass die eine oder andere Szene mich nicht begeistert hat.“
Wolff hatte unter anderem in einer Szene mit Spielmacher Juri Knorr geschimpft, der eine von Wolffs Paraden unaufmerksam ins Seitenaus trudeln ließ. Dadurch blieb Norwegen im Ballbesitz – und Knorr bekam einen Anpfiff von Wolff.
„Das Thema Abpraller zieht sich durch das Turnier“, sagte Wolff. „Und eben einfach hier und da ein bisschen fehlende Cleverness vorne wie hinten.“
So richtig überzeugt haben die deutschen Handballer bislang eigentlich nur gegen Spanien. Dennoch stehen sie in der Gruppe mit 6:0 Punkten da – liegen damit vor den Top-Favoriten Dänemark und Frankreich (jeweils 4:2 Punkte), die die nächsten Gegner sind.
Eine Leistung wie gegen Norwegen oder zwei Tage zuvor gegen Portugal wird gegen die beiden Hochkaräter kaum reichen. Das betonte auch Wolff. „Ich denke, dass wir sehr gut dastehen, aber jetzt kommen zwei der drei besten Mannschaften der Welt und da müssen wir insbesondere im Angriff eine Schippe drauflegen, denn die Dänen werden solche Fehler nicht ohne Strafe lassen.“
Damit spielte Wolff auf die vielen Fehler und Fehlwürfe an, die sich Deutschland vor allem in der ersten Halbzeit geleistet hatte. Nur der Gruppenerste und -zweite kommen ins Halbfinale.
Am Montag (20.30 Uhr) geht es im Hexenkessel von Herning zunächst gegen den Weltmeister und Olympiasieger. In den vergangenen Aufeinandertreffen gab es für Deutschland gegen die Dänen nichts zu holen, unter anderem ging das olympische Finale in Paris im Sommer 2024 deutlich verloren.
„Wir werden auf jeden Fall darüber sprechen, dass wir nicht auftreten wie in den letzten Partien gegen Dänemark, wo wir eben noch ängstlicher waren als in den Partien heute und vorgestern“, kündigte Wolff an. „Man kann den Dänen nur auf eine Art und Weise Paroli bieten. Und das ist, wenn du in der Abwehr hinten richtig hart bist und vorne konsequent und eiskalt.“


