In einem Interview anlässlich des ZDF-Thrillers „Im Schatten der Angst“ sprach der aus Sachsen stammende Schauspieler Jörg Schüttauf darüber, wie seine erste Begegnung mit dem Westen verlief.
„Da war tote Hose“Jörg Schüttauf über seinen ersten Ausflug in den Westen

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Im Interview spricht Schauspieler Jörg Schüttauf davon, dass er vom Deutschen Theater vergessen worden war. (Bild: 2023 Getty Images/Hannes Magerstaedt)

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Jörg Schüttauf ist seit Jahrzehnten ein gern gesehener Schauspieler in Film und Fernsehen. Im Interview zum neuen ZDF-Thriller „Im Schatten der Angst - Der Skorpion“ spricht er über seine erste Begegnung mit dem Westen. (Bild: 2020 Getty Images/Andreas Rentz)
Schauspieler Jörg Schüttauf wurde in Karl-Marx-Stadt geboren, dem heutigen Chemnitz. Im Interview mit der Agentur teleschau erzählt der 64-Jährige von seinen Fluchtgedanken zu DDR-Zeiten, als er noch Theater spielte, und von den besonderen Möglichkeiten, die ihm sein Beruf bot. „Bei einigen Theatern in Ostberlin gab es die Möglichkeit, mit dem einen oder anderen Stück in das sogenannte nichtsozialistische Ausland zu reisen“, erklärt der zweifache Vater. Dadurch sei er damals „ein Reisekader“ gewesen, und er habe über diesen Weg schon mal etwas mehr rumkommen können „als ein gewöhnlicher DDR-Bürger“. „Das war mein Fluchtgedanke“, verrät Schüttauf im Gespräch,
1987 habe er sich bei Regisseuren vorgestellt, die entschieden hätten, dass Schüttauf „das Zeug dazu hätte“, an das berühmte Deutsche Theater in Berlin zu kommen. Dennoch sollte es bis 1990 dauern, ehe dieser Schritt tatsächlich möglich wurde. Zunächst war er noch vertraglich an ein Theater in Potsdam gebunden. Rückblickend erinnert sich der unter anderem aus dem Frankfurter „Tatort“ (2002 bis 2010) bekannte Schauspielstar daran, wie sich sein „planmäßiger Weg Richtung Karriere- und Hauptstadttheater“ unerwartet zerschlug. Als er im Deutschen Theater anrief, teilte man ihm dort mit, dass er über die Wende vergessen worden sei: „Man empfahl mir an einem anderen Theater in Berlin vorzusprechen, was ich dann auch mit Erfolg tat“, berichtet Schüttauf im teleschau-Interview.
„Konnte es nicht fassen“

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Im ZDF-Thriller „Im Schatten der Angst - Der Skorpion“ spielt Jörg Schüttauf den forensischen Psychiater Paul Kressmann. An seiner Seite: Julia Koschitz (Mitte) als seine Kollegin Karla Eckhardt und Susi Stach als Kommissarin Radek. (Bild: ZDF/Victoria Herbig)
Auch an seinen ersten Ausflug in den Westen erinnert sich der Schauspieler. Schüttauf erlebte ihn gemeinsam mit seiner damaligen Freundin, die heute seine Frau ist. Sie seien in der Nacht von Potsdamer Seite aus mit „so einem Rentnerbus, mit dem die älteren Herrschaften aus Westberlin zu Besuch kamen,“ über die Grenze gefahren. Zusammen mit „lauter Nachtschwärmern“, die Schüttauf alle kannte, stiegen sie nacheinander schweigend in den Bus. „Es gab irgendeinen sinnlosen Stempel in den Pass, und in Wannsee wurden wir ausgeladen. Da war tote Hose“, erinnert sich der Schauspieler im Interview. Also ging es weiter „zum Ku'damm mit Halligalli und großer Fete“. Dort habe er sich durch die Menschenmengen treiben lassen und „konnte es nicht fassen“. Pünktlich zum Dienstbeginn waren sie schließlich wieder zurück in Potsdam.
Das Interview mit der Agentur teleschau entstand anlässlich des ZDF-Thrillers „Im Schatten der Angst“, der am Montag, 9. März, zu besten Sendezeit zu sehen war. Den Film, der noch im Stream abrufbar ist, sahen 4,96 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 21,3 Prozent entsprach und den „Tagessieg“ unter sämtlichen linearen Primetime-Programmen einbrachte. (tsch)

