Über kaum einen Dopingfall wurde so emotional diskutiert wie über den von Mario Vuskovic. Der Innenverteidiger vom Hamburger SV beteuerte stets seine Unschuld – nun ist er nach vierjähriger Sperre zurück.
Vor FC-DuellProfi trainiert nach Dopingsperre wieder beim HSV mit
Als Mario Vuskovic um 15.17 Uhr endlich wieder den Rasen im Volksparkstadion betrat, brandete Jubel auf. Rund 6000 HSV-Fans hießen den Rückkehrer mit viel Applaus und „Vuskovic, Vuskovic“-Sprechchören willkommen zurück im Training, der Kroate bedankte sich schüchtern für den herzlichen Empfang.
Dann stürzte sich der 24-Jährige wieder in die Arbeit. Nach 1404 Tagen wurde jeder Ballkontakt des Innenverteidigers von den Fans auf der gut gefüllten Nordtribüne beklatscht.
Mario Vuskovic trainiert wieder beim HSV
Es war ein „Albtraum“, sagte Vuskovic einmal über den 11. November 2022 dem Magazin „11Freunde“. Jenen Tag, der sein Leben in ein Davor und Danach teilte. Damals holte ihn die Polizei vom Trainingsplatz, durchsuchte seinen Spind, Vuskovic musste auf die Wache.
Es folgte ein juristisches Hickhack. Vuskovic beteuerte stets seine Unschuld, der Hamburger SV und seine Fans kämpften für seinen Freispruch. Es half nichts, der Abwehrspieler wurde zunächst für zwei, dann vom Internationalen Sportgerichtshof CAS für vier Jahre wegen EPO-Dopings gesperrt. Nun kehrte Vuskovic auf den Fußballplatz zurück.
Mit der öffentlichen Einheit am Dienstagnachmittag im Volksparkstadion, dem ersten Training mit der Mannschaft, wolle man Vuskovic einen „sehr wertschätzenden Moment“ geben, betonte Trainer Merlin Polzin. Der Kroate, so Klub-Sportvorständin Kathleen Krüger in der FAZ, habe über einen langen Zeitraum seinen Traum nicht leben können und trotzdem nicht aufgegeben: „Ich habe höchsten Respekt vor dieser Leistung, vier Jahre weg zu sein und das dann auch nicht nur physisch, sondern vor allen Dingen mental wegzustecken. Das finde ich schon beeindruckend. Wir freuen uns auf ihn.“
Über kaum einen Dopingfall wurde im deutschen Fußball so emotional diskutiert wie über den von Vuskovic. Fans ehren den Spieler mit der Nummer 44 bis heute, die Kampagne „Free Vuskovic“ wurde auch von der Mannschaft unterstützt, für das Jahresende ist eine aufwendige TV-Dokumentation angekündigt. Ganz schön viel Trubel um einen Spieler, der für den HSV zwar bislang in 40 Zweitligaspielen, aber eben auch noch nie in der Bundesliga auflief.
Vuskovic dürfte fit sein, er hat mit einem Privattrainer gearbeitet. Und doch wird er keine Soforthilfe sein für den Tabellenletzten. So viel steht allein schon deshalb fest, weil die Sperre noch nicht vollständig abgelaufen ist. Am 22. November, dann 1474 Tage nach seinem letzten HSV-Einsatz, könnte der 24-Jährige ausgerechnet im Nordderby bei Werder Bremen theoretisch wieder in der Bundesliga auflaufen.
Einer, der vor zu großen Erwartungen warnt, ist Jonas Boldt. Die Geschichte mit dem Derby, so der langjährige HSV-Manager im Fachmagazin kicker, „hätte sich kein Drehbuchautor ausdenken können, aber er darf nicht überladen werden mit Erwartungen nach dieser langen Zeit. Es ist kein Disneyfilm.“
Vuskovic fehlt die Spielpraxis. Natürlich. Die Bundesliga-Rückkehr 2025 erlebte er als Edelfan, er jubelte auf der Tribüne immer wieder mit, als sein Bruder Luka als Abwehrchef mit für den Klassenerhalt sorgte. Der jüngere der Vuskovic-Brüder wird nach dem Ende seiner Leihe mittlerweile schmerzhaft vermisst, nun kehrt Mario Vuskovic zurück. Sein Albtraum hat ein Ende. (sid)

