Deniz Undav war der gefeierte Mann beim 2:1-Testspielsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana. Trotzdem kritisierte er die Fans im Anschluss und nahm dabei einen Teamkollegen in Schutz.
DFB-Joker gegen GhanaGefeierter Undav mit Fan-Kritik: „Darf ich noch was sagen?“
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Er war der gefeierte Mann des Abends und genoss den Rummel um seine Person sichtlich. Trotzdem lag Deniz Undav nach dem DFB-Testspiel gegen Ghana ein Thema besonders am Herzen.
Um den Stürmer des VfB Stuttgart hatte es in den vergangenen Tagen viele Diskussionen gegeben. Mit 18 Treffern in 23 Einsätzen ist er in der laufenden Bundesliga-Saison aktuell der mit Abstand beste deutsche Torschütze. Trotzdem musste er am Freitag in der Schweiz beim 4:3-Sieg der deutschen Nationalmannschaft 90 Minuten auf der Bank schmoren.
Deniz Undav nimmt Leroy Sané in Schutz
Und auch am Montagabend (30. März) beim 2:1-Erfolg gegen Ghana stand er wieder nicht in der Startelf. Die Fans in der Stuttgarter Arena feierten ihren VfB-Stürmer in der ersten Halbzeit aber dennoch mit „Deniz Undav“-Sprechchören. Der 29-Jährige stand kurz von der Bank auf und winkte dankend den Fans zu.
Zur zweiten Halbzeit kam Undav dann in die Partie, die Fans feierten ihn abermals. Wirklich viel zu sehen war vom gebürtigen Niedersachsen aber lange nicht – bis zur 88. Spielminute! Nach einer schönen Kombination verwertete Undav den Ball auf engstem Raum technisch ganz fein und legte ihn dann im Fallen zum 2:1-Siegtreffer über Ghana-Torwart Benjamin Asare. Spätestens jetzt war der Jubel in Stuttgart grenzenlos.
„Es war krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen“, sagte Undav nach dem Abpfiff in der ARD: „Spätes Tor gemacht, Sieg geholt – ein perfekter Abend. Top.“ Als ihn Reporter Alex Schlüter gerade verabschieden wollte, hatte Undav noch einen Einwand: „Darf ich noch was sagen?“
Der Siegtorschütze hatte trotz des Rummels rund um seine Person immer noch ein paar Gedanken für einen seiner Mitspieler. Leroy Sané, der von vielen Fans und Experten seit Längerem kritisch gesehen wird, wurde bei seiner Einwechslung in der 78. Minute von den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern ausgepfiffen. Auch bei seinen ersten Ballkontakten waren vereinzelt noch Pfiffe zu hören.
Das stieß Undav sauer auf, sagte deshalb: „Ich fand es schön von den Fans, wie die mich bejubelt haben. Danke nochmal dafür. Aber ich hoffe und ich bitte da jeden Fan, dass, wenn Leroy beim nächsten Mal reinkommt oder ein anderer Spieler, dass man da nicht buht. Egal, was ein Spieler macht. Man sollte hinter der Mannschaft stehen.“
Der Appell des Stürmers weiter: „Es ist wichtig, dass wir als Mannschaft mit den Fans zusammen eine Einheit werden. Und ich hoffe, dass es beim nächsten Spiel beziehungsweise bei der WM dann nicht mehr so sein wird. Deswegen fand ich es schade, weil im Endeffekt sind wir eine Mannschaft. Leroy gehört genauso zu uns wie jeder andere hier. Und ich hoffe, beim nächsten Mal supporten die Fans ihn auch.“

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Deniz Undav (r.) bedankt sich bei Leroy Sané (l.) und Leon Goretzka. Die beiden hatten seinen Siegtreffer vorbereitet.
Auch dem Bundestrainer stieß die Atmosphäre sauer auf. „Ich will keine Fans kritisieren, weil das habe ich einmal gemacht vor ein, zwei Jahren. Das hätte ich nicht machen sollen. Generell finde ich es aber wichtig, dass wir, egal, ob man jetzt zufrieden ist mit der Leistung oder nicht, den Spieler zumindest bei der Einwechslung so lange unterstützt, wie er den Adler auf der Brust trägt“, sagte Nagelsmann.
„Ich finde schon, wenn wir anfangen, uns gegenseitig zu zerfleischen, in Anführungszeichen, wird es garantiert nicht besser. Das ist in meinen Augen der falsche Weg“, sagte der Bundestrainer. „Er hat sogar das Tor vorbereitet. Da haben die Fans dann gejubelt.“
Sportlich bescheinigte der Bundestrainer Sané bei seinem Kurzauftritt eine Steigerung gegenüber dem Auftritt beim 4:3 gegen die Schweiz: „Ich glaube, Leroy hat heute deutlich besser gespielt.“
Auch vom Kapitän gab es Rückendeckung. „Leroy ist eigentlich einer, der überhaupt nicht egoistisch ist. Und deswegen wird ihm das auch nicht immer gerecht, diese Sichtweise von außen“, betonte Joshua Kimmich.

