Als „Tscharlie“ aus den „Münchner Geschichten“ wurde er bekannt - und ließ eine Karriere folgen, die noch lange nachhallen wird. Jetzt starb der TV- und Film-Schauspieler Günther Maria Halmer im Alter von 83 Jahren.
Ein Lebemann und Hallodri war er nur im TVTrauer um Günther Maria Halmer

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Günther Maria Halmer starb im Alter von 83 Jahren. (Bild: 2015 Getty Images/Hannes Magerstaedt)
Er hatte etwas herrlich Verknautschtes, so wie man es eigentlich nur von den Wienern kennt. Das ganze Leben ein Spiel, das man, sei es auch noch so quälend, eben spielen muss. Günther Maria Halmer, der verknitterte Chiemgauer mit dem fromm-bayerischen Zweitvornamen, war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten bayerischen Film- und Fernseh-Schauspieler. Einer, der so ganz anders war als die meisten anderen glatten Selbstdarsteller.

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Claudia und Günther-Maria Halmer waren 50 Jahre verheiratet. (Bild: 2024 Getty Images/Kerstin Joensson)
„Mit dem Alter lernt man, Prioritäten zu setzen“, wusste Halmer, geboren am 5. Januar 1943 schon am Beginn des sechsten Lebensjahrzehnts. Er versuche, sich „nicht mehr so viel zu ärgern“. Halmer nahm's gelassen: „Probleme habe ich keine mit dem Älterwerden. Man kommt halt dem Ende näher. Darüber denke ich schon öfter nach.“
Jetzt ist Günther Maria Halmer mit 83 Jahren gestorben. Das berichtet „Bild“ unter Berufung auf den Freundeskreis des Schauspielers, der zuletzt an einer Krebserkrankung gelitten hatte.
Günther Maria Halmer entzog sich dem Fernsehen auf dem Gipfel seines Erfolgs

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Gestatten, Kriminalhauptkommissar Sigi Riedmueller: Auch „Tatort“-Kommissar war Günther Maria Halmer, wenn auch nur ein einziges Mal, 1986. (Bild: BR / Foto Sessner)
Es gab Zeiten, in denen man versucht war, Halmer als hochkalibrigen Serienschauspieler zu bezeichnen. Wen wundert es, bei seinem „Tscharlie“ aus den berühmten „Münchner Geschichten“ in den frühen Jahren. Dieses Münchner Schlitzohr mit dem bayerischen Savoir vivre und der herrlichen Großmutter der Therese Giehse unter Helmut Dietls Federführung hat völlig zu Recht Fernsehgeschichte gemacht.

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Immer geschäftstüchtig: Tscharlie (Günther Maria Halmer, rechts) erklärt Reisebürobesitzer Ehrlicher (Toni Berger) die Idee von der „Negativwerbung“. (Bild: BR / Intertel Television GmbH)
Dann war da nach diesem frühen Volltreffer ja noch Fred Breinersdorfers Anwalt Abel, auch wieder so ein - wenn auch reiferer - Connaisseur und obendrein selbst ermittelnder Rechtsanwalt, mit eigener Kunstgalerie (vorübergehend) und starkem Hang zu guter Speis' und edlem Trank. Jean Abel, auch das war Halmer: 20 Folgen lang, von 1988 bis 2001, immer im ZDF, immer bei Bernd Burgemeisters Münchner Traditionsfirma TV 60.
Der Bonvivant war diesem Schauspieler, Sohn eines Rosenheimer Anwalts übrigens, der auf den Wunsch des Vaters eine Banklehre hätte absolvieren sollen und noch vor der Schauspielschule (Otto Falckenberg, München) als Bergarbeiter nach Kanada entfloh, auf den Leib geschrieben. Doch denkste: Halmer entzog sich alsbald dem Sog des im Fernsehen grassierenden Seriellen, auch wenn seine Agentin ihn geradezu flehentlich warnte: „Wer heutzutage ein Serienengagement ablehnt, entscheidet sich für die Arbeitslosigkeit.“
„Wir Schauspieler sind doch nur die Pudel der Bourgeoisie“

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Keine Angst vor Unterhaltungsfilmen: Günther Maria Halmer als abgebrannter Lebenskünstler Hartmut in der ARD-Komödie „Mein Vater, der Esel und ich“. (Bild: ARD Degeto / Kerstin Stelter)
Die Dame musste sich durch Halmers „konsequente Verweigerungspolitik“ jedoch eines Besseren belehren lassen. Nicht nur, dass Halmer gefragter Charakterdarsteller in deutschen Fernseh-Einzelstücken blieb: Er wurde auch zum gefragten Darsteller in internationalen Filmen - siehe „Gandhi“, „Sophies Entscheidung“ oder „Der Fall Lucona“. „Wenn du bei amerikanischen Regisseuren einmal im Adressbuch stehst, rufen die dich immer wieder an“, erklärte Halmer lapidar. So einer kann es sich dann schon mal leisten, dem ganzen Berufsstand eins mitzugeben: „Wir Schauspieler sind doch nur die Pudel der Bourgeoisie“, diktierte er einem bunten Magazin ganz 68er-mäßig in die Feder. „Wir machen doch nur Männchen und bekommen ein Gutti dafür.“
In den letzten Jahren war es dann seltener Festival-Film und häufiger die zuvor geschmähte Reihenproduktion im Schaffen Halmers, doch auch das wirkte stimmig. Gegen das Abkanzeln vermeintlich seichter Unterhaltungsfilme wie aus der „Pilcher“-, der „Traumschiff“-Reihe oder der Degeto-Produktionsschmiede der ARD wehrte er sich im teleschau-Interview: „Man übersieht, dass da viele gelungene Komödien gedreht werden. Dass sie zur Belustigung des Volks gedacht sind, ist schon klar. Aber es kann nicht sein, dass man Filme über Aidskranke drehen muss, um ernst genommen zu werden.“
Seit 1976 war Günther Maria Halmer mit seiner Frau Claudia verheiratet. Die ehemalige Schmuckdesignerin hinterlässt er ebenso wie zwei Söhne. „Sie brauchen eine kluge, humorvolle Frau, die Sie versteht und die nicht immer gleich eifersüchtig ist“, sagte Halmer im Interview über das Geheimnis seiner langen Ehe. „Eine gewisse Freiheit ist wichtig, dass sich niemand eingeengt fühlt.“ Hilfreich sei es auch, „wenn einem nicht gleich jede hübsche Larve den Kopf verdreht und man vor lauter Eitelkeit den Gockel spielt. Ich gehe ja auch an Torten vorbei und esse sie nicht, obwohl ich gern mal probieren würde.“
So schön knorrig und lebensklug wird das vermutlich keiner mehr sagen. (tsch)
