Der ehemalige FC-Profi Jonas Hector spricht über Trainer-Verpflichtungen im Fußball – und nennt ein Paradebeispiel für sogenannte Feuerwehrmänner.
„Findet immer wieder einen Job“Krasses Trainer-Phänomen macht Hector fassungslos
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In Köln war es zuletzt der Friedhelm-Funkel-Effekt: Dass Profivereine, die unter erheblichem Druck gegen den Abstieg kämpfen, noch einmal den Trainer wechseln, ist ein altbekanntes System.
„Es gibt einfach Trainer, die in diesen Situationen wirklich das richtige Händchen haben und sie auch lösen können“, beschreibt es FC-Legende Jonas Hector in seinem Podcast „Schlag und fertig“ mit dem Kölner Comedian Fabian Köster.
Jonas Hector: „Das ist im Trainergeschäft ja Wahnsinn“
Und doch sei in diesem Zusammenhang ein regelrechtes „Phänomen“ zu erkennen. „Du musst als Trainer gefühlt einmal in einer Situation erfolgreich sein“, so Hector über die Job-Aussichten mancher Fußballlehrer: „Das ist im Trainergeschäft ja Wahnsinn, wie Leute da immer wieder irgendwo reinrutschen.“
Der frühere FC-Kapitän unterscheidet in seiner Analyse drei Typen von Trainern, die immer wieder von Vereinen unter Vertrag genommen werden: „Entweder hast du eine Mannschaft, die etwas kleiner ist, die du gut coachst, und die dann Erfolg hat. Oder du bist gezeichnet als Feuerwehrmann. Oder du bist jemand, der die Liga kennt.“
Das beste Beispiel sei Pavel Dotchev, der aktuell den SSV Ulm in der 3. Liga trainiert und die Mannschaft von den Abstiegsrängen führen soll. „Das sage ich immer wieder in der Diskussion“, so Hector, der ausführt: „Der hatte schon so viele Vereine auf Zweit- und Drittliga-Ebene. Und der wird immer wieder geholt. Der findet immer wieder einen Job. Das ist unfassbar.“
Die Verantwortlichen in Ulm dürften laut Hector wie andere Vereine zuvor in einer vergleichbaren prekären Lage den folgenden Gedankengang gehabt haben: „Wir stehen nicht so gut. Wer kennt sich denn da so aus in der 3. Liga? Pavel Dotchev hatte schon zehn, zwölf Vereine in der Region. Dann machen wir’s mit dem“, so Hector mit einem Schmunzeln. Sein Urteil: „Das ist krass.“

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Souverän an der Seitenlinie: Ulm-Trainer Pavel Dotchev
Und in der Tat: Pavel Dotchev hat in seiner Trainerlaufbahn bereits für zehn verschiedene Vereine gearbeitet, zumeist in der 3. Liga. Den MSV Duisburg übernahm der heute 60-Jährige etwa im Februar 2021 auf einem Abstiegsplatz liegend, am Ende stand der Klassenerhalt. Beim SC Paderborn und bei Erzgebirge Aue tauchte er mehr als einmal auf. Auch Viktoria Köln trainierte Dotchev zwischen 2019 und 2021.


