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Trainer statt SchiriNeue VAR-Idee spaltet den Fußball – Klopp ist dafür

Vincent Kompany (hinten)

Copyright: Federico Gambarini/dpa

Bayern-Trainer Vincent Kompany spricht mit Schiedsrichter Christian Dingert. (Archivbild)

Klopp dafür, DFB dagegen: Zoff um die Trainer-Challenge.

Zoff um den Videobeweis! Klopp ist dafür, der DFB warnt vor dem Super-Gau. Jürgen Klopp bezeichnet die Trainer-Challenge als eine „interessante Idee“. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hingegen sieht darin das Risiko einer „noch größeren Enttäuschung“ beim sowieso schon hochemotionalen Videobeweis-Thema. Was geschieht, falls die Unparteiischen nicht mehr durch den Video Assistant Referee (VAR), sondern von den Coaches auf eventuelle Fehlentscheidungen hingewiesen werden?

Die „Sport Bild“ berichtet, dass die 3. Liga die Einführung des Football Video Support (FVS) erörtert. Auch die Frauen-Bundesliga signalisiere Interesse an diesem Pilotprojekt vom Weltverband FIFA, welches in manchen kleineren Ligen schon erprobt wurde. Diese reduzierte VAR-Fassung könne „für mehr Gerechtigkeit bei klaren Fehlentscheidungen sorgen“, äußerte sich Trainerin Eva Virsinger von der TSG Hoffenheim. In der Bundesliga der Männer ist eine Anwendung vorerst nicht vorgesehen – und dafür gibt es Anlässe.

Das spricht für die Einführung

Geringere Kosten

Die Vereine der dritten Liga und der Frauen-Bundesliga befassen sich mit der Challenge auch deswegen, da sie, verglichen mit dem VAR, erheblich billiger ausfällt. Es würden viel weniger Kameras benötigt, oft nur jene aus der TV-Produktion. Obendrein entfielen die Ausgaben für den sogenannten Kölner Keller, die Schaltzentrale des VAR. Es würden also nicht mehr alle spielrelevanten Aktionen kontrolliert, sondern lediglich jene, bei denen die Coaches ihr Recht auf eine Überprüfung geltend machen.

Größere Transparenz und Akzeptanz

Einer der wesentlichsten Kritikpunkte am VAR besteht darin, dass Zuschauer und Akteure kaum verstehen, wann und warum eine Intervention stattfindet. Überlässt man diese Zuständigkeit den Trainern, wird beides umgehend ersichtlich. Wenn die Sache über die Coaches abgewickelt wird, dürfte die Zustimmung bei den Anhängern ebenfalls wachsen.

„Das Spiel ist in den meisten strittigen Szenen eh unterbrochen. Es nimmt viel Diskussionen heraus. Das einzuführen, ist für mich eine sehr gute Idee“, sagte Trainer Lars Kornetka von Zweitligist Eintracht Braunschweig.

Positive Erfahrungen

In den dritten Ligen in Italien und Spanien sowie in der kanadischen Eliteliga wird die Challenge schon ausprobiert. Das FIFA-Projekt wurde auch bei der U20-WM im vergangenen Jahr in Chile realisiert, bei der die Trainer pro Match jeweils zwei Challenge-Karten ziehen durften. Im Halbfinale zwischen dem späteren Champion Marokko und Frankreich resultierte daraus ein Foulelfmeter und Treffer für die Mannschaft aus Nordafrika. Man sei durch die bisherigen Resultate „sehr ermutigt“, erklärte Pierluigi Collina, der Vorsitzende der FIFA-Schiedsrichterkommission.

In der Volleyball-Bundesliga (VBL) wird das technische Hilfsmittel längst angenommen. „Insgesamt hat sich das Challenge-System als wichtiger Baustein für mehr Fairness und Transparenz im Spiel erwiesen“, sagte Geschäftsführerin Kim Oszvald-Renkema der Deutschen Presse-Agentur. Sie offenbarte, dass sich Vertreter anderer Sportarten aus diesem Grund bei der VBL schon gemeldet haben.

Im nordamerikanischen Profisport geben ebenfalls die Trainer den entscheidenden Anstoß für eine Kontrolle – und nicht ein Videoschiedsrichter. In der NFL existiert das System bereits seit 1999; die Coaches werfen rote Flaggen auf das Spielfeld, wenn sie eine Szene kontrolliert haben möchten.

Zusätzliche Spannung

In der NFL verliert der Coach eine Auszeit, falls er seine Challenge-Karte ohne Erfolg eingesetzt hat. Im Fußball müssten die Trainer ihre wenigen Challenge-Möglichkeiten auch im korrekten Moment verwenden, andernfalls verfallen sie und fehlen womöglich in der Endphase, wenn es dann vielleicht zu einer Fehlentscheidung kommt. Das verleiht dem Spiel eine neue, aufregende Komponente.

 

Das spricht gegen die Einführung

Mehr Druck für Trainer

Wenn die Hauptverantwortung für den Eingriff beim Coach anstelle des Videoschiedsrichters liegt, steigert das ohne Frage den ohnehin schon gewaltigen Druck auf die Trainer. Zur Debatte stünden nicht mehr nur dessen taktische und personelle Maßnahmen, sondern ebenso die zum Videobeweis. Einer Erhebung des „Aktuellen Sportstudio“ nach stehen die Bundesliga-Trainer diesem Modell deshalb auch eher ablehnend gegenüber. Auch Hoffenheims Trainerin Virsinger sagte: „Das Challenge-System beim VAR sehe ich kritischer, das würde ein Fußballspiel komplett verändern.“

Taktischer Missbrauch droht

Trainer wie José Mourinho würden für den Erfolg alles machen – also auch den Kerngedanken der Challenge missbrauchen? Es ist klar: Coaches könnten ihre Challenges absichtlich in der Endphase einsetzen – auch bei eigentlich klaren Szenen –, um bei einer Führung Zeit zu gewinnen oder den Spielfluss zu unterbrechen.

Zweifel an der Notwendigkeit

Während in der 3. Liga und Frauen-Bundesliga die Challenge wegen des nicht vorhandenen VAR durchaus ihre Berechtigung haben könnte, stellt sich in der Bundesliga und 2. Liga die Frage nach dem Sinn. Denn dort wird derzeit ohnehin jede umstrittene Entscheidung in spielentscheidenden Momenten kontrolliert.

„Wir haben eine permanente Challenge“, sagte der ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer: „Die Chance, dass der Trainer was sieht, was der VAR in Köln im Keller mit zig Monitoren nicht sieht, das würde ich bei zwei Prozent in Betracht ziehen. Deswegen sehe ich noch nicht den Mehrwert.“

Potenzial für noch mehr Frust

Selbst wenn nur die Coaches mit ihrem Vetorecht über die Anwendung des Videobeweises befinden, löst das nicht automatisch das Frust-Problem. In der 3. Liga und Frauen-Bundesliga würden nur wenige Kameras genutzt, die bei strittigen Aktionen mitunter gar nicht aufschlussreich sind. Und was dann? „Mögliche Folgen könnten zusätzliche Diskussionen und eine noch größere Enttäuschung der Betroffenen sowie der Öffentlichkeit sein“, warnte der DFB, wie die dpa meldet.

In der Volleyball-Bundesliga-Hauptrunde der Männer wird momentan für die Challenge die vorhandene Livestream-Produktionstechnik eingesetzt. Diese Methode gerate „bei komplexeren Szenen an technische Grenzen“, sagte Geschäftsführerin Kim Oszvald-Renkema. Zur Saison 2026/27 soll die vollwertige Video-Challenge kommen. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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