Eklat um Opferfonds-Werbung Tennis Borussia Berlin wehrt sich gegen Verbot „politischer“ Trikotwerbung

Tennis Borussia Berlin gegen den Berliner AK

Auf der freien Fläche auf der Brust des Trikots von Tennis Borussia Berlin (schwarz, hier am 31. Juli 2021 gegen Berliner AK) wollte der Verein eine Werbung für einen Fonds für Opfer gegen rechte Gewalt aufdrucken. Doch der Verband hatte das verboten.

Fußballverein Tennis Borussia Berlin wollte die freie Werbefläche auf seinen Trikots einem Fonds für Opfer rechter Gewalt zur Verfügung stellen, doch der Nordostdeutsche Fußballverband verbot die Unterstützung. Nun wehrt sich der Klub in einem offenen Brief. 

Berlin. Für einen Fußballklub ist es in erster Linie immer schlecht, wenn Werbeplätze frei bleiben und sich keine Sponsoren finden. So erging es dem Berliner Regionalligisten Tennis Borussia mit der Trikotwerbung zu Beginn dieser Saison.

Wenige Wochen später entbrennt eine heftige Debatte über die freie Fläche auf dem schwarzen Stück Stoff. Denn Tennis Borussia Berlin hatte sich dazu entschieden, den freien Sponsorenplatz einer Organisation zur Verfügung zu stellen, die Opfer politischer Übergriffe finanziell unterstützt.

Die Organisation „Cura – Opferfonds rechte Gewalt“ setzt sich für Menschen ein, die Opfer rechter Gewalt geworden sind. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) sieht in der Unterstützung der Organisation allerdings ein politisches Statement und verbietet den Druck auf dem Trikot.

TeBe-Trikots: Verband beruft sich auf Verbot politischer Werbung

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Dabei beruft sich der NOFV auf Paragraph 25 Ziffer 8, die besagt: „Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen wird nicht genehmigt.“ Eine genauere Begründung veröffentlichte der Verband erst nach massiven öffentlichen Protesten.

In seiner Erklärung heißt es, das Verbot sei damit begründet, dass der Opferfonds Cura ausschließlich auf rechte Gewalt hinweise, „denn es gibt auch Gewalt von links und weitere Formen von Aggressionen und Diskriminierungen“. Laut Angaben von Tennis Borussia heißt es in der Begründung, die dem Verein vorliege, eine bestimmte Gruppe von Personen“ könne sich „durch die Werbung provoziert fühlen“.

Politische Botschaften im Fußball zum Teil geduldet

Der NOFV hingegen betont, er stehe für Vielfalt und Toleranz und trete rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie anderen diskriminierenden oder menschenver­achten­den Verhaltensweisen entschieden entgegen, heißt es weiter. Zuletzt standen die Regenbogenbinde von Manuel Neuer bei der EM oder die Knie-Geste in der Premier League in Solidarität mit der „Black Lives Matter“-Bewegung in der Diskussion.

Mit einem offenen Brief gehen der Verein und viele Unterzeichnerinnen und Unterzeichner nun öffentlich gegen das Verbot vor.

In dem Brief heißt es: „Engagement für demokratische Grundwerte muss auch auf dem Platz möglich sein. Glücklicherweise ist diese Haltung mittlerweile in vielen, wenn auch noch nicht in allen Sportverbänden angekommen. In der Bundesliga sind Statements gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung ebenso möglich wie in der Berliner Kreisliga. Wir appellieren an Verbände aller Sportarten, sich daran ein Beispiel zu nehmen.“

Ursula Kinkel gründete den Opferfonds als Reaktion auf rechte Gewalt

Im Brief wird dem Verband weiter der Vorschlag unterbreitet, dass die Spielordnung die Unterstützung durch eine Änderung von gemeinnützigen Organisationen explizit erlauben könne. Denn: „Solange wir als Gesellschaft davor zurückschrecken, uns klar zu Terror, Ausgrenzung und Hass zu positionieren, können wir nicht jene schützen, die von ihnen bedroht werden!“

Der Opferfonds Cura wurde im Jahr 1993 von Ursula Kinkel, der Ehefrau des damaligen Außenministers Klaus Kinkel, als Reaktion auf die Anschläge auf Asylbewerberheime in Mölln und Hoyerswerda ins Leben gerufen. Seit 2004 liegt der Fonds in der Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung.

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