Beim Test in Mainz gewinnt Julian Nagelsmann wertvolle Erkenntnisse. Und doch ist bereits klar, dass seine erste Elf für das WM-Turnier anders aussehen wird.
„Weltklasse“, „Straßenkicker“Nagelsmann schwärmt – und wird seine WM-Elf sicher ändern

Die deutsche Nationalmannschaft musste im vorletzten WM-Test am Sonntagabend nicht allzu hoch springen, um die Hürde Finnland erfolgreich zu nehmen. Und doch lieferte der souveräne 4:0-Erfolg so einige Antworten in Hinblick auf den Kader von Julian Nagelsmann.
„So können wir weitermachen“, sagte der Bundestrainer nach dem Auftritt in Mainz hochzufrieden. Klar ist aber auch: Seine erste Elf für die Mission fünfter Stern wird anders aussehen!
Nagelsmann lobt Deniz Undav und schwärmt von Lennart Karl
Wer sich für WM-Einsätze besonders empfehlen konnte? Matchwinner Deniz Undav, Jungstar Lennart Karl, ein starker Felix Nmecha und ein überzeugender Nathaniel Brown!
Allen voran Doppelpacker Undav bewies seine Klasse. „Er hat es sehr gut gemacht. Deniz war sehr gefährlich in der Box“, lobte Nagelsmann den Stuttgarter, bei dem nach dem zweiten Treffer die „untere Arschbacke“ zwickte. Ein längerer Ausfall sei aber nicht zu befürchten. Undav selbst lachte im ZDF: „Ein paar Tage Behandlung, dann ist wieder gut.“
Trotzdem machte der Bundestrainer klar: An Kai Havertz ist im Sturm kein Vorbeikommen. „Wir brauchen Kai“, betonte er. Am Dienstag wird der Arsenal-Star in den Flieger steigen, um die DFB-Truppe zu bereichern.
Am Samstag hatte Havertz im Champions-League-Finale trotz seines starken Treffers zum 1:0 letztlich nichts zu feiern, PSG holte erneut den Henkelpott. Im Team von Nagelsmann wird er dennoch für Änderungen in der Startelf sorgen, womöglich schon im letzten Test gegen die USA am kommenden Samstag (6. Juni/20.30 Uhr/RTL).
Schwärmen wollte Nagelsmann auch über den unbekümmerten Shootingstar vom FC Bayern. „Er ist ein Straßenkicker“, sagte der Bundestrainer über Lennart Karl: „Er wird für uns sehr wertvoll sein.“ Im selben Atemzug würdigte Nagelsmann aber auch den für Karl eingewechselten Leroy Sané und seine „unfassbare Dynamik“. Der Konkurrenzkampf auf der rechten Offensivseite bleibt damit offen.
Links hinten unterstrich Brown seine Qualitäten als echte Alternative zu David Raum, der im Liga-Endspurt aufgrund von Blessuren einige Spiele ausgesetzt hatte. Im Mittelfeld scheint es dagegen keine offenen Fragen mehr zu gaben, hier hat Nagelsmann mit Felix Nmecha, den er in den Stand der „Weltklasse“ erhoben hatte, die ideale Ergänzung zu Aleksandar Pavlovic gefunden.
Naglesmann warnt vor „zu viel Lust“ aufs Toreschießen
Sicher ins Team rücken wird zudem früher oder später Manuel Neuer – sobald dieser wieder fit ist. Insofern hat Nagelsmann seine erste Elf gegen Finnland noch nicht aufgeboten, auch wenn die Harmonie auf dem Feld bereits stimmte.
Ankommen wird es ohnehin auf etablierte Kräfte, um erfolgreich ins WM-Turnier zu starten: Nach 14 Monaten Pause ließ etwa Jamal Musiala im Zusammenspiel mit Florian Wirtz seine Klasse zumindest aufblitzen – beide trafen. Dass sich das Duo auf dem Feld sucht und findet, gilt als wichtiger Baustein für Nagelsmann.

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Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala klatschen ab: Im Test gegen Finnland trafewn beide ins Tor.
Der Angriff habe „alles, was eine deutsche Mannschaft braucht, um weit im Turnier zu kommen“, urteilte nach der Partie Rio-Weltmeister Per Mertesacker. Nagelsmann monierte allerdings auch, es sei ihm mitunter „zu viel Lust“ aufs Toreschießen – Geduld und Struktur gingen dabei verloren. Die Lösung liege im wachsenden „Vertrauen“ in die eigenen Fähigkeiten.
Ab Dienstag in Chicago will der Bundestrainer die Dinge weiter „einschleifen, die wir seit drei Jahren machen“. Bei der Generalprobe gegen die USA am 6. Juni gelte es laut Kapitän Joshua Kimmich, „an die Art und Weise anzuknüpfen – dann sind wir gut präpariert fürs Turnier“.

