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Kanzler redet sich um Kopf und KragenKommentar: Merz so weltfremd wie Nagelsmann

Bundeskanzler Friedrich Merz gibt US-Präsident Donald Trump ein DFB-Trikot.

Copyright: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Auch mit seinem Trikotgeschenk an US-Präsident Donald Trump irritierte Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) vor zwei Wochen. Der BVB-Anhänger äußerte sich nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft sehr irritierend.

Als ob das erneute WM-Scheitern nicht schon schlimm genug wäre. Die Äußerungen von Friedrich Merz verdeutlichen, in welcher Parallelwelt sich der Bundeskanzler befindet, und geben Grund zur Sorge.

Nach dem erneuten WM-Debakel für die Nationalmannschaft waren sich alle einig: Das Turnier-Aus gegen Paraguay war eine Blamage, die Konsequenzen haben muss. Nur einer, der hatte offenbar eine exklusive Sicht auf die Dinge.

„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch“, schrieb Friedrich Merz mitten in der Nacht im Netz.

Friedrich Merz versucht, Kritik mit einem neuen Posting einzufangen

Fraglich, ob der CDU-Politiker überhaupt genaue Kenntnis von der Botschaft hatte oder ob sein Kommunikationsteam diese Nachricht verfasst hatte und damit einen weiteren Fehltritt in der noch jungen Amtszeit zu verantworten hat.

Offenbar hat der Bundeskanzler ähnlich überforderte Berater wie der Bundestrainer. Wer sich in solch einer Parallelwelt aufhält, hat den Bezug zur Basis schon lange verloren. Merz’ Social-Media-Team versuchte, die Kritik einzufangen. In der Niederlage stehe man zusammen. Das mache uns stark, hieß es in einem neuen Beitrag. „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“

Besser machte es diese Erklärung auch nicht. Nach dieser WM geht es nicht um Spott. Nur Wut kommt angesichts der gezeigten Leistungen in den Fans hoch. Zehn Jahre Misserfolg der Nationalmannschaft verlangen klare Analysen und Entscheidungen, keine Gefühlsduselei.

Und wenn Kritik als Spott betrachtet wird, zeigt das ein klares Problem in der Gesellschaft: Diskussionskultur wird im Keim zerstört. Der Leistungsgedanke ist abhanden gekommen. Deutschland ist in allen Bereichen nur noch Mittelmaß.

Die Sicht auf die Nichtleistung der Fußballmillionäre ist sinnbildlich für den Zustand des Landes. 82 Prozent der Menschen haben Sorge vor der Zukunft. Entlassungswellen in der Wirtschaft, Kostenexplosion, dramatische Talfahrt der Industrie, desolate Infrastruktur im Land, Armut, Klimakollaps mit Hitzetoten – und der Kanzler blendet alles aus.

Auch Nagelsmann reagierte in seiner Amtszeit auf Kritik stets mit bockiger Attitüde und sperrte sich erst recht gegen meist gut gemeinte Hinweise. Mit dieser Haltung gibt man einer Mannschaft ein Daueralibi und nimmt ihr jegliches Verantwortungsbewusstsein.

Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann reagieren nach dem Spiel unzufrieden.

Copyright: Tom Weller/dpa

Endzeitstimmung bei der Nationalmannschaft. DFB-Sportdirektor Rudi Völler (l.) ist frustriert, Bundestrainer Julian Nagelsmann ratlos.

Der Bundestrainer hatte vor zwei Jahren den WM-Titel als Ziel ausgegeben. Eine Verantwortung für das klägliche Scheitern wollte er nun jedoch auf keinen Fall übernehmen. Da befindet er sich beim Kanzler in bester Gesellschaft.

Auch der trat vor gut einem Jahr mit großen Ansprüchen und markigen Worten an. Doch die Realität zeigt ein Land am Boden und eine Bevölkerung, die den Glauben an eine Besserung verloren hat. Wer bei einem Themengebiet wie Fußball in seiner Wahrnehmung schon derart an der Wahrnehmung einer ganzen Nation vorbei analysiert, dem traut man gar nicht zu, die wahren Probleme in Deutschland in den Griff zu bekommen.

Stefan Effenberg hat eine klare Meinung darüber, wie es mit der Nationalmannschaft weitergehen sollte.
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