4

+++ EILMELDUNG +++ Sechs Tote Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: Urteil ist da

+++ EILMELDUNG +++ Sechs Tote Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: Urteil ist da

Patzig nach PatzernKommentar: Mit Bockigkeit endet WM-Traum wieder viel zu früh

Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Spiel.

Copyright: Federico Gambarini/dpa

Julian Nagelsmann kassierte mit der Nationalmannschaft im dritten WM-Vorrundenspiel eine verdiente 1:2-Niederlage. Im Umgang mit dem Ergebnis zeigte sich der Bundestrainer dünnhäutig.

Aktualisiert:

Sportlich war die deutsche Niederlage gegen Ecuador verkraftbar. Dennoch hat das Spiel als Warnschuss vor der K.o.-Runde viele Fragen aufgeworfen. Ein Kommentar zur Nationalmannschaft.

Von wegen, der Zug hat keine Bremse. Letztlich ist die deutsche Nationalmannschaft bei der WM offenbar doch mit einem Modell Marke Deutsche Bahn unterwegs. Und da hapert es ja schließlich auch in allen Bereichen.

Wo steht die DFB-Elf? Diese Frage wurde zuletzt immer wieder aufgeworfen. Was war das 7:1-Schützenfest gegen Fußballzwerg Curacao wert? Gegen die Elfenbeinküste – Platz 30 der Weltrangliste – rettete Joker Deniz Undav in letzter Sekunde den Sieg. Gegen Ecuador – Nummer 24 im Ranking – setzte es die verdiente 1:2-Niederlage.

Nur drei deutsche Spieler wissen bei der WM bisher zu gefallen

Argentinien, Spanien, Frankreich, Mexiko, Brasilien, Niederlande, Kolumbien – in der K.o.-Runde warten zahlreiche Hochkaräter. Es braucht viel Fantasie und Fanliebe, um das deutsche Team da auf Augenhöhe zu sehen.

Der Blick auf den DFB-Kader fällt ernüchternd aus. Joker-König Undav, der zweimal stark aufspielende Felix Nmecha und der unbekümmerte Newcomer Nathaniel Brown können sich bisher als Gewinner des Turniers fühlen.

Die Liste der Akteure, die jedoch weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, ist wesentlich länger. Die Zauberzentrale mit Jamal Musiala und Florian Wirtz kommt nicht in die Gänge. Kai Havertz strahlt trotz seiner beiden Auftakttore zu wenig Gefahr aus. Joshua Kimmich wirkt fast teilnahmslos. Aleksandar Pavlović hat seine starke Bayern-Form offenbar im Kurzurlaub nach der Saison verloren.

Natürlich muss das Ecuador-Spiel unter besonderen Vorzeichen betrachtet werden. Einerseits war da eine Mannschaft, die leidenschaftlich um ihre letzte WM-Chance gekämpft hat. Auf der anderen Seite stand ein Team, das bereits den Gruppensieg in der Tasche hatte und Kräfte für das Sechzehntelfinale sparen wollte.

Hinzu kam ein Trainer, der möglichst viele Spieler für ihre klaglose Teilnahme am Sommer-Turnier als WM-Tourist mit einer Einwechslung belohnen wollte. Diese Mischung sorgte letztlich dafür, dass die tolle deutsche Siegesserie nach elf Partien gestoppt wurde. Jupp Derwalls 46 Jahre alter Rekord von zwölf Erfolgen in Folge wird also noch einige Zeit Bestand haben.

Gonzalo Plata erzielt gegen Deutschlands Torhüter Manuel Neuer das Tor zum 2:1.

Copyright: Shaquan Woody/CSM via ZUMA Press Wire/dpa

„Auf gar keinen Fall“ sah Manuel Neuer eine Teilschuld beim Gegentor durch Gonzalo Plata zum 1:2 bei sich.

Schlimmer als die sportlich verkraftbare Niederlage war jedoch der Umgang damit. Dass die DFB-Elf offenbar doch nicht die immer wieder beschriebene Einheit ist, zeigte sich danach. Kimmich hatte das Gefühl, dass der Gegner mehr gewinnen wollte. Und während Undav die Südamerikaner als „griffiger“ und „ekliger“ bezeichnete und forderte, dass man sich „mehr wehren“ müsse, bügelte der Bundestrainer entsprechende Fragen schnippisch als „Quatsch“ ab.

Auch Manuel Neuer sah nach dem dritten unglücklichen WM-Spiel seit seinem Comeback „auf gar keinen Fall“ einen Fehler bei sich. Auf Patzer reagiert der Schlussmann gerne patzig. Man kann nur hoffen, dass innerhalb des DFB-Quartiers in Winston-Salem mehr Klartext gesprochen wird als vor den Mikrofonen.

Mit Uneinsichtigkeit und Bockigkeit wird der WM-Traum schnell enden. Nach zwei Turnierwochen zeigt sich, dass viele Probleme nur von den Siegen überdeckt wurden. Wenn Nagelsmann seiner Mannschaft nun „Harakiri“ und zu viel „Freestyle“ auf dem Platz vorwirft, sollte er hinterfragen, wie es zu diesen zahlreichen Ballverlusten und den merkwürdigen Positionierungen seiner Spieler kommen kann und welchen Anteil er an dem unausgegorenen Auftritt hat.

Maximilian Beier und David Raum gehen vom Platz.

Copyright: IMAGO/Goal Sports Images

Frust: Die deutschen Spieler schleichen nach der Niederlage gegen Ecuador vom Feld.

Auch dürfen nach drei WM-Spielen abermals Fragen zur Personalauswahl erlaubt sein. Welche Funktion hat noch einmal Torjäger Nick Woltemade? Hilft Assan Ouedraogo in der Schlussphase auf der Bank wirklich mehr, als die Option Said El Mala? Passen alle vergebenen Rollen wirklich zu den Stärken der Akteure?

Am Montag startet die WM nach zweiwöchigem Vorgeplänkel für Fußball-Deutschland richtig. Die vielzitierte Turniermentalität ist dann gefragt. Zum Favoritenkreis gehört die DFB-Auswahl gewiss nicht. Vielleicht lässt sich aus dieser Rolle heraus befreit aufspielen – oder die dritte WM in Folge endet erneut viel zu früh.

Gonzalo Plata (Ecuador, l) erzielt gegen Deutschlands Torhüter Manuel Neuer das Tor zum 2:1.
Pleite gegen Ecuador
Neuer sieht keine Schuld – Nagelsmann: „Extrem ärgerlich“