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Nagelsmann im SportstudioGut gemeinter Auftritt wird zur Farce

Julian Nagelsmann mit Moderator Jochen Breyer im ZDF-Sportstudio.

Copyright: Screenshot ZDF

Hatte wenig zu erzählen: Bundestrainer Julian Nagelsmann im ZDF-Sportstudio.

Aktualisiert:

Bundestrainer Julian Nagelsmann war am Samstag im „Aktuellen Sportstudio“. Der Auftritt hatte gleich mehrere Haken. 

Letzter Bundesliga-Spieltag, die WM vor Augen, Diskussionen um ein Comeback von Manuel Neuer im DFB-Tor und Bundestrainer Julian Nagelsmann als Gast – eigentlich perfekte Zutaten für das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF.

Die Sendung versprach am späten Samstagabend beste Unterhaltung und vor allem ein wenig Klarheit rund um den WM-Kader. Das Ergebnis war dann aber doch ziemlich ernüchternd. Und das lag vor allem am Bundestrainer, der nichts sagen wollte. Ein Kommentar.

Nagelsmann redet sich um Kopf und Kragen

Exemplarisch für den gesamten Nagelsmann-Auftritt war schon das Einstiegsgespräch: „Julian, wie gut waren Sie eigentlich früher so im puzzlen?“, wollte Moderator Jochen Breyer wissen. Es folgte ein mehr als holpriger Monolog über Puzzles, Geduld und den deutschen WM-Kader.

Und so ging es weiter. Der Bundestrainer, der bei seiner Zusage für das ZDF noch davon ausging, den WM-Kader bereits veröffentlicht zu haben, wollte partout keine Details zu seiner Personalwahl verraten, bevor er am Donnerstag ab 13 Uhr ganz offiziell die 26 nominierten Fußball-Profis bekannt geben wird. 

Verständlich irgendwie, aber Nagelsmanns Auftritt mit flachen Gags und merkwürdigen Andeutungen ohne jeglichen Klartext verkam zur Farce. Die deutschen Fußball-Fans sind nach diesem Auftritt jedenfalls kein bisschen schlauer. Es ehrt Nagelsmann, dass er seinen ZDF-Besuch wahrnehmen wollte, unter den Umständen hätte er jedoch besser darauf verzichtet.

Der peinliche Tiefpunkt des Gesprächs war erreicht, als Nagelsmann sagte, dass er gar nicht wisse, welche Spieler auf der Liste mit den Namen von 55 Profis stehen, die der DFB schon bei der Fifa abgeben musste. Nur Spieler, die auf dieser Liste stehen, dürfen nominiert werden.

Die Fans wollen jetzt wissen, was mit Manuel Neuer ist. Kehrt der Weltmeister-Torhüter nach seinem Rücktritt zur WM zurück? Wahrscheinlich schon, Nagelsmann hätte die Gerüchte ohne Weiteres dementieren können. Und was ist eigentlich mit Oliver Baumann, der bisherigen Nummer 1? Der Hoffenheim-Keeper sagte am Samstag im TV, dass Nagelsmann ihm das Vertrauen ausgesprochen habe und er keine andere Info habe.

Nagelsmann ließ sich nicht in die Karten schauen, ob er mit Baumann über Neuers Rückkehr gesprochen habe. Was den Verdacht nahelegt, dass es dieses Gespräch eben noch nicht gegeben hat. Ist dem so, wäre es ein kommunikatives Debakel von Nagelsmann. Und ein Schlag ins Gesicht von Baumann, dem der Bundestrainer monatelang öffentlich den Rücken stärkte. Das sahen auch am Sonntag im Doppelpass die Experten Oliver Kahn und Stefan Effenberg so.

Sportlich ließe sich die Entscheidung pro Neuer durchaus begründen, doch diese Begründung lässt auf sich warten. Und das schon viel zu lange. Es ist komplett unverständlich, warum Nagelsmann bei der Personalie so rumeiert!

In vier Wochen beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Nagelsmann hat es bislang nicht geschafft, Optimismus zu verbreiten und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Ganz im Gegenteil: Es herrscht plötzlich unnötig Unruhe im Team, die Stimmung in Deutschland droht noch vor dem Turnier zu kippen. 

Zumindest eine Sache steht seit Samstagabend fest: Nagelsmann, dessen kommunikative Stärke immer wieder betont wird, hat sich mit dem Auftritt im ZDF fünf Tage vor der Nominierung und mit seinem Umgang mit den Torhütern keinen Gefallen getan. 

Oliver Kahn und Stefan Effenberg bringen den Henkelpott in die Allianz-Arena.

„Abenteuerlich“

Kahn und Effenberg gehen auf Nagelsmann los