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Fußballer outet sichEx-Nationalspieler spricht offen über Bisexualität

Der ehemalige brasilianische Nationalspieler Richarlyson bei einem Legenden-Spiel im Trikot seines Ex-Klubs FC São Paulo.

Der ehemalige brasilianische Nationalspieler Richarlyson im Dezember 2019 bei einem Legenden-Spiel im Trikot seines Ex-Klubs FC São Paulo.

Diesen Schritt wagen nur die Wenigsten: Fußball-Profi Richarlyson aus Brasilien hat sich in einem Podcast als bisexuell geoutet. Mit einem unfreiwilligen Outing hatte er vor Jahren schlechte Erfahrungen gemacht.

Erst das Outing, dann die klare Ansage! Der brasilianische Ex-Nationalspieler Richarlyson (39) hat im Jahr 2022 als einer von weltweit nur ganz wenigen Fußball-Profis offen über seine Bisexualität gesprochen.

Im Podcast „Nos Armários dos Vestiários“ sprach der aktuell vereinslose Mittelfeldspieler im Juni zunächst Klartext über seine sexuelle Orientierung und äußerte anschließend die Hoffnung, mit einem Outing womöglich etwas bewegen zu können. „Brasilien ist das Land, das die meisten Homosexuellen tötet“ beklagte er bei der Premiere des Fußball-Podcasts.

Fußball-Profi Richarlyson spricht erstmals über Bisexualität

„Ich hatte eine Beziehung mit einem Mann und ich hatte eine Beziehung mit einer Frau. Ich bin bisexuell“, erklärte Richarlyson ohne Umschweife. Er hatte 2008 zwei Freundschaftsspiele für die brasilianische Nationalmannschaft bestritten und im Jahr 2004 bei Austria Salzburg auch sein Glück in Europa versucht.

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Er selbst wünsche sich, dass die Aufmerksamkeit nun nicht auf seine Person gelegt werde, sondern die alltägliche Homophobie in der brasilianischen Gesellschaft.

„Ich bin normal, habe Bedürfnisse und Wünsche. Was ist dabei?“, so Richarlyson, der hoffnungsvoll ergänzte: „Vielleicht ändert es ja wirklich etwas in der Gesellschaft.“

Richarlyson hatte Streit um öffentliches Outing

Ganz neu ist das Thema Outing für Richarlyson nicht: Als er 2007 beim FC São Paulo spielte, outete ihn Funktionär José Cyrillo Júnior von Erzrivale Palmeiras in einer TV-Show als schwul.

Der Profi reagierte mit einer Anzeige und einigte sich ein Jahr später außergerichtlich auf einen Vergleich – aus Angst vor den Folgen des Outings, wie er nun mit 15 Jahren Abstand einordnete. Der traurige Rückblick zeigt: Richarlyson behielt Recht.

Fußball-Profi Richarlyson nach Outing angefeindet

Von gegnerischen Fans wurde er häufiger ausgebuht und verbal attackiert, wie das brasilianische Internet-Portal „Universo Online“ bereits ein Jahr nach dem Vorfall berichtete. Noch schlimmer: Teile der Anhängerschaft seines eigenen Vereins weigerten sich aus Ablehnung sogar fortan, seinen Namen bei der Verkündung der Aufstellung zu rufen.

Kein Wunder, dass Richarlyson bis zum Outing kaum jemanden eingeweiht hatte. Zum Zeitpunkt der Podcast-Aufnahme habe er nur mit seiner Mutter über seine sexuelle Orientierung gesprochen, sein Vater und sein Bruder würden erst durch seine öffentlichen Äußerungen informiert.

Seine sportliche Karriere war von den Anfeindungen glücklicherweise nicht beeinträchtigt. Beide Länderspiel-Einsätze fanden nach dem Vorfall statt, in Brasiliens Série A kam er auf über 200 Einsätze und feierte mit dem FC São Paulo drei Meisterschaften. Mit Atlético Mineiro gewann er außerdem 2013 an der Seite von Weltstar Ronaldinho (42) die Copa Libertadores. (bc)