Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

„Noch lange kein Superstar“Hoeneß knöpft sich Bayern-Juwel Karl vor

Lennart Karl auf dem Spielfeld.

Copyright: IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Lennart Karl musste jetzt Kritik von Uli Hoeneß einstecken.

Deutliche Ansage der Vereinslegende: Uli Hoeneß bestellt Lennart Karl zum Rapport ein. Jetzt zählt Bodenständigkeit!

Begeisterung löst diese Einladung bei Lennart Karl (18) sicher nicht aus. Das Nachwuchstalent muss bei Uli Hoeneß (74) antanzen. Zwar schätzt die graue Eminenz der Münchner die vielversprechendsten Nachwuchskicker im Verein enorm. Doch gerade aus dieser Zuneigung heraus schreitet die Führungsfigur sofort ein, wenn jemand die Bodenhaftung verliert.

Gegenüber der „Welt am Sonntag“ stellte Hoeneß in einem ausführlichen Gespräch unmissverständlich klar, dass ihm übertriebene Nachsicht missfällt. „Junge Spieler brauchen auch Druck. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob es Lennart Karl guttut, wenn man ihn immer nur in den Arm nimmt“, lautet sein Urteil. Das berichtet „Bild“.

Zu viel Fokus aufs Netz? Die Klub-Ikone greift durch

Doch das war längst noch nicht alles. Der langjährige Präsident und Macher des Rekordmeisters verschärft seinen Tonfall weiter: „Ich habe mir vorgenommen, ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Er ist noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut. Vergleiche mit Olise tun ihm offensichtlich nicht gut, da liegen noch Welten dazwischen.“ Diese Worte haben Gewicht.

Noch in der abgelaufenen Spielzeit galt Karl im Angriff des deutschen Rekordmeisters als das große Versprechen für die Zukunft. Durch unbekümmerte Einsätze sowie sehenswerte Treffer rückte der Angreifer extrem nah an die erste Elf heran. Seit dieser Phase sehen viele Experten in ihm bereits den nächsten Ausnahmekönner.

Für Schlagzeilen sorgte der Achtzehnjährige allerdings ebenso außerhalb des Spielfelds. Immer wieder präsentierte er sich dort recht extravagant. Dazu gehörten grelle rosafarbene Kleidungsstücke genauso wie Netz-Beiträge gemeinsam mit Partnerin Zoe Käppele (22). Seine Lebensgefährtin arbeitet als Content-Creatorin und verzeichnet bei TikTok beachtliche 554.100 Abonnenten.

Im Vorfeld der WM 2026 deutete alles auf einen steilen Aufstieg Karls auch in der deutschen Nationalmannschaft hin – inklusive Stammplatz und großer Turnier-Bühne. Unmittelbar vor dem Start folgte jedoch das bittere Aus durch einen Muskelbündelriss. Eine mehrmonatige Zwangspause war die Konsequenz. Seit diesem Zeitpunkt durchlebt der Offensivmann sein erstes tiefes Formtief und sucht im laufenden Spieljahr vergeblich nach seiner Normalform.

Das jüngste 2:2-Unentschieden im Duell mit Arsenal offenbarte seinen aktuellen Stellenwert schonungslos. Trotz des gleichzeitigen Ausfalls der drei hochkarätigen Angreifer Diaz, Olise sowie Musiala blieb für Karl anfangs bloß der Platz auf der Reservebank. Lediglich ab Spielminute 68 kam der Youngster noch zum Zug – ohne dabei Akzente zu setzen.

Hinter den Kulissen des Klubs wird längst kritisch diskutiert, weshalb der Jungprofi kürzlich stärker über seinen Instagram-Kanal statt durch sportliche Taten auf dem Grün auffiel. Nun erhöht Hoeneß vor aller Augen mächtig die Temperatur. Allerdings kann das Talent diese Maßnahme durchaus als besondere Auszeichnung werten. Schließlich hatte Hoeneß schon in der Vergangenheit stets die Angewohnheit, genau jene Rohdiamanten hart anzupacken, denen er eine große Karriere zutraute.

Als Paradebeispiel dient hier Bastian Schweinsteiger. Wegen einer extravaganten Irokesen-Frisur verordnete Hoeneß ihm einst kurzerhand einen Haarschnitt. Unvergessen bleibt insbesondere das heftige Donnerwetter von 2007. Zu jener Zeit war Schweinsteiger 22 Jahre alt – wobei Hoeneß damals weit mehr missfiel als bloß das schrille Styling auf dem Kopf. Damals schimpfte er folgendermaßen: „Dem Schweini haben in den letzten sechs Monaten zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen. Den klopfe ich nun wieder raus. Ich akzeptiere nicht mehr, was da zuletzt abgelaufen ist. Er arbeitet auf dem Platz zu wenig.“

Rückblickend zahlte sich das aus: Die deutlichen Worte weckten Schweinsteiger auf, woraufhin er zur absoluten Fußball-Weltklasse reifte. Nimmt die Entwicklung von Lennart Karl nun einen vergleichbaren Verlauf? Beweisen kann der Angreifer dies einzig und allein durch Leistung im Stadion. (red)