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„Haben Vorbild-Rolle“ Ex-FC-Coach Solbakken über Katar-Proteste und Rausschmiss von Russland-Profi

Stale Solbakken (Norwegen) mit Mathias Normann, der nach seinem Wechsel nach Moskau vom Nationalteam suspendiert ist.

Stale Solbakken unterhält sich am 21. März 2022 mit Mathias Normann. Nach seinem Wechsel zu Dinamo Moskau ist Normann nicht mehr Teil des Nationalteams.

Wie viel Haltung geht im Fußball? Die Norweger mit Nationalcoach Stale Solbakken gehen immer wieder mit gutem Beispiel voran. Im EXPRESS.de-Interview erklärt der Ex-FC-Coach die Gründe.

Stale Solbakken (54) hat ein großes Ziel: Erstmal seit 2000 will der Nationaltrainer Norwegen zu einem großen Turnier führen: Die Euro 2024 in Deutschland soll mit den Skandinaviern stattfinden. Doch nicht um jeden Preis.

Der ehemalige Trainer des 1. FC Köln zeigt klare Kante. Egal ob ein Protest gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar oder die Frage des Ukraine-Krieges. „Es gibt Zeiten, da kann man Fußball und Politik nicht trennen“, sagt der langjährige Erfolgscoach des FC Kopenhagen im Interview mit EXPRESS.de. Ein Gespräch über Haltung im Profisport, aber auch seinen Blick auf den 1. FC Köln.

Solbakken: „Normann hat das sehenden Auges getan“

Stale Solbakken, als Trainer Norwegens haben sie in dieser Woche eine deutliche Entscheidung getroffen. Wegen seines Wechsels zu Dynamo Moskau darf Mathias Normann nicht mehr im Nationalteam spielen…

Alles zum Thema Katar

Stale Solbakken: Ja. Der Spieler war sich der Konsequenzen bewusst und er hat sie sehenden Auges in Kauf genommen. Wir hatten über den Sommer öfter Kontakt, ich wusste, dass es Interesse gab. Er war der Auffassung, dass man Sport und Politik trennen sollte. Ich habe ihm gesagt, dass es Situationen und Zeiten gibt, in denen das nicht geht.

Und das ist so eine?

Solbakken: Ja, der ganze europäische Sport hat sich dazu entschlossen, Russland und seine Teams wegen des Angriffs auf die Ukraine zu ächten. Da kann ich nicht ausscheren und einen Vertrag dort unterschreiben. Normann wusste, was passiert, wenn er es tut. Als er unterzeichnet hatte, habe ich ihn gleich angerufen und ihm mitgeteilt, dass in zwei Stunden eine Pressemitteilung mit seinem Aus rausgeht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Norwegen sich deutlich positiniert. Wir erinnern uns an die Katar-kritischen T-Shirts.

Solbakken: Das war auch eine Initiative von mir. Wir sind uns alle einig, dass die Weltmeisterschaft niemals in Katar hätte stattfinden dürfen. Man kann nur hoffen, dass die Bedingungen inzwischen für einige der Gastarbeiter dort besser geworden sind. Aber von akzeptablen Verhältnissen kann man kaum sprechen. Wir haben uns als Mannschaft entschlossen, da deutlich Stellung zu beziehen.

Solbakken: „Deutschland muss Führungsrolle übernehmen“

Welche Wirkung erhoffen Sie von den Aktionen?

Solbakken: Norwegen ist ein kleines Land, wir wissen, dass unser Einfluss begrenzt ist. Deshalb schauen viele Menschen in diesen Tagen erwartungsvoll Richtung Deutschland und erhoffen sich, dass das Land eine Führungsrolle in Europa übernimmt. Die demokratische Welt wird immer kleiner und deshalb ist es gerade jetzt wichtig, deutlich Position zu beziehen und Zeichen zu setzen.

Hat es geholfen?

Solbakken: Als wir Katar kritisiert haben, sind die Niederländer und der DFB gefolgt, das hat dann schon mehr Wucht. Der Westen wird ständig auf die Probe gestellt. Wir haben da eine Aufgabe zu erfüllen, in Sachen Klimaschutz, Menschenrechte und Demokratie. Dafür brauchen wir aber die großen Nationen und Verbände. England, Frankreich und eben Deutschland.

Stattdessen gehen Bilder herum, wie Kylian Mbappé und PSG-Coach Christophe Galtier über die Möglichkeit, zwei Stunden mit dem Zug zu fahren statt zu fliegen, lachen.

Solbakken: Ich habe die Bilder gesehen. Wir Fußballer verdienen viel Geld mit unserem Job und sollen deshalb natürlich auch Vorbild sein. Allerdings darf man auch nicht die Spieler vorschicken und sagen: Macht mal. Die Funktionäre und Bosse sollten mit gutem Beispiel vorangehen.

Zurück zu Ihrer Auswahl: Für Norwegen geht es in der Nations League gegen Serbien um den Gruppensieg.

Solbakken: Ja, wir wollen unbedingt gewinnen, denn dann kämen wir in einen besseren Lostopf für die EM-Qualifikation. Und zur EM 2024 in Deutschland wollen wir es schaffen. Das ist unser großer Traum. 

Haben Sie noch Kontakt zum 1. FC Köln?

Solbakken: Wenig. Aber neulich war ich als TV-Experte bei einem Spiel in Madrid. Da riefen hinter mir zwei Männer „Stale! Stale!“ und „Boss! Boss!“. Als ich mich rumdrehte, saßen da Milivoje Novakovic und Miso Brecko, das war ein schönes Wiedersehen. Nova sah frischer aus, als in seiner Zeit als Spieler (lacht). Aber ich verfolge den FC immer noch. Steffen Baumgart gefällt mir, er gibt der Mannschaft unglaublich viel Energie und ist damit erfolgreich. Ich drücke ihnen in Europa die Daumen.

Bei der Leichtathletik-EM in München imponierte Ihr Landsmann Jacob Ingebrigtsen. Wie stolz sind die Norweger auf ihn?

Solbakken: Die Begeisterung ist groß. (lach) Aber es ist ohnehin unglaublich: Früher waren wir nur im Wintersport gut und hatten ein paar Fußballer. Jetzt haben wir mit Erling Haaland den vielleicht besten Stürmer der Welt, mit Ingebrigtsen einen absoluten Weltklasseläufer und mit Casper Ruud einen Ausnahmetennisspieler. Schon verrückt, wie schnell das manchmal geht.

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