Was ist nur mit Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz bei der WM los? Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sein Traum-Trio in Form kriegen.
„Harakiri bei der Positionierung“Nagelsmann braucht einen Plan bei seinem magischen Dreieck

Copyright: IMAGO/Ulmer/Teamfoto
Auf Jamal Musiala, Kai Havertz und Florian Wirtz kommt es in der K.o.-Runde der WM an.

Jamal Musiala (23), Florian Wirtz (23) und Kai Havertz (27) sollten Deutschlands magisches Dreieck bei der WM in Kanada, Mexiko und den USA werden. Bislang kann das Trio die Erwartungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) und die von ganz Fußball-Deutschland jedoch nicht ansatzweise erfüllen. Eine einfache Umstellung könnte das jetzt in der K.o.Runde ändern, Nagelsmann hat jedoch einen anderen Plan.
Sie sollten Deutschlands magisches Dreieck sein, in der Gruppenphase erinnerte das Trio leider mehr an die europäische satirische Tragikkomödie „Triangle of Sadness“ (Deutsch: „Dreieck der Traurigkeit“ oder „Zornesfalte“). Der Film war 2023 für den Oscar als bester Film nominiert, ist aber nichts für schwache Nerven: Höhepunkt ist eine 15 Minuten lange epische Kotz-Orgie auf hoher See. Zahlreiche Kino-Besucher verließen damals bestürzt und angeekelt die Säle.
Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz: Wann platzt der Knoten?
Zum Kotzen waren die Auftritte des deutschen Trios bislang nicht, die DFB-Fans verließen auch nicht angewidert die Stadien, aber es gibt doch noch viel Luft nach oben vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay am Montag (22.30 Uhr/live bei MagentaTV und im ZDF). Spielmacher und Bayern-Star Musiala hat nach drei Spielen erst ein mageres Törchen in der Statistik verbucht, Sturmspitze und Arsenal-Legionär Havertz kommt auf zwei Tore. Beide trafen ausschließlich beim 7:1-Kantersieg über WM-Zwerg Curacao. Liverpools Millionen-Mann Wirtz hat zwei Assists auf der Habenseite, eine Vorlage gegen Curacao, eine beim 1:2 gegen Ecuador.
Während die internationalen Superstars wie der Argentinier Lionel Messi (39), der Franzose Kylian Mbappé (27), der Norweger Erling Haaland (25), der Engländer Harry Kane (32) oder der Brasilianer Vini Jr. (25) bei der WM gefühlt alles kurz und klein schießen, hakt es bei den deutschen Stars. Vor allem im Zusammenspiel. Doch woran liegt es? Schaut man sich die bisherigen drei Auftritte der deutschen Nationalmannschaft bei der WM an, gewinnt man den Eindruck, dass sich Musiala, Wirtz und Havertz oft gegenseitig auf den Füßen stehen.
Sind sie sich zu ähnlich? Fakt ist: Alle drei haben die zentrale Position hinter der Sturmspitze als Lieblingsposition. Bei der WM spielt dort Musiala, Wirtz weicht auf den linken Flügel aus, zieht aber immer wieder in die Mitte, Havertz lässt sich zudem oft aus der Spitze fallen. Die Folge: Im ohnehin schon engen Zentrum staut es sich.
Das deutsche Trio ist noch weit entfernt von den Leistungen des originalen magischen Dreiecks, bestehend aus Giovane Elber, Krassimir Balakow und Fredi Bobic beim VfB Stuttgart von 1995 bis 1997. Das blinde Verständnis füreinander fehlt genauso wie die individuelle Form des Einzelnen. Das hat natürlich Gründe. Musiala und Havertz fehlten alle lange wegen diverser Verletzungen, standen beim finalen Testspiel gegen die USA erstmals seit 2024 gemeinsam auf dem Platz.
Die drei Profis sind allesamt Weltklasse-Spieler, doch sie sind nicht in Top-Form. Kriegt das Trio noch die WM-Kurve? Der Erfolg Deutschlands bei dieser WM wird massiv von dieser Frage abhängig sein. Nagelsmann muss sie in Schwung bekommen, sonst droht spätestens im Achtelfinale (wahrscheinlich gegen Vize-Weltmeister und Top-Favorit Frankreich) das frühe WM-Aus.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler (66) nimmt sie in die Pflicht, bleibt aber dennoch ganz entspannt. „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Das wissen sie auch selbst“, sagte er am Samstag: „Da bin ich total optimistisch. Es fehlt nicht viel.“
Bundestrainer Nagelsmann wirkte nach der Ecuador-Pleite angefasst, sogar ein wenig ratlos, als er auf das Trio angesprochen wurde. „Zu viel Freestyle nach der Führung“ und „Harakiri bei der Positionierung“ hatte er moniert. „Wenn keiner mehr weiß, wo er steht, wird es sehr schwer, das im Kollektiv aufzufangen, wenn sich die Ballverlustrate von null auf zehn steigert“, hatte er auch kritisiert. Nagelsmanns Lösung: Havertz, Wirtz und Musiala sollen die Positionen mehr halten und weniger auf dem Platz rotieren. Zudem soll das Trio die Gier, „in jeder Aktion ein Tor schießen zu wollen“, unterdrücken.
Hier an der EXPRESS.de-Umfrage teilnehmen:
Nagelsmann ist auf sein Trio angewiesen. Das weiß er ganz genau. Und deshalb redet er seine Stars stark. Die Harakiri-Aussagen kamen aus der Emotion, eigentlich streichelt der Bundestrainer sein magisches Dreieck. Musiala fehle es lediglich an Rhythmus, Wirtz nur das nötige Quäntchen Glück auf dem Platz. Nagelsmann geht nicht auf die Formschwächen ein, will die Leistungsexplosion bei der WM anscheinend herbeireden. Doch ist es damit wirklich getan? Vielleicht benötigt es auch eine taktische Umstellung.
Eine Option wäre es, Wirtz und Musiala die Positionen tauschen zu lassen. Musiala spielte bei der EM 2024 auf dem linken Flügel und überzeugte dort als quirliger Dribbler, traf im Achtelfinale gegen Dänemark und war beim mehr als unglücklichen EM-Aus bei der Heim-EM gegen Spanien bester Mann auf dem Platz. Marc Cucurella verhinderte Musialas persönliche Heldengeschichte sowie den deutschen Einzug ins Halbfinale mit einem Handspiel, von dem die Fußballwelt wohl noch in 50 Jahren sprechen wird.
Nach seiner Horror-Verletzung vor einem Jahr bei der Klub-WM fehlt Musiala ein wenig die Leichtigkeit und die Geschmeidigkeit in seinen Aktionen. Vielleicht ist es auch der Druck, als Spielmacher das Angriffsspiel zu bestimmen – auf links kämen seine individuellen Fähigkeiten besser zur Geltung. Musialas Zahlen beim DFB belegen diese These: Auf dem Flügel hat er in 23 Spielen 13 Torbeteiligungen vorzuweisen, zentral sind es in 22 Partien nur fünf.
Und Wirtz könnte in seiner Paraderolle als Zehner aufgehen und der Welt auf der großen WM-Bühne zeigen, warum Liverpool vor einem Jahr mindestens 125 Millionen Euro für ihn nach Leverkusen überwies. Auch in England wird man genau hinschauen, denn im Klub kam er auch noch nicht so zur Geltung wie einst in Kölns Nachbarstadt.

