Startet Özcan beim BVB durch? Ex-FC-Trainer: „Karriere ist kein Lift, wo es immer nur nach oben geht“

Salih Özcan zeigt auf dem Platz nach vorne.

Salih Özcan (hier am 11. Februar 2022 im Trikot des 1. FC Köln) will sich in der neuen Saison 2022/23 bei Borussia Dortmund durchsetzen.

Borussia Dortmund hat Salih Özcan vom 1. FC Köln verpflichtet. Doch kann das Kölner Eigengewächs bei einem europäischen Top-Klub im Mittelfeld überzeugen?

Nach der eher enttäuschenden Saison trotz Vizemeisterschaft hat Borussia Dortmund einen Umbruch im Kader eingeleitet. Unter anderen wurde auch Salih Özcan (24, 1. FC Köln) für die Sechser-Position im Mittelfeld verpflichtet.

Die Top-Zugänge Nico Schlotterbeck (SC Freiburg), Niklas Süle (Bayern München), Karim Adeyemi (RB Salzburg), Sebastien Haller (Ajax Amsterdam) und Özcan fehlten noch beim Trainingsstart am 29. Juni 2022 und werden wie die weiteren Nationalspieler erst am 8. Juli ins Training einsteigen.

Das Kölner Eigengewächs Özcan kam dank Ausstiegsklausel für rund fünf Millionen Euro zum BVB und erhielt dort einen Vertrag bis 2026.

BVB: Kann Salih Özcan direkt einschlagen?

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Die Frage, die viele Fans, Expertinnen und Experten nun umtreibt: Kann Özcan, der beim FC eine starke Saison zeigte, auch bei einem Top-Klub wie Dortmund überzeugen?

Im Gespräch mit EXPRESS.de analysierte der ehemalige Kölner Star-Trainer Christoph Daum (68) am 28. Juni 2022 die Situation von Özcan und dem BVB.

Daum sagt: „Salih hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern: Letzte Saison sollte der Vertrag in Köln nicht verlängert werden. Okay, türkische Vereine hatten großes Interesse, aber sonst hat sich da nicht viel getan. Dann hat er sich in die Mannschaft rein gekämpft auch mit der Unterstützung von Trainer Steffen Baumgart, der ihm ganz klare Vorgaben gegeben hat, was er vom Spieler verlangt. Diese Aufgaben hat Salih sehr gut erfüllt. Und damit hat er die Begehrlichkeiten von Borussia Dortmund geweckt, die ihn regelmäßig gescoutet und beobachtet und ausgewertet haben.“

Dass Özcan nun beim BVB landete, ist für Daum keine allzu große Überraschung gewesen: „In diesem Bereich haben die Dortmunder natürlich Nachholbedarf, auch durch die Abgänge. Insofern eine logische Konsequenz, dass sie Salih verpflichtet haben.“

Christoph Daum: Salih Özcan mit sensationeller Entwicklung

Beim Blick in die Glaskugel, was Özcans Entwicklung angeht, ist auch Daum gespannt: „Wie er jetzt in Dortmund integriert wird, oder wie er selber diesen nächsten Schritt macht, müssen wir wieder abwarten. Auch in Köln war dieses Durchstarten nicht vorherzusehen. Das war für mich eine überraschende und sensationelle Leistungsexplosion, die Salih in Köln durchlaufen hat in so kurzer Zeit. Und ich kann nur sagen: Eine Karriere ist kein Lift, wo es immer nur nach oben geht. Das ist auch eine Treppe, wo du auch mal eine Zeit lang auf einem Tableau bleibst.“

Daum rechnet damit, dass Salih Özcan auch auf der Bank landen könnte: „Vielleicht braucht Salih auch diese Phase jetzt in Dortmund, um sich zu stabilisieren, durchzuatmen. Er muss die Karriereplanung auch langfristig anlegen. Nicht dass er meint, was in Köln passiert ist, muss jetzt im nächsten Schritt wieder passieren. Ich wünsche ihm das, das wäre klasse. Nur: So eine Karriereplanung ist auch von sehr viel Willensausdauer, Geduld, Hartnäckigkeit geprägt. In Köln hatte er fast eine Glückssträhne.“

Christoph Daum sagt: Borussia Dortmund kann Meister werden

Doch auch wenn Özcans Leistungsentwicklung nicht so kometenhaft weitergeht, glaubt Daum, dass sich seine Qualität langfristig durchsetzen wird: „Salih kennt auch die harten Zeiten. Insofern sollte er sich in Dortmund da auch nicht entmutigen lassen, wenn es erst mal nur über die Bank geht. Aber ich wünsche ihm natürlich, dass er sich auch da durchsetzt, wie er es in Köln auch gemacht hat. Er ist ein toller Charakter.“

Und dann ist da noch die Titelfrage: Kann Dortmund dem FC Bayern gefährlich werden? Wer wird Meister? Daum sagt: „Von der Papierform her ist das natürlich wieder Bayern, sie haben nach wie vor die besten Voraussetzungen. Aber ich sage, die Dortmunder können‘s genauso werden, weil die Meisterschaft wird nicht durch die direkten Duelle entschieden, da gibt es nur sechs Punkte. Wenn jeder zu Hause gewinnt, dann kommt es auf die anderen 32 Spiele an. Da muss ich nur einen Punkt mehr als die Bayern haben.“

Daum erwartet jedenfalls eine spannendere Saison als zuletzt: „Ich sehe gute Chancen für einige Mannschaften. Aber an erster Stelle für Dortmund. Nur: Sie müssen eine neue Mannschaft aufbauen, so viele neue Spieler integrieren. Aus dieser Individualität eine mannschaftliche Geschlossenheit zu machen, das wird eine riesige Herausforderung für Trainer Edin Terzic. Ganz entscheidend wird es diesmal sein, wie der Saisonstart verläuft. Mit dem neuen Trainer und den neuen Spielern wird es unheimlich auf den Start ankommen. Wenn der BVB dann in einen gewissen Lauf reinkommt, dann werden sie in der neuen Konstellation eine große Chance haben, Meister zu werden. Nur in Dortmund wird da keiner groß drüber sprechen wollen.“

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