Frostiger Empfang im Stadion, Flucht unter das Handtuch: Für Malik Tillman wird es unter dem Bayer-Kreuz ungemütlich.
„Sie haben dich ausgebuht? Warum?“Pfiffe gegen Bayer-Profi: Nimmt Rekordmann Reißaus?

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Malik Tillman im Zweikampf mit Torwart Jan Reichert.
Während Ibrahim Maza sowie Bilal El Khanouss im Spielertunnel der BayArena trotz der 2:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart recht entspannt plauderten, sah die Welt für Malik Tillman völlig anders aus.
Beinahe unsichtbar wollte er sich machen, als er mit einem über den Schädel gezogenen Frottier-Tuch hinzustieß. Nur wenige Silben verließen seine Lippen, woraufhin El Khanouss verwundert wissen wollte: „Sie haben dich ausgebuht? Warum?“
Bayer-Boss Rolfes spielt Fan-Unmut herunter
Tatsächlich hatte sich exakt diese Szene abgespielt. Als die Anzeigetafel in Spielminute 75 bereits ein 1:4 zeigte, betrat der Kicker aus den USA das Feld. Sofort brandete von etlichen Rängen ein gellendes Pfeifkonzert samt lautstarker Missfallensbekundungen auf.
Eine Premiere stellt dieser Vorfall keineswegs dar, denn das Band zur Anhängerschaft weist längst tiefe Risse auf. Finanziell wiegt dieses Dilemma enorm schwer: Ungefähr 35 Millionen Euro kostete der 24-Jährige einst – kein anderer Einkauf in der Vereinshistorie war jemals kostspieliger.
Aktuell deutet sämtliche Dynamik darauf hin, dass jene kaputte Liaison in der kommenden Transferperiode endgültig beendet wird. Das berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.
Ursprünglich hatten die Verantwortlichen gigantische Pläne mit dem Offensivakteur. Nach seinem Transfer von der PSV Eindhoven im Sommer 2025 bekam er das prestigeträchtige Trikot mit der Zehn, welches zuvor Florian Wirtz trug, um als absoluter Dreh- und Angelpunkt die neue Ära zu prägen.
Allerdings folgte ein Wechsel auf der Kommandobrücke, wodurch er unter Coach Kasper Hjulmand bloß noch auf dem Abstellgleis stand. Bereits im August gestand der Profi freimütig: „Ich bin wohl nicht richtig angekommen.“
Hätte es keine Veränderung auf dem Trainerstuhl gegeben, hätte er dem Werksklub seiner eigenen Vermutung nach längst den Rücken gekehrt. Zwar bescherte ihm der neue Übungsleiter Carles Martínez die heiß ersehnte zweite Chance, doch Kapital konnte der Angreifer daraus bislang so gut wie gar nicht schlagen.
Der Auftritt gegen die Schwaben reihte sich nahtlos in eine Serie enttäuschender Vorstellungen ein. Bereits im Pokalduell mit Nürnberg stand Tillman in der Anfangsformation, wurde jedoch schon beim Pausentee ausgewechselt.
Leverkusens Sport-Boss Simon Rolfes zeigte sich angesichts dieser Tendenz betrübt: „Ich finde es schade. Malik hatte eine gute Phase. Am Mittwoch im Pokal hat er sich schwergetan.“ Den Unmut von den Tribünen wollte der Manager hingegen nicht überbewerten. „So extrem habe ich das nicht erlebt“, erklärte Rolfes.
Zugleich nahm er seinen Schützling in die Pflicht, jetzt bloß nicht den Kopf in den Sand zu stecken: „Als Spieler musst du nach vorne, auch in schwierigen Zeiten. Da hilft dir nur die Flucht nach vorne. Das Selbstvertrauen musst du behalten, weil du in deiner Karriere immer wieder schwierige Phasen hast.“
Wesentlich schonungsloser legte Chefcoach Martínez den Finger in die Wunde. „Wir arbeiten mit ihm, weil seine Mentalität manchmal angeschlagen ist“, offenbarte der Fußballlehrer. „Fußball ist Fußball, aber wenn du mental nicht so gut drauf bist, ist es noch schwieriger. Wir werden ihm helfen, sich zu verbessern. Es liegt an uns allen, Malik besser zu machen und diese Wahrnehmung zu verändern.“
Gleichwohl verzichtete der Übungsleiter darauf, das Publikum zu maßregeln. Seiner Wahrnehmung nach unterstütze die Kurve das Team weiterhin voll und ganz.
Schon während der warmen Jahreszeit hing der Haussegen zwischen dem Rekordmann und den Zuschauern gewaltig schief. Damals beklagte sich der Profi in besagtem Gespräch bitterlich über die fehlende Rückendeckung: „Wer den Verein als Fan unterstützt, sollte die Spieler in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Einige haben das getan, ein großer Teil der Reaktionen war aber negativ.“
Obendrein teilte er gegen die Vereinsbosse wegen deren Gesprächsführung aus. Prompt folgte seinerzeit das Echo von Rolfes: „Wenn jemandem etwas nicht gefällt, sollte er mit demjenigen sprechen, mit dem es ihm nicht gefällt. Das hat er nicht gemacht.“
Hinter den Kulissen sorgten Tillmans öffentliche Vorwürfe für erheblichen Unmut. Erschwerend wirkt sich das enorme Gedränge im Kader aus, sobald das Lazarett leer ist: Vorne scharren Maza, Moreira, Diaby, Tella sowie Ben Seghir mit den Hufen, während in der Schaltzentrale bereits García, Fernández, Eichhorn und Andrich lauern.
Wie geht die Hängepartie nun weiter? Zwar besitzt das Arbeitspapier des Fußballers noch Gültigkeit bis ins Jahr 2030 und sein außergewöhnliches Talent steht außer Frage. Fraglich bleibt bloß, ob er dieses Potenzial unterm Bayer-Kreuz jemals noch abrufen wird. Ein Akteur, dem schon beim Betreten des Grüns blanke Ablehnung entgegenschlägt, fordert das Spielgerät kaum mit breiter Brust.
Auf der anderen Seite blieb der Hoffnungsträger sämtliche Nachweise seiner Klasse bislang schuldig. Außerdem kann ein Verein, der momentan verzweifelt seine löchrige Abwehr dichtbekommen muss, keinen Unruheherd im eigenen Lager gebrauchen. Ein Abgang im Januar – egal ob per Leihe oder Festverkauf – scheint für alle Beteiligten der vernünftigste Ausweg zu sein. (red)
