„Beim Fußball habe ich es nie erlebt” Ex-FC-Boss bestreitet Rassismus-Problem

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Moderator Jochen Breyer (l.) und Jörg Schmadtke (r.) vom VfL Wolfsburg sprachen im Aktuellen Sportstudio des ZDF am Samstagabend unter anderem über die mutmaßlich rassistischen Beleidigungen von Florian Hübner gegenüber Nadiem Amiri.

Mainz – Nachdem es beim Bundesliga-Spiel zwischen Union Berlin und Bayer Leverkusen am Freitagabend zu einem Eklat gekommen war, twitterte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Samstag: „Rassismus hat in unserer Gesellschaft und damit auch im Fußball nichts zu suchen! Wir sind daher dem 1. FC Union Berlin und Bayer 04 Leverkusen dafür dankbar, dass sich beide Klubs direkt nach dem Spiel entsprechend schnell und klar positioniert haben.“

Am Samstagabend saß dann der ehemalige Manager des 1. FC Köln, Jörg Schmadtke (56), im Aktuellen Sportstudio des ZDF – und verkündete: Es gibt gar kein Rassismus-Problem im Fußball. 

Jörg Schmadtke über Rassismus: „Da gab es nie Probleme”

Die Situation beim Freitagsspiel in Berlin sei „schwer zu bewerten von außen”, wollte sich der Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg zunächst diplomatisch zeigen. Als dann allerdings Moderator Jochen Breyer (38) den Begriff „Rassismus” in den Mund nahm, bezog Schmadtke blitzschnell seine fragwürdige Stellung.

„Wenn wir das jetzt künstlich versuchen herbeizureden, da bin ich auch ein Gegner davon”, fiel der als meinungsstark bekannte Ex-Torhüter seinem Gesprächspartner ins Wort. Rassismus könne im Fußball gar nicht vorkommen, denn: „Alle im Sport Tätigen, die leben mit Ausländern ihr Leben lang.”

Er selbst habe als Sechsjähriger bereits „mit Ausländern agiert auf dem Platz – und da gab’s nie Probleme und die gibt’s auch heute wirklich nicht”. Entgegen der zahlreichen Vorkommnisse jüngster Vergangenheit unterstrich der Wolfsburg-Boss noch einmal: „Beim Fußball habe ich es noch nie erlebt”.

Jörg Schmadtke fordert Rassismus-Sensibilisierung 

Dennoch war der Vorfall am Freitagabend offenbar gravierend genug gewesen, dass der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach der mutmaßlich rassistischen Beleidigung durch Florian Hübner (29) gegen Nationalspieler Nadiem Amiri (24) Ermittlungen aufgenommen hatte. 

Während der Verband eine Strafe in Erwägung zieht, sieht Schmadtke wenigstens die Notwendigkeit einer Sensibilisierung: „Wenn das so gefallen ist, sind da ein paar Dinge überschritten worden. Und dann muss man noch mal nachschärfen und auch in der Sprache noch mal nachschärfen. Auch da wird schon mal ein bisschen lax umgegangen mit dem ein oder anderen Wort”.

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Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass Amiri bereits die Entschuldigung seines Gegenspielers angenommen habe. Union wies indes Vorwürfe zurück, wonach es rassistische Äußerungen durch einen seiner Spieler gegeben habe. Der Vorwurf sei an den Verein herangetragen worden, „wir selbst haben diese Information nicht“, sagte Unions Manager Oliver Ruhnert (49). (bl, dpa)

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