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Skurriler Termin vor GerichtProzess um El Mala: spannende Details – BVB bot zu wenig

Christian Keller im Gerichtsgebäude.

Copyright: Herbert Bucco

Christian Keller am Dienstag (14. April 2026) im Gerichtsgebäude beim Prozess um Said El Mala.

Am Dienstag kam es vor dem Landgericht Köln zu einer denkwürdigen Anhörung. Im Zuge des Wechsels von Said El Mala von Viktoria Köln zum 1. FC Köln kamen erstaunliche Details an die Öffentlichkeit.

Hat der ehemalige Spieler und Berater Abdenour Amachaibou ein Anrecht auf rund 40.000 Euro nach dem Wechsel von Said El Mala zum 1. FC Köln im Jahr 2024? Diese Frage sollte am Dienstag vor dem Landgericht in Köln geklärt werden.

Ein außergerichtlicher Vergleichsvorschlag lag vor, wurde aber von allen Parteien abgelehnt. Es kam also zur umfangreichen Anhörung, die Richter Merzbach auch gerne umgangen hätte. So kam es anders und erstaunliche Details wurden öffentlich. Beste Fußball-Unterhaltung abseits des Platzes. EXPRESS.de schildert die mehrstündige Anhörung:

Gab es den Viktoria-Auftrag für einen  Transfer von El Mala zum FC?

Der Kläger sprach zu Beginn um 9.30 Uhr von einem Gespräch im Frühjahr 2024 mit dem damaligen sportlichen Leiter der Viktoria: „Stephan Küsters hat zu mir gesagt: Zeig mal, was du drauf hast, bring den Jungen zum FC.“ Dafür sollte er auch Geld bekommen. „Dann bist du dabei“, soll Küsters zu Abdenour Amachaibou gesagt haben. Er habe Küsters vertraut, weil dieser auch auf seiner Hochzeit war.

Die Gegenpartei (Anwalt Görg) sagte, dass Küsters keine Bevollmächtigung hatte, um einen Auftrag zu erteilen. Ein Zeuge, Freund des Klägers, berichtete dann von einem Gespräch, das er im Büro von Küsters mitbekommen habe. Er war bei der Viktoria wegen eines Probetrainings seines Sohnes.

Küsters soll den Satz gesagt haben: „Bring den Jungen zum FC.“ Amachaibou darauf: „Das mache ich aber nicht umsonst.“ Küsters soll erwidert haben: „Mach das, dann bist du dabei.“ Der Zeuge habe dann mitbekommen, dass es um Said El Mala ging.

Um 9.50 Uhr wurde der Kölner Ex-Geschäftsführer Christian Keller in den Sitzungssaal 139 gerufen, war aber noch nicht da. Ein weiterer Zeuge wurde vorgezogen: Dr. Merkle, ein Orthopäde aus Köln, der den Kläger sehr lange kennt und mit ihm immer noch Fußball spielt.

Bei Viktoria Köln ist er noch passives Mitglied im Wirtschaftsrat. Er sagte, dass er Kontakt zum Geschäftsführer des e.V. der Viktoria, Dr. Norbert Bruhns hatte. Dieser habe gesagt, dass er „von dem Deal wusste“ und Amachaibou beteiligt sei. Ihm wäre das 10.000 Euro wert, aber er habe keine Befugnis, da er nur im e.V. tätig sei.

Danach wurde nochmals Keller aufgerufen. Die Tür ging auf und ein Mann fragte: „Wir haben den Namen nicht verstanden.“ Der Richter wiederholte: „Keller!“. Der war aber nicht auffindbar, er wurde sogar gesucht, ob er vor Raum 117 steht, wo der Termin zuerst angesetzt war. Immerhin: Franz Wunderlich, Sportvorstand der Viktoria, war da und wurde von einem Gerichtshelfer angeboten.

Christian Keller kommt mit Verspätung zum Prozess

Gerade als Wunderlich als Zeuge vorgezogen werden sollte, schneite Keller um 10.09 Uhr herein, sagte zur Entschuldigung: „War eine lange Kontrolle am Eingang.“ Zur Frage nach seinem Beruf erklärte er: „Bis vor kurzem Fußballmanager.“

Zur Sache ließ sich Keller wie folgt ein: „Im Frühjahr hat mich Amachaibou angerufen und auf El Mala aufmerksam gemacht. Er kann blind Bundesliga spielen.“

Laut Keller war es das erste Mal, dass er von El Mala hörte, obwohl die FC-Scoutingabteilung El Mala seit 2017 auf dem Schirm hatte. Keller habe aber erst danach die Unterlagen eingesehen. Es gab drei Scoutingberichte, in denen El Mala zweimal mit gut und einmal mit befriedigend beurteilt wurde.

Nichts habe darauf hingedeutet, dass er für die Bundesligamannschaft des FC taugen würde, noch nicht mal für die U19 des FC sei er laut Scoutingbericht richtig geeignet gewesen. Er wurde nicht herausragend beurteilt, deshalb kamen die Akten nicht auf Kellers Tisch. „Gut war nur, dass wir die Kontaktdaten hatten“, so Keller.

Amachaibous Anruf habe dann alles angeschoben, erzählte Keller. „Ich wollte dann ein Gespräch mit dem Berater und den Eltern. Erfreulicherweise ist es uns gelungen, dass er nicht zu Borussia Dortmund geht, sondern zu uns kommt. Dann konnten wir uns auch mit der Viktoria einigen.“

Im Gericht stehen Franz Wunderlich und Stephan Küsters nebeneinander.

Copyright: Herbert Bucco.

Franz Wunderlich und Stephan Küsters am Dienstag im Gerichtsgebäude.

Im Mai gab es ein erstes Treffen mit der Viktoria, nachdem zuvor mit der El-Mala-Familie alles geklärt und besprochen wurde. Keller arbeitete mit seinem Nachfolger Thomas Kessler, zu jener Zeit noch Leiter im Lizenzbereich beim FC, dann ein Transferangebot aus. 

Nach dem ersten Termin mit den Viktoria-Bossen Franz Wunderlich und Stephan Küsters im Geißbockheim sei man sich „zu 95 Prozent einig gewesen“. Die Verträge wurden dann digital hin- und hergeschickt und unterschrieben.

Keller erzählte weiter, dass er täglich Anrufe und Hinweise mit „goldenen Tipps“ zu möglichen Spielern bekam. 98 Prozent könne man ignorieren. Amachaibou kennt Keller aber seit Jahren, deshalb habe er dessen Tipp mit El Mala ernst genommen.

Die Gegenpartei meinte, dass es einen Scoutingbericht vom 31. März 2024 von FC-Nachwuchschefscout Martin Bülles geben würde, aus dem hervorgehe, dass El Mala Profiqualiäten besitze. An die zeitliche Anordnung, wann er den Anruf von Amachaibou bekam, konnte Keller sich nicht mehr erinnern.

Viktoria Köln führte Verhandlungen mit dem BVB nicht fort

Er sprach dann davon, dass eine Vermittlungsprovision mit dem damaligen El-Mala-Berater vereinbart wurde. Der Berater, von dem sich El Mala mittlerweile getrennt hat, erhält auch eine Weiterverkaufsbeteiligung. Im Falle eines Verkaufes winken ihm einige Millionen Euro.

Keller nahm dann auch den Antrag auf Fahrtkostenerstattung an: „Weil die Anreise länger war.“ Er kam vom Bodensee nach Köln zur Verhandlung, konnte rund 350 Euro abrechnen.

Nach Kellers Auftritt kam Küsters in den Zeugenstand. Er ist freigestellter sportlicher Leiter der Viktoria, berät bis Saisonende den Regionalligisten Wuppertaler SV.

Er sagte, dass er sehr viel mit Amachaibou gesprochen habe, auch über El Mala. Dabei habe er auch gewusst, dass der Kläger mit Keller befreundet sei. Er habe ihm aber klargemacht, dass er keinerlei Befugnis hatte. „Ich habe Amachaibou nur gesagt, er könne Keller ja mal anrufen.“

Dem Kläger sei klar gewesen, dass Küsters keine Verträge unterzeichnen dürfe und er auch keine konkreten Zahlen nennen könne. Zum angeblichen Gespräch im Büro („Bring den Jungen zum FC“), von dem der erste Zeuge berichtet hatte, sagte Küsters: „Das ist nicht mein Wortschatz. Ich kann mich nur daran erinnern, dass mir eine andere Person vorgestellt wurde. Dass wir über El Mala gesprochen haben, habe ich nicht auf dem Schirm, da habe ich keine Erinnerung.“

Küsters sei nur für Vorgespräche bei möglichen Transfers zuständig gewesen. Final wären dann Vorstand und Geschäftsführer verantwortlich. Der Anwalt der Viktoria untermauerte, dass Viktoria keinen Auftrag an den Kläger zur Vermittlung erteilt habe.

Nach einer Pause kam FC-Scout Bülles in den Zeugenstand. Er berichtete, dass der Klub die El Malas schon lange im Jugendbereich gescoutet habe. Am 19. Dezember 2023 gab es ein Treffen mit der Familie in Hürth, um Said für die U19 des FC zu verpflichten und Malek auch. Wegen der Transfersperre, die kurz darauf verhängt wurde, wurde den El Malas erstmal abgesagt.

Dann kam die Idee, mit der Verpflichtung und der sofortigen Leihe. Das war trotz der Fifa-Sperre möglich. „Gerade über Said wurde in der Scoutingabteilung viel geredet“, so Bülles.

Der Scout war nach Saids erstem Startelfeinsatz Ende März 2024 begeistert: „Man hat gesehen, dass er auf Drittliganiveau mithalten kann.“ Martin Schulz, Scout der FC-Lizenzabteilung, war laut Bülles immer informiert, schon vor Februar 2024. Aber kein Scout habe ahnen können, dass Said in ein paar Jahren „60 Millionen Euro wert“ sei.

„Ich hatte die Ostereiersuche beendet und war dann am 31. März auf eigenen Antrieb zum Viktoria-Spiel gefahren“, so Bülles. Dort startete El Mala erstmals gegen Lübeck und traf sogar. Bülles’ Frau war etwas sauer, dass er hinfuhr, auf der Fahrt platzte ihm noch ein Reifen. Doch es habe sich gelohnt: Im Scoutingbericht stand „gut“.

Eine solche Bewertung sei bei Keller aber nicht sofort aufgeploppt. Bülles verwies auf eine Gesprächsnotiz, dass zwischen Keller und Schulz über Said El Mala gesprochen wurde. Schulz konnte aber nicht befragt werden, da er nicht als Zeuge geführt wurde.

Weitere Zeugen waren Valentin Schäfer, damals Scout bei Viktoria und jetzt Küsters Nachfolger, und Stefan Ruthenbeck, U19-Trainer des FC. Es ging aber nur um Randaspekte bei ihren kurzen Aussagen.

Ruthenbeck: „Ich habe der Viktoria gesagt: Da habt ihr zwei richtig gute Jungs. Da musste man kein besonderes Auge haben, um zu sehen, dass sie außergewöhnliche Talente sind.“ Beim FC seien die Brüder ziemlich sicher auch in der Profiabteilung bekannt gewesen. Ruthenbeck bestätigte auch, dass er El Mala stark genug für die Bundesliga einschätzte. An ein Gespräch mit Keller über El Mala konnte sich Ruthenbeck nicht erinnern.

Um 11.55 Uhr wurde Thomas Kessler hereingebeten. Er kam als Erster in feinem Anzug in den Sitzungssaal. Er stellte klar: „Wir hatten die Brüder länger im Blick.“ Und zwar zunächst für den Nachwuchs, sie waren kein Thema für den Lizenzbereich.

Er habe dann erstmals am 15. Mai 2024 mit Viktoria über einen Transfer gesprochen. Keller hatte ihn beauftragt – wann genau, konnte Kessler nicht mehr sagen. „Wenn so ein Spieler vor der Haustür spielt, ist es kein Hexenwerk, das Talent zu erkennen“, so Kessler.

Er untermauerte, dass beim FC ganz klar der Wille bestand, die El Malas zu holen, bevor sie woanders landen würden. Kessler konnte nicht sagen, ob Keller zuvor einen Tipp von Amachaibou bekommen habe. Kessler verzichtete auf Fahrtkosten, fragte auf das im Saal einsetzende Schmunzeln: „Was gibt es da zu lachen?“

Um 12.11 Uhr ging es mit dem Zeugen Franz Wunderlich weiter. Der Sportvorstand der Viktoria berichtete von der ersten Kontaktaufnahme von Kessler. Im Juni 2024 gab es dann ein erstes Gespräch mit Keller und Kessler im Geißbockheim.

Die Gespräche mit Dortmund wurden nicht fortgesetzt, da für El Mala zu wenig geboten wurde. „Für diese Summe hätten wir El Mala nicht abgegeben.“ Schon um 12.18 Uhr ging es mit Viktorias früherem Kapitän Mike Wunderlich, heute Trainer beim Wuppertaler SV, weiter. Er sagte kurz und knapp: „Ich war gar nicht beteiligt.“ Zu Hintergründen konnte er also nichts beitragen. Nach zwei Minuten konnte er gehen.

Nach einer weiteren Pause und einigen Hintergrundgesprächen ging es um 12.30 Uhr weiter. Eine außergerichtliche Einigung blieb aus, die beiden Parteien sprachen auch nicht mehr miteinander.

Aus Sicht der Viktoria-Seite war eindeutig klar, dass Amachaibou keine Chance hatte. Doch der Richter wollte an diesem Tag kein Urteil verkünden. Er verwies auf die Keller-Aussagen, dass ein entscheidender Tipp von Amachaibou kam. Rechtlich sei dies aber ein schwieriger Fall. Ein Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt fallen, dafür angesetzt ist der 19. Mai. Dann gibt es ein schriftliches Urteil.

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