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„Niemals ein Vogel“Neuer Partner für Kölns Abwehr-Juwel?

Gegen Union Berlin durfte FC-Innenverteidiger Joel Schmied mal wieder von Beginn an ran. Der Schweizer betrieb Eigenwerbung.

Im DFB-Pokal hat René Wagner bei den Wechseln in der Startelf ein gutes Händchen bewiesen. In der Abwehr setzte der Trainer des 1. FC Köln auf eine flexible Dreierkette mit verändertem Personal.

Tom Krauß (25) wurde beim 5:0-Sieg gegen Union Berlin aus dem Mittelfeld nach hinten gezogen, schaltete sich aber immer wieder auch weiter vorne ein. Zudem ersetzte Joel Schmied (28) den bislang gesetzten Luka Lochoshvili (28) – mit Erfolg. Im FC-Podcast „Wir waren klar besser“ von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger diskutieren die Reporter Uwe Bödeker und Christian Löer, ob der Schweizer in der Innenverteidigung nun erste Wahl sein sollte.

Joel Schmied: „Er muss nicht wild irgendwem hinterherrennen“

„Plötzlich spielt dann halt Schmied für Lochoshvili. Man denkt, total vernünftiger Gedanke. Und dann funktioniert es auch noch“, sagte Löer. Der Schweizer sei „eine der Entdeckungen des Abends“ gewesen, vor allem im Zusammenspiel mit Jahmai Simpson-Pusey (20): „Das hat, fand ich, einen super Eindruck gemacht.“

Trainer René Wagner hatte sein Team im Vergleich zur lahmen Nullnummer gegen Schalke auf drei Positionen verändert, damit auch auf die Englische Woche reagiert. „Er hat diesmal ein gutes Händchen gehabt, weil er Jungs rausgenommen hat, denen zuletzt die Frische fehlte“, sagte Bödeker.

Lochoshvili habe in der Länderspielpause „vier Spiele für Georgien gemacht“ und sei „nicht so richtig in Form und auch nicht so richtig fit“ gewesen. Schmied habe dagegen „gezeigt, was eigentlich auf dem Niveau gefragt ist“. Bödeker: „Das war eine andere Klasse als zuletzt Lochoshvili.“

Abschreiben wolle er den Georgier nicht. „Aber ich glaube, dass es schwierig wird für ihn, da wieder reinzukommen. Jetzt muss er sich halt strecken.“ Ein Konkurrenzkampf tue der Mannschaft gut: „Dass nicht jemand sagt, ich bin hier immer gesetzt.“

Hier in die Podcast-Folge reinhören:

Löer lobte vor allem Schmieds Unauffälligkeit, die ihm beim Erstellen der Einzelkritik während des Spiels aufgefallen war. „Ich habe das oft, wenn ich die Einzelkritik durchgehe: Der einzige Spieler, zu dem ich noch nichts habe, ist Joel Schmied.“

Die Begründung dafür lieferte er direkt hinterher: „Er steht in der Regel so gut, dass er viel weniger machen muss als andere. Er muss nicht wild irgendwem hinterherrennen oder in einen Raum stürzen, weil er ihn vorher übersehen hat.“ Schmied könne nach seinem Gefühl „ein Spiel sehr gut lesen“ und spiele alles „in einer Weise runter, die fast entspannt wirkt“.

Löer wundert sich, dass Lochoshvili körperlich in den Schlussphasen der Spiele immer wieder an Grenzen gestoßen sei: „Ein Fußballprofi sollte ja in der Lage sein, zwei Spiele pro Woche zu machen. Da war ich bei Lochoshvili schon ein bisschen verblüfft.“ Schmied dagegen „sieht auf dem Platz nicht aus, als müsse er an irgendwelche körperlichen Grenzen gehen. Er wirkt sehr gefasst, als teile er sich alles blendend ein.“

Auch neben dem Platz punktet der Schweizer. „Ich finde ihn auch als Führungsspieler nicht verkehrt“, sagte Bödeker. „Der ist vielleicht nicht der absolute Lautsprecher oder ,Aggressive Leader‘, aber höchst professionell und mega sympathisch, wenn man den in der Mixed Zone hört.“ Löer ergänzte: „Er hat so eine Ernsthaftigkeit.“ Im Training sei Schmied zudem „regelmäßiger laut, als man es ihm zutraut“.

Besonders reizvoll finden beide die Kombination mit Simpson-Pusey. Bödeker nennt den englischen Youngster „den sichersten und ruhigsten Verteidiger seit langer Zeit beim 1. FC Köln“. Löer greift ein Bild auf, das ihm Ex-FC-Trainer Lukas Kwasniok einmal erklärt habe.

Der teile Spieler ein in: „Ist er ein Vogel oder ist er kein Vogel?“ Dass Simpson-Pusey ein klassischer Vogel sei, wolle er natürlich nicht sagen, betonte Löer: „Aber er ist schon ein etwas verrückterer Typ. Und dem noch einen Hektiker an die Seite zu stellen, halte ich für schwierig.“ Schmied, „der niemals ein Vogel ist“, bilde deshalb mit dem Defensiv-Talent „ein sehr interessantes Duo“. (are/red)