Weitere Transfers, FC-Rückkehr, Kohle Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Modeste-Hammer

Kölns Traum-Duo ist gesprengt: Anthony Modeste (l., hier am 28. Juli 2022) verlässt Steffen Baumgart und den 1. FC Köln.

Kölns Traum-Duo ist gesprengt: Anthony Modeste (l., hier am 28. Juli 2022) verlässt Steffen Baumgart und den 1. FC Köln.

Anthony Modestes Wechsel zu Borussia Dortmund ist fix. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu seinem Abgang vom 1. FC Köln.

Zum zweiten Mal nach 2017 zieht der 1. FC Köln mit Top-Torjäger Anthony Modeste (34) in den Europapokal ein – wieder macht der Franzose den Abflug!

Damals für knapp 30 Millionen Euro nach China, jetzt zu Liga-Konkurrent Borussia Dortmund. Montagvormittag (8. August 2022) absolvierte Modeste den obligatorischen Medizincheck, dann wurden die letzten Transfer-Formalitäten geregelt, 19.30 Uhr folgte die offizielle Verkündung. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wechsel-Hammer.

Christian Keller: Anthony Modeste hatte Versprechen des 1. FC Köln

Wann nahm der BVB-Poker Fahrt auf?

Dass es Kontakt zwischen Modestes Lager und den BVB-Verantwortlichen gibt, hatte EXPRESS.de in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet. Am Freitag vor dem Schalke-Spiel (3:1) wurde das Interesse der Dortmunder, die Ersatz für den an Hodenkrebs erkrankten Sébastien Haller (28) benötigen, so richtig konkret.

Alles zum Thema Anthony Modeste

FC-Sportchef Christian Keller (43) erzählt: „Ich habe Tony gefragt: Willst du das wirklich machen? Er hat zu mir gesagt, dass er auf jeden Fall will. Dann war für mich klar, dass ich vertieft in Gespräche mit Borussia Dortmund einsteige. Es musste aber auch für uns passen im Endeffekt – und das tut’s.“ Köln kassiert ein Jahr vor Vertragsende rund fünf Millionen Euro Ablöse, Modeste ein stolzes Saison-Gehalt von sechs Millionen Euro. Trainer Steffen Baumgart (50): „Wir haben das alle gemeinsam entschieden.“

Warum kam der Wechsel am Spieltag raus?

Dass der bevorstehende Transfer ausgerechnet am FC-Spieltag durchsickerte, brachte vor allem Baumgart auf die Palme: „Da braucht mir keiner erzählen, dass das Zufall ist. Da muss ich der Konkurrenz sagen: vielen, vielen Dank.“

Wo genau das Leck war, ist unklar. Fakt ist: Die Dortmunder Seite hatte ein weitaus größeres Interesse an einer schnellen Finalisierung des Deals. Sei es, um nicht noch eine Verletzung Modestes zu riskieren oder vom Ärger um Nico Schulz (29) abzulenken.

FC-Boss Keller erklärt: „Die Transfer-Einigung wurde Sonntag um die Mittagszeit hergestellt. Begleitend von der medialen Berichterstattung war klar, dass es ein Spießrutenlauf werden würde, auch für Tony. Er wollte unbedingt spielen und wir hatten eigentlich auch geplant, dass er spielt, dass die nächsten Tage alles final geregelt wird.“ Undenkbar, nachdem Dortmunds Einigung mit dem Franzosen öffentlich war – zu groß war der Transfer-Druck. Baumgart: „Wenn sich jemand entscheidet, unseren Weg nicht mehr mitzugehen, muss er auch nicht mehr spielen.“

Warum lässt der FC seinen Top-Stürmer ziehen?

Die finanziellen Nöte der Geißböcke waren nicht der ausschlaggebende Grund: „Der Spieler hatte im Winter, wo er ein lukratives Angebot hatte und wir ihn nicht haben gehen lassen, eine klare Zusage, dass man gesprächsbereit ist, wenn noch mal was kommt“, so Keller. Der neue Geschäftsführer war damals zwar noch nicht im Amt, betont aber: „Das gilt für mich natürlich, auch wenn die Aussage nicht von mir kam.“

Er sagte Modeste daher frühzeitig: „Wenn was kommt, red’ mit mir. Ich würde dir den Vertrag gerne verlängern, aber kann es nicht. Es ist uns einfach nicht möglich, dir ein gleichwertiges oder besseres Angebot zu machen. Wenn du über die Saison hinaus Planungssicherheit haben willst und du hast was, bin ich offen zu reden.“ Planungssicherheit über 2023 hinaus hat Modeste weiterhin nicht – allerdings sein Gehalt noch mal angehoben und die Chance, auf seine alten Tage Champions League zu spielen.

Nachfolger für Anthony Modeste? Noch keine FC-Entscheidung

Holt der FC einen neuen Stürmer?

„Stand heute ist es nicht geplant“, sagt Lizenzbereich-Leiter Thomas Kessler (36), schließt aber nichts aus: „Wir haben bis Ende August Zeit, sowohl was die Abgänge betrifft als auch die Zugänge.“ Mit Steffen Tigges (24) und Sargis Adamyan (29) hat der FC bereits zwei neue Stürmer verpflichtet. „Wir haben ein Stück weit in die Richtung vorgebaut“, so Sportboss Keller.

Kessler spricht ebenfalls von „Vorgriff-Transfers“ und erinnert an die vergangene Saison, als kaum jemand glaubte, das Sturm-Duo Modeste/Andersson würde ausreichen. „Ich habe oft gehört, dass es Fakt ist, dass wir nachlegen müssen. Das haben wir nicht getan, weil wir die Überzeugung hatten.“

Die haben die FC-Verantwortlichen auch jetzt, wenngleich sie parallel die Augen nach Alternativen offenhalten und mit Joel Pohjanpalo (27, Bayer Leverkusen) und Branimir Hrgota (29, Greuther Fürth) bereits erste Namen kursieren. Interesse an letzterem hatten die Klub-Bosse im Laufe des Sommers mehrfach dementiert, vom Profil her würde Pohjanpalo deutlich besser passen.

Konkrete Überlegungen gibt es nach EXPRESS.de-Infos bislang allerdings nicht – es ist noch keinerlei Entscheidung getroffen, ob überhaupt nachgebessert wird. Baumgart sagt: „Wir setzen uns in Ruhe hin, gucken uns den Kader und die finanziellen Möglichkeiten an. Dann werden wir genau überlegen, was wir machen. Ohne zu sagen, dass wir was machen. Da sollten wir uns Zeit geben.“

Da das Transfer-Fenster erst am 1. September schließt, kann Köln sogar die Conference-League-Playoffs, die bei einem Einzug in die Gruppenphase knapp drei Millionen Euro bringen würden, abwarten.

1. FC Köln erfüllt mit Modeste-Abgang seine Spar-Ziele

Muss Köln weitere Stars verkaufen?

20 Prozent weniger Etat und knapp zehn Millionen Euro Transfer-Einnahmen – diese Spar-Ziele hatte sich der finanziell schwer angeschlagene FC für die neue Saison gesetzt und nach EXPRESS.de-Informationen nun erfüllt. „Zu beiden Aspekten haben wir einen Beitrag geleistet“, sagt Keller, der mit Modeste seinen Top-Verdiener von der Gehaltsliste streichen kann.

Bislang unbekannt: Tony hat am Geißbockheim nicht wie kolportiert 3,5, sondern sogar rund vier Millionen Euro pro Saison kassiert.

Die BVB-Wechsel von Salih Özcan (ebenfalls fünf Millionen Euro Ablöse) und Modeste spülen zielgenau die angepeilte Transfer-Summe aufs Köln-Konto. Für Tigges, Adamyan, Eric Martel (20) und Luca Kilian (22) hat der FC wiederum Ablösen gezahlt, doch diese werden über die langen Vertragslaufzeiten gestreckt.

Gerade mit Blick auf mögliche Europapokal-Prämien ist der Klub zu keinen weiteren Verkäufen gezwungen. Dass einige Profis in den kommenden Wochen trotzdem noch den Abflug machen, ist aber sehr wahrscheinlich. Der Kader ist groß, die Aussichten auf ausreichend Spielpraxis für manch einen Profi klein. Das gilt auch weiterhin für Sebastian Andersson (31), der in der Sturm-Hierarchie unabhängig von Modeste hintendran ist und gehen darf.

Was passiert mit Modestes Anschlussvertrag?

Mit seiner Rückkehr aus China im November 2018 hatte Modeste beim FC auch einen Fünfjahres-Anschlussvertrag über sein Karriereende hinaus unterzeichnet. EXPRESS.de weiß: Dieser ist mit seinem BVB-Wechsel Geschichte und war ohnehin gänzlich unkonkret ausformuliert. Stürmer-Trainer zu werden, wie es in der Vergangenheit mehrfach hieß, war eher ein Traum Modestes als tatsächlicher Inhalt des Arbeitspapiers.

Keller drückt es so aus: „Ich habe viel von einem Anschlussvertrag gehört. Das sieht nachher ein bisschen anders aus, wenn man mal gelesen hat, was da drinsteht.“ Unabhängig davon lässt der FC-Geschäftsführer die Tür für eine erneute Modeste-Rückkehr offen: „Grundsätzlich ist Tony für den 1. FC Köln ein Identitätsträger. Wenn er irgendwann mal wieder zurückkommen möchte, denken wir sicher darüber nach.“ Wobei vor allem bei den Fans viel Porzellan zerbrochen ist.

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