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„Mit der Kindheit angefangen“Kwasnioks Schlüssel für die FC-Rettung

Aktualisiert

Im Umfeld werden schon einige reichlich nervös: Klappt das mit dem Klassenerhalt? Oder wird er FC weiter durchgereicht? Trainer Lukas Kwasniok hat keine Zweifel. Er bleibt cool und das hat Gründe.

Natürlich ist die Sorge berechtigt: Der 1. FC Köln war vor dem 21. Spieltag noch auf Platz zehn der Tabelle, gegen Wolfsburg gab es zuvor am 30. Januar 2026 einen 1:0-Erfolg. Seitdem ging es bergab!

Nur einen Punkt (gegen Hoffenheim) und vier Niederlagen gab es im Februar und März (bisher). Bedeutet in der Tabelle: Platz 14, punktgleich mit St. Pauli – die unterlagen am Freitag gegen Borussia Mönchengladbach mit 0:2 – auf dem Relegationsplatz (24 Zähler). Im Umfeld des 1. FC Köln werden die Fans nervös, zahlreiche Experten schlagen Alarm und im Klub trifft man Vorkehrungen für den Worst Case, einen Trainerwechsel.

Harte Schule: Kwasniok kämpfte sich als Trainer von ganz unten in die Bundesliga

FC-Trainer Lukas Kwasniok wirkt in der Ergebniskrise wie ein Fels in der Brandung. Er weicht nicht von seiner Fußball-Philosophie ab, vertraut seinen Spielern und geht ohne Angst voran. Kwasniok beteuert, dass er immer freundlich und gut gelaunt sei: „So gehe ich auch im Alltag mit all den Dingen um.“

Der Trainer hat vor dem wichtigen Spiel beim Hamburger SV (Samstag, 14. März, 18.30 Uhr/Sky und Liveticker auf EXPRESS.de) ein Rezept für die Krise: „Ich glaube, das Wichtigste ist in schwierigen Situationen im Leben und auch im Fußball, eine gewisse Distanz zu den Dingen zu bekommen. Eine Distanz zu Dingen, die für die Arbeit irrelevant sind. Das ist die Kunst.“ Im Zwischenmenschlichen sei allerdings genau das Gegenteil gefragt: „Nähe zu den Spielern, Nähe zu den Dingen, die man beeinflussen kann.“ Ist das der Schlüssel für die FC-Rettung?

Kwasniok kam so in seinem Leben immer gut durch: „Mein Leben hatte viele Wellenbewegungen – mit der Kindheit angefangen, als ich in jungen Jahren das Land verlassen musste. Es gab viele Hindernisse, die ich überwinden musste. Dann baust du eine Distanz zu den Elementen auf, die schwieriger sind. Das hilft, weil du dann die Nähe zu den wichtigen Elementen aufbauen kannst. So kann ich Kraft weitergeben.“ Kraft, die die Mannschaft dringend braucht, um in den kommenden Wochen zu bestehen.

Der Trainer hatte es nie leicht in seinem Leben. Hat sich buchstäblich im Fußball nach oben gearbeitet, auch wenn es etliche Rückschläge gab. 1988 zog Kwasniok, geboren in Gliwice, im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie vom polnischen Teil Oberschlesiens nach Karlsruhe. Hier musste er sich zurechtfinden und durchbeißen. Bis zur U18 durchlief er alle Jugendmannschaften beim Karlsruher SC. Er absolvierte 18 Länderspiele für die DFB-Junioren, war sogar Kapitän der U16-Auswahl. Nach einer Verletzung (Bänderriss) und anschließenden Komplikationen inklusive zwei Operationen verlief die Karriere nicht wie gewünscht. Mit 19 beendete er die ambitionierte Fußballkarriere und startete eine Ausbildung zum Beamten im mittleren Dienst.  

Das war aber nichts für ihn. Dem Fußball blieb er zunächst als Spieler beim unterklassigen OSV Rastatt erhalten. Ab 2007 startete er dort auch seine Trainer-Karriere, betreute später die KSC-Junioren und landete dann im Profibereich mit Stationen in Jena, Saarbrücken, Paderborn und jetzt Köln. Den Aufstieg als Trainer aus der Bezirksliga in die Bundesliga schaffen nicht viele.

Die aktuelle Situation mit dem FC im Abstiegskampf macht ihm auch deshalb nicht allzu sehr zu schaffen: „Das macht mit mir recht wenig. Ich fokussiere mich auf Fakten und die Arbeit. Das macht mir unendlich viel Spaß.“

Vor den kommenden neun Spielen versprüht der Coach puren Optimismus: „Wir haben großen Zusammenhalt und die Bereitschaft, immer das Leistungsmaximum herauszuholen. Und ich weiß, dass sich im Sport Dinge wenden und sich der Wind dreht. Die Frage ist nur: Wann? Er wird sich nur dann nicht drehen, wenn du nachlässt. Das tun die Jungs nicht. Deshalb ist der Glaube bei den Jungs und bei mir unerschütterlich.“ 

Das Kölner Restprogramm: Hamburger SV (A), Mönchengladbach (H), Frankfurt (A), Bremen (H), St. Pauli (A), Leverkusen (H), Union Berlin (A), Heidenheim (H), FC Bayern München (A).

Julian Pauli und Elias Bakatukanda laufen nebeneinander.

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