FC-Vize Toni Schumacher: „Wir können noch sehr sexy werden!“

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FC-Vize Toni Schumacher in der Teatro-Küche mit Loris (l.) und Kevin, den Söhnen seines im April verstorbenen Freundes „Onkel“ Lillo.

Köln – Weihnachten genoss Toni Schumacher (61) im Kreis der Familie, auch Sohn Oliver war aus den USA eingeflogen.

Zum Jahresabschluss blickt der FC-Vize zurück auf 2015, spricht über Schönrechnerei, den Sex-Appeal seines geliebten Klubs und die nächsten Schritte, aber auch über private Trauerphasen.

 Was war aus ihrer Sicht DAS FC-Highlight 2015?

Schumacher: Das ist ganz schwer zu sagen, ich sehe eher das Ganze. Die Mannschaft steht sehr gut da, wir stehen als Verein wieder gut da, haben einen einstelligen Millionenbetrag an Eigenkapital, brechen wahrscheinlich erstmals die 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Das alles ist Highlight genug.

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 Und doch gibt es den ein oder anderen, der auf Hertha BSC verweist und meint, da könnte der FC auch stehen.

 Ja, aber das sehe ich komplett anders. Man kann sich immer noch das ein oder andere nicht gewonnene Spiel nehmen, um die Tabelle noch schöner zu rechnen. Aber erstens: Wir sind noch in der Festigungsphase, wollen uns stetig ein Stück weiter nach oben kämpfen. Und zweitens: Die zwölf Punkte gegen Gladbach, Schalke, Leverkusen und Dortmund hatten wir ganz sicher nicht auf dem Deckel – vielleicht drei oder, wenn es hochkommt vier.

 Also passt das Gesamtergebnis?

 Richtig, wir stehen genau da, wo wir hingehören. Und vor allem dürfen wir nicht vergessen, wo wir herkommen: Wir waren 16 Jahre lang im Fahrstuhl! Runter, rauf, runter, rauf, runter, neue Schulden – da wollen wir nicht mehr hin! Und wissen sie was?

 Was? Sagen Sie es mir.

 Ich weiß jetzt, was mein Highlight ist.

 Nämlich?

Dass all die einzelnen Personalentscheidungen, die wir in den letzten Jahren getroffen haben, so schön zusammenpassen. Das Trainerteam mit Peter Stöger und Manfred Schmid an der Spitze, Jörg Schmadtke und Alexander Wehrle als Geschäftsführer – das sind alles hervorragende Einzelkönner, die aber zusätzlich untereinander und auch mit uns im Vorstand hervorragend harmonieren – und genau das macht die ganze Sache so sexy.

 Wie sexy kann der FC denn noch werden?

Wir können noch sehr, sehr sexy werden! Aber das passiert nicht über Nacht, das braucht Zeit.

Jetzt aber bitte nicht den Spruch mit dem Marathon…

Doch, genau den! Wir sind auf einem Marathon, und da vielleicht gerade mal bei Kilometer 3,48 um die erste Kurve rum.

 Wo ist die nächste Kurve?

Es gibt viele Zwischenmarken, die wir nach und nach nehmen müssen. Wir müssen weiterhin Schulden abbauen, aber auch die Mannschaft weiter verstärken. Der Umbau des Trainingsgeländes mit dem neuen Nachwuchs-Leistungs-Zentrum ist auf den Weg gebracht, muss jetzt umgesetzt werden, dann haben wir da endlich einen modernen Standard. Dann wird man sehen, ob ein Stadionkauf mal realistisch werden kann, und und und. Es gibt reichlich zu tun.

 Gab es eigentlich auch richtige Tiefpunkte im ablaufenden FC-Jahr?

Es gab schon einige Schwächephasen, aber dann hat es die Mannschaft immer geschafft, genau zum richtigen Zeitpunkt wieder ein Ausrufezeichen zu setzen, wie etwa in Hoffenheim oder auf Schalke.

 Oder nun gegen Dortmund. Hätte man trotz guter zweiter Halbzeit unglücklich 0:1 verloren, wäre der Trend nicht wirklich positiv gewesen.

Stimmt. In der ersten Hälfte habe ich nur gedacht: Hoffentlich fangen wir uns jetzt keinen – dann fiel das Tor schon nach einem Standard, sonst hätte der BVB wohl auch keins gemacht. Aber da hatte ich ein schlechtes Gefühl. Doch dann ist Stögers Plan wieder einmal aufgegangen, er hat zudem goldrichtig gewechselt – und am Ende fahren alle euphorisiert nach Hause. Dass Modeste das Siegtor schießt, ist dann so eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt. Aber wir haben nie an ihm gezweifelt, solche Phasen hat jeder Stürmer, selbst zu meiner Zeit Dieter Müller oder Hannes Löhr. Mit dem Siegtor ist das Stadion ja förmlich explodiert. Die Stimmung danach, als das Licht ausging, die FC-Hymne in der Klavierversion, da hatten wir doch alle Gänsehaut. Aber jetzt sage ich noch mal: Wir sind nur Neunter. Und da gehören wir auch hin. Also: Immer schön den Ball flach halten!

Privat war sicher der Tod ihres guten Freundes „Onkel“ Lillo der Tiefpunkt?

 Ja, im Februar habe ich um meinen Meister-Libero Roland Gerber getrauert, und dann verstarb auch noch „Onkel“ Lillo. Er gehörte ja irgendwie zur Familie, wir haben uns fast jeden Tag gesehen. Ich freue mich, dass seine beiden Söhne das „Teatro“ so gut weiter führen. Mein Freund Lillo wäre sicher stolz auf die beiden.

Nun gab es auch Sorge um FC-Legende Hans Schäfer (88), der aber pünktlich zum Fest die Klinik verlassen und zurück zur Familie durfte.

Ja, ich kann unserem Hans nur alles Gute wünschen. Er hat ja mal gesagt, er möchte 105 werden und an der Theke sterben – wenn ich ihn dabei unterstützen kann, würde ich ihm gerne die nächsten 17 Jahre helfen, sein Ziel zu erreichen – ich bin ja dann erst 78. (lacht)

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