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„Manchmal schwer zu greifen“Waldschmidt über Kwasnioks Startelf-Roulette

Luca Waldschmidt bei einer Einheit im Trainingslager des 1. FC Köln in Spanien..

Luca Waldschmidt bereitet sich mit dem 1. FC Köln im spanischen La Nucia auf den Wiederbeginn der Bundesliga vor. 

Luca Waldschmidt gehört beim 1. FC Köln unbestritten zu den besten Fußballern. Dennoch baute Lukas Kwasniok nur selten auf den Spielmacher. Im neuen Jahr will Waldschmidt nun neu angreifen. 

Er hat das Jahr mit seinem persönlichen Glück abgeschlossen, indem er seiner Freundin Gianna kurz vor Weihnachten das Ja-Wort gegeben hat (EXPRESS.de berichtete). Im neuen Jahr will Luca Waldschmidt auch sportlich wieder strahlen.

Denn die Hinrunde verlief für den Angreifer alles andere als zufriedenstellend. Obwohl der 1. FC Köln große Probleme im Spiel mit dem Ball offenbart hat, kam der Kreativspieler nur phasenweise zum Zug. Das soll sich im neuen Jahr ändern, wie Waldschmidt im Interview mit EXPRESS.de verriet.

Waldschmidt: Privates Glück wirkt sich auf die Leistungen aus

Luca, Glückwunsch zur Hochzeit. Wie fühlt es sich an mit einem Ehering am Finger?

Luca Waldschmidt: Ehrlich gesagt haben wir noch gar keinen Ring. Die standesamtliche Hochzeit kam sehr spontan, daher haben wir das bislang noch nicht geschafft. Die Ringe sind in Arbeit (lacht).

Waldschmidt: Es ist ein schönes Gefühl. Ich bin sehr glücklich, auch wenn es noch sehr ungewohnt ist, ‚meine Frau’ zu sagen.

Wie sehr beflügelt Sie privates Glück?

Waldschmidt: Es ist ein extrem wichtiger Faktor für mich. Es gibt mir Kraft und Halt. Wenn privat alles in Ordnung ist, ich mich wohlfühle und glücklich bin, wirkt sich das auch auf meine Leistungen aus. Privates Chaos nimmt man ein Stück weit auch immer mit auf den Platz. Von daher bin ich sehr froh, dass ich gerade rundum glücklich bin.

Wenn man Sie täglich erlebt, machen Sie einen gelösteren und befreiteren Eindruck als in der Vergangenheit. Können Sie das bestätigen?

Waldschmidt: Ich denke, das trifft zu. Ich habe insgesamt auch einiges umgestellt, Abläufe verändert und gelernt, auch mal ‚nein‘ zu sagen. Ich habe für mich noch klarer festgelegt, was mir guttut und was nicht. Ich will mich künftig noch mehr auf meine Stärken besinnen. Dafür habe ich mir die Fragen gestellt: Was gehört zu meinem Spiel und was macht mich eigentlich aus? Ich sehe jetzt vieles klarer und das will ich auch auf den Platz bringen und einfach Spaß am Fußball haben.

Sie gehörten zu den Gewinnern der Vorbereitung. Haben Sie sich für die Rückkehr in die Bundesliga diese Saison besonders viel vorgenommen?

Waldschmidt: Das würde ich nicht sagen. Ich will immer das Maximale rausholen. Ich glaube, dass ich bereits gegen Ende der vergangenen Saison in einen Flow gekommen bin und den bis zum Sommer konserviert habe. Das ist aber auch der Anspruch an mich selbst. Ich will immer Gas geben, mich bestmöglich vorbereiten und der Mannschaft nach Kräften helfen.

Trotz der guten Vorbereitung standen sie lediglich fünfmal in der Startelf, haben erst 370 Minuten absolviert. Das kann nicht Ihr Anspruch sein, oder?

Waldschmidt: Nein, definitiv nicht, wenn man die reine Minutenzahl sieht. Das ist deutlich zu wenig. Trotzdem versuche ich weiterhin, meine Stärken einzubringen, wenn ich auf dem Platz stehe. Das ist mir in meinen Augen bisher sehr ordentlich gelungen, wenn ich mir meine Statistiken angucke. Alle 74 Minuten ein Tor oder Assist ist nicht so schlecht.

Hat Ihnen der Trainer plausibel erklärt, warum die Spielminuten bislang so begrenzt waren?

Waldschmidt: Er erklärt einem immer, wie seine Gedanken sind. Trotzdem ist das aus persönlicher Sicht natürlich nicht zufriedenstellend. Von daher ist es ganz normal, dass wir da auch mal anderer Meinung sind. Ich möchte mich immer von der ersten bis zur 90. Minute einbringen und bin davon überzeugt, in jeder Phase des Spiels wichtig zu sein. Das habe ich in Wolfsburg mit einem Tor oder gegen Pauli mit einer Vorlage unter Beweis gestellt. Mir tut es gut, wenn ich lange auf dem Platz stehe. Rhythmus ist ein wesentlicher Faktor für mich.

Sie haben Wolfsburg angesprochen. Trotz eines Tores mussten Sie zur Halbzeit raus. Nach der Vorlage in Mainz saßen sie im nächsten Spiel auf der Bank. Von außen wirkte das nicht immer nachvollziehbar. Wie erging es Ihnen?

Waldschmidt: Es war auch für mich manchmal schwer zu greifen. Vor allem in Wolfsburg hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Ich war gut im Spiel, habe ein Tor gemacht und musste dann trotzdem raus. Der Trainer wollte dort taktisch etwas verändern, das hat er mir auch so gesagt.

Lukas Kwasniok unterscheidet zwischen Kämpfern und Künstlern. Wo würden Sie sich da einsortieren?

Waldschmidt: In erster Linie bin ich natürlich mehr Künstler als Kämpfer, aber ich denke, dass ich auf jeden Fall dazu gelernt habe. Ich bin sehr fleißig und viel unterwegs, das zeigen auch meine Laufdaten. Dafür habe ich extrem hart gearbeitet. Ich bin auch Kämpfer. Mittlerweile habe ich Sachen im Repertoire, die ich früher so nicht hatte.

Der FC tut sich im bisherigen Verlauf schwer im Spiel mit dem Ball. Was können Sie persönlich in der Rückrunde gegen das Kreativ-Problem tun?

Waldschmidt: Meiner Meinung nach sehr viel (lacht). Dafür braucht es aber natürlich auch meine Mitspieler. Ich denke, es muss einfach wieder dieses gewisse Gefühl zwischen allen entstehen. Das kommt vor allem durch Rhythmus und eine gewisse Eingespieltheit, die wir wiederfinden müssen.

„Said geht mit dem Hype entspannt um“

Said El Mala sorgt gerade für einen regelrechten Hype. Wie erleben Sie das und erinnert es Sie an Ihre Frühphase der Karriere?

Waldschmidt: Bei Said ist es noch mal deutlich mehr als bei mir früher. Er ist auch noch mal deutlich jünger als ich damals. Er ist ja quasi noch ein Teenager, bei mir ging es erst nach der U21 so richtig los. Es ist enorm, was derzeit auf ihn einprasselt. Köln ist auch noch mal ein ganz anderes Pflaster als Freiburg bei mir damals. Er geht damit aber echt entspannt um. Er hat einfach Bock, Fußball zu spielen, will dribbeln und einfach Spaß haben. Diese Freude und Leichtigkeit lässt er sich auch nicht nehmen, egal, was um ihn herum passiert. Seitdem ich ihn kennengelernt habe, hat sich das auch nicht geändert. Er ist immer noch derselbe Junge, wie am ersten Tag. Das muss er sich unbedingt beibehalten.

Wie sind Sie damals mit dem Hype umgegangen?

Waldschmidt: Ich würde rückblickend sagen, dass ich sogar einen Tick zu wenig für mich mitgenommen habe. Ich hatte keine Zeit, das alles zu reflektieren. Ich war einfach in meinem Modus und habe dabei die Sachen links und rechts ausgeblendet. So ist alles ein bisschen an mir vorbeigerast. Daher habe ich gar nicht so richtig realisiert, dass meine Leistungen wahrgenommen wurden und es eine Menge Anerkennung gab. Das alles habe ich erst im Nachhinein realisiert. Rückblickend hätte ich das gerne noch mehr aufgesaugt und genossen. Ich glaube, ich hätte daraus noch mehr Kraft und Selbstvertrauen ziehen können.

Geben Sie solche Tipps auch an Said weiter?

Waldschmidt: Nein, das habe ich bisher noch nicht gemacht. Dafür sind wir wahrscheinlich auch zu unterschiedliche Typen, die anders mit gewissen Situationen umgehen. Wenn ich aber das Gefühl hätte, es würde ihn etwas belasten oder ich könnte ihm mit meiner Erfahrung helfen, würde ich das tun.

Kwasniok hat Sie beide als kongeniales Duo beschrieben. Wie sehen Sie das Zusammenspiel?

Waldschmidt: Wir verstehen uns sehr gut auf dem Platz. Wir haben beide eine unglaubliche Liebe für das Spiel und sind absolute Instinkt-Fußballer. Das kommt uns im Zusammenspiel zugute, weil wir beide oft intuitiv wissen, was der andere vorhat. Das sind Dinge, die kann man nicht trainieren, die sind einfach drin. Das verbindet uns und das macht echt Spaß.

Abschließend: Sie sind jetzt 29. Was haben Sie in Ihrer Karriere noch für Ziele und Träume?

Waldschmidt: Ich möchte Erfolge feiern und nochmal international spielen. Auch wenn ich mich in Köln zuhause fühle und es nach der Karriere meine Wahlheimat sein wird, möchte ich mir noch einmal den Traum vom Ausland erfüllen. Mein Kapitel in Lissabon war mir rückblickend einfach zu kurz. Diese Erfahrung würde ich gerne eines Tages nochmal machen. Mit ein bisschen mehr Reife und Erfahrung könnte ich das dann sicher viel mehr genießen. Doch das ist Zukunftsmusik, vorher habe ich noch viel mit dem FC vor.