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Baumgart-Interview Seine 72, Karriere und FC-Ziele: „Darum will ich nicht über Abstiegskampf reden“

Steffen Baumgart steht beim Testspiel gegen die SV Elversberg an der Seitenlinie.

FC-Coach Steffen Baumgart beim Testspiel gegen die SV Elversberg am 24. Juli 2021

Steffen Baumgart im EXPRESS-Interview über seine „72“, seine Karriere und Ziele mit dem 1. FC Köln. Der Trainer erklärt, warum er nicht über Abstiegskampf sprechen will.

Köln. Steffen Baumgart (49) ist angekommen beim 1. FC Köln. Daran besteht nach dem Trainingslager in Donaueschingen kein Zweifel mehr. Der neue Chefcoach sorgt nach der Dauer-Krise in der Vorsaison endlich wieder für Euphorie – und spricht auf und neben dem Platz Klartext. EXPRESS traf Baumgart zum Interview. Lesen Sie hier den ersten Teil.

Steffen Baumgart im EXPRESS-Interview

Steffen Baumgart, warum tragen Sie eigentlich Ihr Geburtsjahr auf Ihren Shirts? Die meisten Ihrer Trainer-Kollegen haben dort ihre Initialen stehen.

Baumgart: Genau, und das mag ich nicht. Mir gefällt zwar mein Name, aber nicht die Abkürzung „SB“. Und „TR“ für Trainer muss da auch nicht stehen. Das erkennt man glaub ich, dass ich Trainer bin. Die 72 begleitet mich schon meine ganze Karriere.

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Die 72 steht auch auf Ihrer Mütze. In Paderborn standen Sie mit Basecap an der Seitenlinie, beim FC mit Schiebermütze. Ihr neues Markenzeichen?

Baumgart: Um so etwas geht es mir gar nicht. Ich trage die Mützen auch privat ganz gerne, habe zu Hause sechs, sieben Schiebermützen – sogar welche mit Ohrenschützern. Ich habe gesehen, dass der Verein eine im Katalog hat und gesagt: „Die trag‘ ich!“ Die wurde auch nicht extra für mich entworfen.

Steffen Baumgart trainiert den 1. FC Köln gegen den FC Schaffhausen.

Mit der 72 und Schiebermütze: Steffen Baumgart beim Testspiel des 1. FC Köln gegen den FC Schaffhausen am 18. Juli 2021.

Ganz ohne Mütze werden wir Sie wohl selten sehen.

Baumgart: Ich hab’s nicht so mit Haaren, und mein Bart wächst auch irgendwohin. Das ist bei mir kein Aberglaube, solche Dinge sind mir nicht wichtig.

Klingt, als würden Sie nicht wirklich darauf achten, wie Sie an der Seitenlinie stehen...

Baumgart: Ich glaube nicht, dass es entscheidend ist, ob ich im Anzug an der Seitenlinie stehe. Das hat doch nichts mit meiner Leistung als Trainer zu tun. Ich finde, es sollte zu erkennen sein, dass ein Trainer ein Trainer ist, und nicht eine Modemarke.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie direkt gesagt, dass Sie mehr als den Klassenerhalt wollen – obwohl sich der FC erst über die Relegation gerettet hat. Ganz schön mutig, oder?

Baumgart: Wenn wir Zehnter oder Elfter werden, haben wir den Klassenerhalt auch geschafft. Ich will nicht über Abstiegskampf reden, es geht um den größtmöglichen Erfolg. Das hat nichts mit Mut zu tun, sondern damit, dass ich keine Ziele ausgebe, die nicht mit meinem Fußball übereinstimmen. Ich kann nicht sagen: Wir wollen gerade so die Liga halten und gleichzeitig will ich, dass die Jungs auf Angriff gehen – das beißt sich. Und wenn die Saison wie letztes Jahr läuft, bin ich fest davon überzeugt, dass wir nächstes Jahr nicht mehr hier zusammensitzen.

Was meinen Sie?

Baumgart: Na, wenn wir die ganze Saison gegen den Abstieg spielen, ist das mit Sicherheit mit einer  Trainerdiskussion verbunden. Die würde ich gerne vermeiden, und deswegen müssen wir besser spielen als in der vergangenen Saison. Ich würde gerne länger in Köln bleiben.

Kennen Sie das Wort Angst überhaupt?

Baumgart: Nicht im Fußball. Vor was sollte ich auch Angst haben? Das ist ein Spiel. Was ich immer habe, ist Aufregung und Lampenfieber. Aber wenn ich ein ängstlicher Typ wäre, könnte ich meiner Mannschaft keinen Mut und Selbstvertrauen vermitteln.

Haben Sie einen Karriereplan?

Baumgart: Nein, das ist Quatsch und funktioniert sowieso nicht. Alle Jungs, die mir mal erzählt haben, wann sie wo sein wollen in ihrer Karriere – die sind raus. Da gehört schon ein bisschen mehr dazu. Ich glaube nicht, dass Jürgen Klopp den Karriereplan hatte, Welttrainer zu werden. Aber er ist es geworden. Ich habe mir diese Bundesliga-Station hier, bei so einem großen Verein, über seinen langen Zeitraum erarbeitet. Diese Chance will ich nutzen. Wenn ich das schaffe, habe ich vielleicht die Chance, danach auch noch woanders Bundesliga-Trainer zu werden. Wenn nicht, ist man schnell wieder in der Regionalliga. Aber auch das würde ich mit Freude machen, weil mir der Job einfach Spaß macht.

Ihrer Mannschaft predigen Sie, dass sie keine Angst vor Fehlern haben darf, sondern daraus lernen soll. Ging Ihnen das als Spieler auch so?

Baumgart: Immer wieder. Wenn man sich für ein schönes Tor feiert – okay, das kannst du noch zehn Jahre erzählen. Aber am Ende bringen einen Kleinigkeiten, Fehler und Niederlagen weiter – wenn man daran arbeitet und nicht zerbricht. Da ist es wichtig, einen Trainer zu haben, der Lösungen aufzeigt und nicht nur kritisiert. Wenn jemand nur kritisiert, um zu kritisieren, ist das nichts. Meine Aufgabe ist es, den Spielern Lösungen anzubieten.

Vor Ihrer Profikarriere haben Sie unter anderem als Polizist, Automechaniker und Verkäufer gearbeitet. Hätten Sie sich vorstellen können, einen der Jobs weiterzumachen?

Baumgart: Sagen wir mal so: Wenn ich als Polizist weitergemacht hätte, die Möglichkeit gab es, hätte ich garantiert versucht, in eine Spezialeinheit zu kommen. Auch da hätte ich wie im Sport versucht, das Höchstmögliche zu erreichen.

Sind Sie froh, dass Sie früher Profi waren, oder würden Sie lieber heute spielen?

Baumgart: Ich glaube, dass ich heute gar kein Profi geworden wäre. Ich habe das geschafft, weil ich eine sehr gute Fußball-Ausbildung in der ehemaligen DDR hatte. Im jetzigen System hätte ich das wohl nicht geschafft.

Steffen Baumgart spielt für Hansa Rostock.

FC-Coach Steffen Baumgart während seiner ersten Profi-Jahre bei Hansa Rostock (hier in der Saison 1995/96)

Sie sind in Rostock aufgewachsen. Machen Sie sich manchmal Gedanken, wie das Leben ohne die Wende weitergelaufen wäre?

Baumgart: Nein, für mich lief ja alles gut. Ich mache mir eher Gedanken darüber, welche Menschen auf der Strecke geblieben sind. Wir haben sehr viel erreicht in den letzten 30 Jahren, trotzdem war nicht alles gut, und das sollten wir nicht vergessen. Im Osten wird immer noch 20 Prozent weniger Gehalt als im Westen gezahlt, aber die Sachen sind genauso teuer. Da stelle ich mir die Frage: Warum? Auf der anderen Seite hat sich an der Infrastruktur durch die Wende sehr viel getan. Die Wende hat uns allen etwas gebracht und das Land stark gemacht.

Ein Abenteuer, das in Ihrer Fußballer-Vita fast untergeht: Sie waren als Spieler auch mal China…

Baumgart: …nur 14 Tage. Ich hatte ein Angebot, hätte dort Geld verdienen können und bin deshalb nach China geflogen. Meine Familie saß auf gepackten Koffern, wollte nachkommen, es war alles organisiert. Ich hatte auch einen Vertrag, aber nach zwei Wochen hat man mir gesagt: ‚Reicht nicht‘.

Und dann sind Sie wieder geflogen?

Baumgart: So ist das im Fußball. Ich glaube, der Aufwand dagegen vorzugehen, wäre größer gewesen, als einfach wieder zu fliegen. Aber den Vertrag habe ich noch zu Hause. Das Schöne ist: Danach bin ich zu Union Berlin gekommen und hatte eine sensationelle Zeit.

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