Nationaltrainer meldet sich regelmäßig Czichos über Rettungs-Versprechen & Vertragsende beim FC

Rafael Czichos im Trainingslager des 1. FC Köln mit Steffen Baumgart.

FC-Verteidiger Rafael Czichos (hier am 22. Juli in Donaueschingen) will sich auch unter Steffen Baumgart (l.) einen Stammplatz schnappen.

Rafael Czichos wechselte 2018 in der 2. Bundesliga zum FC, setzte sich anschließend unter allen seinen Kölner Trainern durch. Der Abwehrboss im EXPRESS-Interview.

Köln. Kein anderer Feldspieler stand in den vergangenen drei Jahren so viele Minuten für den 1. FC Köln auf dem Rasen wie Rafael Czichos (31). Auch unter Steffen Baumgart (49) will sich der Innenverteidiger einen Stammplatz erobern. Im EXPRESS-Interview spricht Czichos über die neue Saison, seinen auslaufenden Vertrag, den Kontakt zum Nationaltrainer Saudi-Arabiens – und er verspricht: „Ein Czichos steigt nicht ab.“

Rafael Czichos im EXPRESS-Interview

Rafael Czichos, im Trainingslager haben Sie den Platz einmal mit Worten „Alles andere als Torschusstraining heute Nachmittag wäre eine Farce“ verlassen. Hat’s geholfen?

Czichos: Ich bin ein Spieler, der einem Trainer gerne auch mal durch die Blume zu verstehen gibt, wenn das Programm gerade sehr, sehr intensiv ist – das war es an dem Vormittag. Leider hat der Spruch wenig Anklang gefunden, es gab kein Torschusstraining (lacht). Das muss in dieser Phase auch so sein, die Spielart des Trainers braucht diese intensive Vorbereitung.

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Steffen Baumgart steht für Offensiv-Fußball. Vergangene Saison lautete die Devise eher: Erst mal die Null halten. Wie groß ist der Schalter, den die Mannschaft jetzt umlegen muss?

Czichos: Letzte Saison war unser Spiel sehr der Kadersituation geschuldet. Wenn man ein Dreivierteljahr ohne Stürmer spielt, kann auch der Trainer nicht zaubern. Von daher kommt es jedem gelegen, dass wir jetzt fitte Stürmer haben und ein Offensivkonzept, an das jeder glaubt.

Sieht die Situation im Sturm wirklich besser aus?

Czichos: Zu Seb (Andersson, Anm. d. Red.) habe ich letztens schon gesagt, wie sehr ich mich freue, ihn auf dem Trainingsplatz zu sehen. Was der Junge mit seinem Knie durchmacht, muss einem echt leidtun, da möchte keiner tauschen. Und Tony (Modeste, Anm. d. Red.) macht einen sehr guten Eindruck. In den zweieinhalb Jahren, die wir jetzt zusammenspielen, habe ich ihn noch nie so hart arbeiten sehen.

Abgesehen vom Verletzungspech: Was muss passieren, damit der FC nicht wie vergangene Saison von Anfang an unten drinsteht?

Czichos: Wir müssen das verkörpern, was der Trainer draußen vorlebt. Dann werden wir extrem eklig sein für viele Gegner – so wie es Paderborn auch war. Deswegen bin ich überzeugt, dass die Saison für uns entspannter verläuft als die letzte.

Rafael Czichos erneuert Nicht-Abstiegs-Versprechen

Kurz vor Ende der Saison, als es gar nicht gut aussah, haben Sie öffentlich versprochen: Wir steigen nicht ab.

Czichos: Auch In der Mannschaft habe ich spaßeshalber immer wieder gesagt: „Ein Czichos steigt nicht ab.“ Das bin ich noch nie. Das Versprechen zu halten, war am Ende tatsächlich auch ein riesiger Ansporn. Das hatte ich immer im Kopf.

Und was versprechen Sie für die neue Saison?

Czichos: Dass wir nicht absteigen, kann ich wieder versprechen – das kann ich mein Leben lang. Alles andere wird sich zeigen.

Steffen Baumgart hat schon bei seinem Amtsantritt gesagt, dass ihm der Klassenerhalt eigentlich nicht reicht.

Czichos: Die Aussage passt zum Trainer, so lebt er das jeden Tag vor. Er ist sehr fordernd und weiß, was er will. Es tut unserem Kader gut, so eine klare Linie zu haben.

Rafael Czichos trainiert beim 1. FC Köln.

Rafael Czichos beim FC-Training (am 22. Juli 2021)

Wird die Liga leichter? Mit Schalke und Bremen sind zwei große Klubs abgestiegen.

Czichos: Schön wär’s. Es ist leicht zu sagen: ‚Dieses Jahr abzusteigen, wäre ein Skandal.‘ Die Mannschaften, die aufgestiegen sind, sind nicht umsonst aufgestiegen. Fest steht, dass die zweite Liga so gut wie nie ist. Von daher bin ich sehr froh, dass wir in der Bundesliga geblieben sind.

Viele Ihrer Mitspieler sind erst 18 oder 19 Jahre alt. In dem Alter haben Sie in der Oberliga gespielt…

Czichos: Meine Laufbahn war auf jeden Fall eine andere, aber darauf bin ich stolz. Ich glaube, wenn man mit 29 sein erstes Bundesliga-Spiel macht, hat man am Ende einfach auch das notwendige Glück gehabt. Vorher hatte ich es vielleicht noch nicht verdient, zu diesem Zeitpunkt hatte ich es mir erarbeitet.

Rafael Czichos: „So blind kann ich nicht sein“

In den vergangenen drei Jahren haben Sie fast 100 Pflichtspiele für den FC absolviert, davon 54 in der Bundesliga. Verspüren Sie Genugtuung? Schließlich gab es immer wieder kritische Stimmen gegen Sie.

Czichos: Die kritischen Stimmen zu meiner Person in Köln sind nicht von der Hand zu weisen. Ich habe gelernt, damit umzugehen, weil ich weiß, dass Kritik nicht immer fair ist und ich schon mit Vorurteilen hier aufgenommen wurde. Was der Situation geschuldet war, dass mich der damalige Trainer aus Kiel – in Anführungszeichen – mitgebracht hatte. Letztlich habe ich in Köln unter jedem Trainer gespielt. Von daher: So blind kann ich nicht sein (lacht). Jetzt tue ich alles dafür, auch unter dem aktuellen Trainer zu spielen. Vielleicht schaffe ich es in meiner Zeit in Köln, auch die Letzten davon zu überzeugen, dass der Rafa zu Recht gespielt hat.

Geht Ihre Zeit beim FC über die kommende Saison hinaus noch weiter?

Czichos: Das weiß ich nicht, mein Vertrag läuft bis Sommer 2022. Über alles Weitere wurde noch nicht gesprochen. Klar bin ich in einem Alter, wo man ungern ins letzte Vertragsjahr geht, ohne zu wissen, was danach passiert. Aber ich habe keinen Druck. Ich glaube, der Verein hat vor der Saison andere Prioritäten. Ich versuche, eine gute Runde zu spielen, und was danach kommt, wird man sehen.

Haben Sie einen Wunsch oder Traum, den Sie sich in Ihrer Profi-Karriere noch erfüllen wollen?

Czichos: Ich habe mir immer gewünscht, als Fußballer auch mal ins Ausland zu gehen.

Lieber Australien oder die USA?

Czichos: Ich bin schon Amerika-Fan.

Rafael Czichos gibt ein Interview.

FC-Profi Rafael Czichos beim EXPRESS-Termin

Geboren sind Sie in Saudi-Arabien. Hat sich der Verband nach nun zwei Saisons in der Bundesliga mal bei Ihnen gemeldet?

Czichos: Schon des Öfteren. Aber es ist schwer, die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ich habe dort nur gelebt, bis ich drei Jahre alt war. Der Nationaltrainer meldet sich dennoch immer wieder – nach meiner Verletzung in Berlin, dann zum Comeback und zuletzt hat er auch zum Klassenerhalt gratuliert.

Offenbar gibt er nicht auf.

Czichos: Ja, aber auch ihm sind bei den Anforderungen die Hände gebunden.

Ansonsten wäre die Nationalmannschaft ein Thema für Sie?

Czichos: Auf jeden Fall. Nationalmannschaft zu spielen, ist immer etwas Besonderes – gerade mit der Chance, nächstes Jahr bei einer WM dabei zu sein, wäre das ein Highlight für mich. Aber ich glaube, daraus wird nichts.

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