Tom Krauß hat sich beim 1. FC Köln zum Leistungsträger gemausert. Im Interview mit EXPRESS.de sprach er vor seinem 100. Bundesligaspiel unter anderem über René Wagner und seine FC-Zukunft.
Krauß vor JubiläumKölns Kampf-Maschine: „Für den FC gehe ich da durch“

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Er ist einer, der im brandheißen Endspurt vorangehen soll beim 1. FC Köln. Tom Krauß ist ein Kämpfer mit Herz, einer, der sich für den Verein auf dem Platz zerreißt. Nach zwei Abstiegen mit Schalke und dem VfL Bochum will er den dritten Super-GAU seiner noch jungen Karriere mit aller Macht verhindern.
Vor seinem 100. Bundesligaspiel gegen Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr/DAZN und im Liveticker auf EXPRESS.de) stand der 24-Jährige EXPRESS.de nun Rede und Antwort. Im Interview sprach Krauß über den Punkte-Druck, Wagners Rolle im Endspurt, seine FC-Zukunft und sein privates Glück.
Tom Krauß: „Unter Kwasniok war nicht alles schlecht“
Tom Krauß, wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrem Knie?
Tom Krauß: Aktuell schaue ich von Woche zu Woche. Mein Ziel ist es, bis zum letzten Spiel durchzuhalten. Dafür werde ich alles geben und habe mir fest vorgenommen, dass ich in jedem Spiel für die Mannschaft da bin. Es gab eine Situation im Training vor dem Derby, da wurde mein Knie bei einem Pressschlag durchgestreckt. Es ist schmerzhaft, aber für den FC gehe ich da durch. Ich bin den Physios dankbar, dass wir zum Frankfurt-Spiel eine Punktlandung geschafft haben. Diese Woche konnte ich ab Donnerstag wieder voll mittrainieren und fühle mich bereit und fit für Werder.
Mit René Wagner haben Sie nun einen neuen Trainer. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Krauß: Er bringt eine gewisse Lockerheit rein, die zuletzt vielleicht ein bisschen gefehlt hat, und hat gleichzeitig aber auch sehr gute Ideen, wie wir den Gegner schlagen können. In Frankfurt hat er auch gut auf die ersten 15 Minuten reagiert, in denen wir noch Probleme hatten. Er hat sowohl vor dem Spiel als auch in der Halbzeit eine sehr gute Kabinenansprache gehalten. Es fühlt sich nicht an, als ob es seine erste Station als Cheftrainer ist. Wir arbeiten akribisch und wollen Sachen verbessern, die wir vor dem Trainerwechsel nicht gut gemacht haben.
Was macht er anders als Lukas Kwasniok?
Krauß: Das ist schwer zu sagen. Ich finde, dass unter Lukas Kwasniok auch nicht alles schlecht war. Uns hat in der einen oder anderen Situation zu oft das Spielglück gefehlt. Es geht jetzt im Endspurt auch nicht darum, den Fußball neu zu erfinden. Dennoch gibt es gewisse Stellschrauben, an denen wir drehen können, um nun die nötigen Ergebnisse einzufahren.
Warum hat es mit Lukas Kwasniok nicht gepasst?
Krauß: Es ist ganz einfach: Die Punkte haben gefehlt. Fußball ist nun mal ein Ergebnissport. Wir waren in einigen Spielen zwar die bessere Mannschaft, haben uns unter dem Strich aber zu selten belohnt. Das habe ich in der Form in meiner Karriere auch noch nie so erlebt. Von daher bin ich überzeugt, dass der Trainer noch da wäre, wenn wir mehr Punkte auf dem Konto hätten. Jammern bringt jetzt aber nichts mehr. Jetzt zählen nur noch Ergebnisse – und zwar Siege.
Hinterfragt man sich auch als Spieler nach einer Trainer-Entlassung, was man hätte besser machen können?
Krauß: Ich bin keiner, der nach Hause fährt und alles auf den Trainer schiebt. Wir müssen uns als Mannschaft definitiv hinterfragen, warum wir die Spiele, in denen ein Sieg möglich war, nicht auf unsere Seite gezogen haben und wo die entscheidenden Prozentpunkte gefehlt haben. Das wurde auch in aller Deutlichkeit besprochen und unter den Führungsspielern diskutiert. Wir haben in der Länderspielpause einiges aufgearbeitet und uns nochmal für den Endspurt eingeschworen. Denn für das große Ziel Klassenerhalt müssen wir alle zusammenstehen.
Bei Ihren Abstiegen mit Schalke und Bochum haben Trainerwechsel am Ende nichts geholfen. Warum ist es dieses Mal anders?
Krauß: Auf Schalke hat es ja sogar eigentlich funktioniert. Wir waren in der Rückrundentabelle unter den Top 10, es kam halt nur zu spät. Es klingt abgedroschen, aber manchmal kann nur ein Trainerwechsel diesen Turnaround herbeiführen. Da geht es vielleicht nur um zwei oder drei Prozentpunkte, aber die können am Ende entscheidend sein. Ich mag es zwar grundsätzlich nicht, wenn Trainer rausfliegen, weil man dann ja auch mit Schuld ist, aber oft bringt es noch mal einen notwendigen Impuls. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Wochen unsere Ergebnisse einfahren werden.
Was stimmt Sie so zuversichtlich für den Endspurt?
Krauß: Ich sehe jeden Tag, wie wir arbeiten und auch nach Misserfolgen als Team zusammenstehen. Wir sind eine gefestigte Einheit, die sich nie hängenlässt, was man in Frankfurt auch wieder gesehen hat. Andere wären da nach dem Doppelschlag mit einem 0:4 nach Hause geschickt worden. Aber diese Truppe hat Moral. Es ist für mich in so einer Phase das Wichtigste, dass man nicht auseinanderbricht. Da kann man sich bei uns sicher sein, dass das nicht passiert. Wir werden das gemeinsam schaffen.
Sie kennen Abstiegskampf von vorigen Stationen. Wie verarbeiten Sie solche Phasen, nehmen Sie das mit nach Hause?
Krauß: Ich lebe den Fußball, natürlich beschäftigt mich das. Vor allem, weil es mein großes Ziel ist, nächstes Jahr mit dem 1. FC Köln in der Bundesliga zu spielen. Daher nimmt mich das noch ein Stück weit mehr mit. Nach Spielen kann ich dann schon mal zwei Tage schlecht gelaunt sein, ehe ich mich dann wieder auf das nächste Spiel fokussiere. Ich brauche in solchen Phasen ein gutes Umfeld, auf das ich mich verlassen kann – und das habe ich Gott sei Dank. Meine Freundin und meine Familie stehen mir immer zur Seite und tragen mich durch schwere Phasen. Ich bin zwar erst 24, habe aber schon sehr viel erlebt. Diese Erfahrungen helfen mir in der aktuellen Situation definitiv und ich versuche, sie entsprechend einzubringen.
Fragen Sie sich manchmal, warum das „Abstiegsgespenst“ so häufig über Ihnen kreist?
Krauß: Bei meinem Wechsel zum FC war mir bewusst, dass es als Aufsteiger eine herausfordernde Saison werden könnte. Das war in gewissem Sinne also eingepreist. Aber es bringt nichts, mich zu fragen: Warum schon wieder? Wenn ich mich damit auseinandersetzen würde, fängt es irgendwann im Kopf an zu rattern. Von daher will ich die Serie mit dem FC brechen und diesen Makel ein für alle Mal loswerden.
Wie blicken Sie auf Ihre bisherigen FC-Leistungen zurück?
Krauß: Es war ein schwieriger Start für mich, weil ich überall gespielt habe, außer auf meiner besten Position. Ich bin als Sechser hergekommen, wurde zum Start aber als Allrounder eingesetzt. Da war es schwer, den Fans zu zeigen, was für ein Spielertyp ich bin und wofür ich stehe. Mit dem Spiel in Bremen kam in meinen Augen die Wende, da durfte ich dann auf meiner Position ran. In der Folge haben dann auch die Leistungen gepasst und ich konnte der Mannschaft helfen. Was nicht heißt, dass ich nicht auch selbstkritisch bin. Ich weiß, dass auch Spiele dabei waren, die nicht gut waren. Aber insgesamt finde ich, dass ich im Winter ins Rollen gekommen bin. Das hat sicher auch mit meiner Freundin zu tun, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe.
Sie haben Ihre Freundin angesprochen: Vergangene Woche haben Sie Ihre Beziehung zu Reality-TV-Star Vanessa Mariposa öffentlich gemacht. Was bedeutet Ihnen dieser Schritt?
Krauß: Das ist ein schwieriges Thema, wenn ich ehrlich bin. Wir wollten unsere Beziehung eigentlich privat halten, aber die Entscheidung wurde uns quasi abgenommen. Auch wenn wir es jetzt offiziell gemacht haben, wollen wir es weiter aus der Öffentlichkeit raushalten, weil uns die Privatsphäre sehr wichtig ist. Was ich sagen kann, ist, dass sie mir unfassbar guttut. Sie hat mir noch mal einen enormen Push gegeben und ich bin sehr froh, sie an meiner Seite zu haben.
Wie sehr kann Sie das persönliche Glück für den Endspurt beflügeln?
Krauß: Wir kennen uns ja nicht erst seit letzter Woche – in den Spielen am Anfang des Jahres hat man glaube ich gesehen, wie sehr mich das beflügeln kann. Sie wünscht sich auch für mich, dass ich in Köln bleibe, weil sie weiß, wie wohl ich mich hier fühle. Daher wäre es für uns beide das Größte, wenn ich hier am Ende der Saison meinen Vertrag unterschreibe.
Sie haben mir die nächste Frage vorweggenommen: Wann gibt es für die FC-Fans die Nachricht: Tom Krauß bleibt?
Krauß: Wenn wir die Klasse halten…
Abschließend: Sie stehen gegen Bremen vor Ihrem 100. Bundesligaspiel. Was bedeutet Ihnen diese Marke?
Krauß: Es ist ein erster großer Meilenstein, ein erstes Ziel, das ich erreicht habe. Das macht mich schon stolz. Es können nicht viele von sich behaupten, 100 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel zu haben. Ich freue mich sehr auf Sonntag, meine ganze Familie wird dabei sein und mich unterstützen. Und wenn ich dann noch einen Dreier beim Jubiläum feiern könnte, würde mir das alles bedeuten.


