Morddrohungen aus Russland NHL-Star wollte Profilbild mit Putin entfernen: Angst um Familie

Alexander Owetschkin sitzt während einer Spielunterbrechung auf der Bande.

Alexander Owetschkin (l.) von den Washington Capitals am 15. März 2022 beim NHL-Spiel gegen die New York Islanders.

Jahrelange Treue zu Wladimir Putin wird NHL-Star Alexander Owetschkin nun zum Verhängnis. In Kriegszeiten kann er sich nicht gegen ihn stellen, weil er dann um seine Familie bangen muss.

Wie schwierig ist es derzeit für einen Russen in der Öffentlichkeit zu stehen und die richtigen Worte zu finden? Das Beispiel Alexander Owetschkin (36) zeigt, dass es Druck von allen Seiten gibt.

Natürlich sind die Forderungen der westlichen Öffentlichkeit groß und berechtigt: Russische Sportler sollten ihre Popularität nutzen, um gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu protestieren. Viele russische Athleten haben in den sozialen Netzwerken Millionen von Fans. Sie würden mit ihrer Stimme also einiges bewegen und viele Menschen erreichen. Doch viele Stars schweigen – auch aus Angst. Wer sich jetzt von Putin distanziert, muss um das Leben und die Sicherheit seiner Familie bangen.

Eishockey-Superstar Alexander Owetschkin (36), der am 15. März 2022 mit 767 Toren zum drittbesten Torschützen der NHL wurde (nur noch Gordie Howe mit 801 und Wayne Gretzky mit 894 Treffern liegen vor ihm), hat auf seinem Instagram-Kanal sogar ein Profil-Bild mit Präsident Wladimir Putin (69). Zuletzt wurde Owetschkin bei den Auswärtsspielen in der NHL ausgepfiffen und  ausgebuht.

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In Kanada leben rund 1,4 Millionen Ukrainer. Die NHL hat alle Geschäftsbeziehungen mit Russland gekappt, geplante Spiele dort werden nicht stattfinden. Auch der russischsprachige Auftritt im Internet wurde eingestellt. Die russischen Profis dürfen aber weiter in der Liga spielen.

Alexander Owetschkin betont: Ich bin kein Politiker

Viele Fans, Experten und Ex-Spieler fordern einen Ausschluss, wie der ehemalige tschechische Eishockey-Goalie Dominik Hasek (57, zweimaliger Stanley-Cup-Gewinner). Die NHL solle die Verträge „aller russischen Spieler sofort aussetzen. Jeder Athlet repräsentiert nicht nur sich selbst und seinen Verein, sondern auch sein Land und dessen Werte und Handlungen.“

Owetschkin ist in der Zwickmühle. Er ist seit Jahren mit Putin befreundet und hat sich auch 2014 nach der Annexion der Krym nicht von ihm distanziert. Der Eishockey-Profi ließ sich vor Putins Karren spannen, machte Propaganda und Wahlwerbung. Vor den Wahlen 2018 gründete er das „Putin Team“, eine Wahlkampf-Organisation. In Kriegszeiten kann er sich nun nicht klar von Putin distanzieren, obwohl das mehr als angebracht wäre.

Owetschkins Aussagen zuletzt waren schwach. „Bitte, keinen Krieg mehr. Wir müssen in Frieden leben“, sagte der Stürmer und betonte, dass er „kein Politiker“ sei. Aber über Kriegstreiber Wladimir Putin sagte er: „Er ist mein Präsident.“ Und Owetschkin tat so, als ob er ohnmächtig sei: Die Lage sei „beängstigend. Wir können nichts tun.“

Jetzt wird klar, wie groß die Angst bei Owetschkin ist, denn er wird aus Russland unter Druck gesetzt. Alleine weil er gesagt hatte, dass er keinen Krieg will, gab es heftige Anfeindungen von Kriegsbefürwortern aus der Heimat in den sozialen Netzwerken. Auch Morddrohungen soll es gegeben haben.

Owetschkin soll zuvor noch geplant haben, das Profilfoto mit Putin durch ein Friedenssymbol zu ersetzen. Doch ihm wurde dringlich davon abgeraten, auch von seinem Klub, den Washington Capitals. Die Sicherheit von Owetschkins Familie in Russland sei dann massiv in Gefahr. Deshalb wurde Owetschkins Plan nicht umgesetzt.

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