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Gefahr für unsere KinderExpertin erklärt, wie Eltern ihre Kinder stark machen können

Mutter und Sohn

Copyright: Oxana Guryanova/Westend61/dpa-tmn

Worte für Emotionen zu finden, ist die Basis, um Kinder stark zu machen.

Sexueller Missbrauch: So schützen Sie Ihr Kind.

Wie spricht man mit seinem Kind über ein Thema, das einem selbst die Kehle zuschnürt? Sexueller Missbrauch ist so ein Thema, bei dem viele Eltern sprachlos sind – aus Angst, Unsicherheit oder weil sie selbst Schlimmes erlebt haben.

Doch Schweigen ist die allerschlimmste Option. Es bedeutet, die Augen vor einer realen Bedrohung zu verschließen. Die Zahlen sind ein Albtraum: Mehr als 17.500 polizeilich gemeldete Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen gab es 2024. Fachleute befürchten eine enorme Dunkelziffer. «Mit der digitalen Welt hat sich das Grundrisiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, deutlich verschärft», so die Einschätzung von Kerstin Claus, der Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen.

Wie geht man in der Familie also am besten damit um? Soll man warten, bis das Kind von selbst fragt? Oder die Initiative ergreifen? Und was sagt man dann?

Der beste Schutz: Über Gefühle reden

Vorbeugung sollte und kann früh anfangen und hat am Anfang gar nichts direkt mit Missbrauch zu tun. «Der beste Schutz ist, Kinder ernst zu nehmen und sie darin zu bestärken, auf ihre Gefühle zu hören», erklärt Tanja von Bodelschwingh. Die Sozialpädagogin leitet die Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend, kurz N.I.N.A. e.V., mit Sitz in Kiel.

Bereits im Kindergartenalter kann man starten und dem eigenen Kind helfen, Worte für seine Emotionen zu finden. Man sollte es fühlen lassen, dass diese Gefühle respektiert werden und es okay ist, wenn es traurig oder wütend ist. Der Grund: Nur wer ausdrücken kann, was sich gut oder komisch anfühlt, kann darüber auch sprechen.

Penis ist Penis: Klare Worte sind Pflicht

Kinder sollten auch für ihren Körper die richtigen Bezeichnungen kennen. Nicht nur für Arme und Beine, sondern ebenso für die Geschlechtsteile. Auch hier ist das Ziel, sich ausdrücken zu können und eine Sprache für eventuelle Vorkommnisse zu haben.

Verlegene Umschreibungen für Vulva oder Penis oder eine peinliche Reaktion der Erwachsenen sind kontraproduktiv, mahnt Ann-Kristin Hartz. Die Diplom-Psychologin ist Geschäftsführerin von „Sichtbar“, einem Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt in Braunschweig. «Wenn Kinder das Gefühl bekommen, dass die Eltern bei dem Thema komisch reagieren, dann trauen sie sich möglicherweise nicht mehr, mit ihnen darüber zu sprechen», erklärt Hartz.

Das Thema Grenzen ist damit eng verknüpft. Und auch hier geht es zunächst nicht um einen Missbrauchsfall. Es geht um die Basis des Miteinanders, um die Achtung eines «Nein». Das Beispiel Kitzeln macht es laut Hartz klar: Einige Kinder finden es toll, andere schrecklich. Grenzen sind persönlich und jeder Mensch hat ein Anrecht auf ihre Akzeptanz.

Die zentrale Botschaft lautet, dass Kinder immer «Nein» sagen dürfen – auch gegenüber Erwachsenen, so Tanja von Bodelschwingh. Und ja, es ist möglich, dass Kinder dieses Recht im Alltag nutzen, etwa beim Zähneputzen. Aber diese Aushandlung ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Lernens.

Die größte Gefahr lauert nicht im Dunkeln

Angst ist jedoch kein Schutz für Kinder. Von Bodelschwingh rät davon ab, sie mit pauschalen Warnungen vor Gefahren zu verunsichern. Das macht sie nur stiller und ängstlicher – und kann ihnen bei einem Übergriff das Gefühl geben, selbst die Schuld zu tragen, weil sie unvorsichtig waren.

Der Fokus auf „böse Fremde“ vermittelt außerdem ein falsches Bild, unterstreicht Ann-Kristin Hartz. Die Täter stammen in den meisten Fällen aus dem nahen Umfeld wie Familie oder Freunde. Wichtiger ist es, Kinder für Grenzüberschreitungen zu sensibilisieren – egal, von wem. Und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Eltern über Belastendes reden können, auch wenn es verboten wurde: «Kinder müssen wissen, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt», so Hartz.

Schutzkonzepte prüfen statt Verhaltensregeln geben

Die Psychologin hält wenig von konkreten Verhaltensregeln für Kinder, wenn sie ins Ferien- oder Trainingscamp fahren. Hartz rät Eltern, sich stattdessen im Vorfeld die Schutzkonzepte anzusehen. Eine transparente Kommunikation der Veranstalter ist dabei ein positives Signal. Dem eigenen Kind sollte man mitgeben: «Wenn etwas nicht passt, bin ich erreichbar und du kannst mir alles erzählen.»

Wenn Kinder älter werden, gewinnt das Thema Sexualität an Bedeutung. Dann wird laut Tanja von Bodelschwingh die Aufklärung über positive Sexualität entscheidend, die Gewalt klar als solche benennt. Das schließt ein, «dass man jederzeit Nein sagen darf, auch wenn man vorher Ja gesagt hat». Jugendliche sollten auch die Gesetze kennen: «Eine Lehrkraft, ein Trainer oder eine Trainerin dürfen zum Beispiel keine Beziehung mit einer schutzbefohlenen Person anfangen.»

Was tun, wenn das Kind sich anvertraut?

Und was tun, wenn der Fall eintritt? Wenn das Kind etwas berichtet, ob vage oder konkret? Ernst nehmen und nicht ignorieren, das ist die wichtigste erste Reaktion, so von Bodelschwingh. Obwohl der Drang groß ist, sofort aktiv zu werden, gilt: «sollte man nicht vorschnell handeln, sondern überlegt vorgehen».

Anlaufstellen wie N.I.N.A., die man auch anonym kontaktieren kann, helfen bei der Einordnung und der Planung der nächsten Schritte. «Entscheidend ist, dem Kind zu vermitteln, dass es ernst genommen wird und nicht allein ist.» (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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