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Gehirn im DauerstressDarum sind Omas Hobbys der neue Trend gegen den Handy-Stress

Mann spielt im Licht der aufgehenden Morgensonne Gitarre

Copyright: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn

Hobbys, die die Sinne ansprechen: Viele genießen in ihrem von digitalen Medien geprägten Alltag besonders analoge Freizeitbeschäftigungen.

Gegen digitalen Stress hilft ein Trick, den Oma schon kannte.

Mal eben schnell die Nachrichten checken – und zack, schon wieder hängt man in der Endlos-Schleife von Instagram und TikTok. Das Gehirn läuft auf Hochtouren. Aber es gibt einen simplen Trick gegen den digitalen Stress, den schon unsere Omas kannten.

Man will nur die Uhrzeit prüfen und ist sofort wieder gefangen in einem Strudel aus Videos und Status-Updates. Inhalte aus dem Netz sind zu unseren permanenten Begleitern geworden. Der Zukunftsforscher Prof. Ulrich Reinhardt erläutert: „Die Möglichkeiten des Smartphones sind faszinierend: Es bietet Unterhaltung und Information, dazu Kontaktmöglichkeiten, Berieselung und das alles jederzeit und überall. Klar, dass viele ihre virtuelle Nabelschnur zum Handy nicht trennen wollen“.

Doch diese ständige Reizüberflutung hat eine gefährliche Schattenseite. Soziale Medien und andere digitale Angebote bringen den Sympathikus auf Hochtouren – das ist der Bereich in unserem Nervensystem, der uns in Alarmbereitschaft versetzt. Die Münchner Therapeutin und Achtsamkeitstrainerin Johanna Bartels warnt: „Durch überraschende Elemente, grelle Bilder und schnelle Bewegungen wird unsere Aufmerksamkeit ständig getriggert. Wir geraten in einen andauernden Stressmodus und das kann zum Problem werden“.

Schluss mit FOMO: Jetzt kommt die Freude am Verpassen!

Genau aus diesem Grund wächst bei vielen der Wunsch nach einer digitalen Pause. Ein Gegentrend macht sich breit. „Lange Zeit galt das Motto möglichst nichts zu verpassen. Man sprach in diesem Zusammenhang auch von FOMO – Fear of missing out. Mittlerweile ist es eher JOMO – Joy of missing out, also das bewusste Verpassen“, erklärt Reinhardt.

Der Wissenschaftler beobachtet, dass besonders seit der Corona-Krise viele Leute wieder entschleunigte, greifbare und überschaubare Beschäftigungen für sich finden.

Dinge wie Malen, Stricken, Nähen, Backen oder im Garten buddeln gehören dazu – oft als „Granny-Hobbys“ belächelt. „Solche Tätigkeiten liefern weniger Reize und unser Nervensystem hat überhaupt erst wieder die Möglichkeit, in einen Entspannungsmodus zu kommen“, erläutert Bartels.

Omas Hobbys: Darum sind sie Balsam für die Seele

Im Gegensatz zu digitalen Inhalten werden bei analogen Freizeitbeschäftigungen viel mehr Sinne aktiviert: der Geruch des Kuchens, die Erde an den Fingern oder das Geräusch, wenn Puzzleteile zusammenpassen. Aktivitäten, die wir direkt spüren, erden uns und bringen uns ins Hier und Jetzt.

Diese ruhigen, repetitiven und vorhersehbaren Beschäftigungen vermitteln unserem Gehirn ein Gefühl der Sicherheit. Die Achtsamkeitstrainerin erklärt: „Wir müssen dabei nicht in Habachtstellung sein. Gerade in Kriegs- und Krisenzeiten entwickeln Menschen eine Sehnsucht nach Geborgenheit, Vertrautem und Überschaubarem“.

Bei diesen Freizeitaktivitäten wird der Parasympathikus aktiviert, unser körpereigener Entspannungsmodus. Der Herzschlag beruhigt sich und die Atmung wird tiefer.

Und die Hobbys von Oma haben noch einen weiteren positiven Effekt: Sie sind gut für das Selbstwertgefühl. „Man kann mit dem eigenen Tun etwas bewirken und sich Freude verschaffen. Wenn ich merke, dass ich selbst für meine Freude zuständig bin, kann das, was andere tun, an Bedeutung verlieren“, meint Bartels.

Vorsicht, Stressfalle: So bleibt das Hobby entspannt

Auf lange Sicht können solche analogen Freizeitbeschäftigungen sogar das Gehirn verändern und uns generell gelassener und fröhlicher stimmen. „Das menschliche Gehirn neigt zu Negativität, das ist gewissermaßen eine Voreinstellung aus der Zeit, in der man sicher gehen musste, dass kein wildes Tier hinter dem nächsten Busch lauert“, sagt Bartels.

Wer es aber regelmäßig schafft, in einen Zustand positiver Gefühle und Ruhe zu gelangen, trainiert damit seine Fähigkeit, prinzipiell schneller und müheloser zu entspannen.

Sind diese „Grandma-Hobbys“ also der komplette Gegenentwurf zu Streaming, Zocken und Social Media? Nur zum Teil. „Einerseits stellen sie eine handwerkliche Tätigkeit in den Vordergrund. Andererseits ergänzt sich beides. Viele informieren sich online über analoge Hobbys, vernetzen sich mit Gleichgesinnten oder dokumentieren ihre Erlebnisse im Netz. Dieses Nebeneinander wird sich auch in der Zukunft fortsetzen“, sagt Ulrich Reinhardt.

Aber Achtung, auch analoge Freizeitbeschäftigungen können Stress und Leistungsdruck erzeugen. Damit das nicht geschieht, rät Ulrich Reinhardt, einige Grundsätze zu befolgen: „Erstens sollte man den eigenen Maßstab niedrig ansetzen. Das Ziel muss bei Erholung, Neugier und Freude liegen, nicht bei Perfektion“, sagt er.

Zweitens rät er, die Ausgaben im Auge zu behalten und bescheiden zu starten. Am Anfang genügen oft simple Materialien, geborgtes Werkzeug oder Ausrüstung aus zweiter Hand.

Als dritten Punkt nennt Reinhardt die Zurückhaltung bei der Selbstdarstellung. „Wer seine Aktivitäten ständig in den sozialen Medien postet, darf sich über Kommentare, Erwartungen oder Vergleiche – und damit Stress – nicht wundern.“

Bleibt nur noch die Frage: Wie findet man das richtige Hobby für sich? Johanna Bartels empfiehlt, in die eigene Kindheit und Jugend zurückzuschauen. Was hat einem früher Spaß gemacht? Was bereitet einem heute noch Vergnügen? „Manchmal erfreut man sich auch an einer Farbe, einem Material, einem Geräusch oder Duft. Daraus können sich oft Ideen ergeben.“ Sobald eine Idee aufkommt, gibt es nur noch eines: einfach mal machen! (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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