„Y.M.C.A.“ - diesen Hit kennt jeder. Die Disco-Hymne machte die Village People berühmt. Jetzt ist ihr Sänger Victor Willis gestorben. Aber der Song bleibt unsterblich. Dabei entstand er aus reinem Zufall.
„Y.M.C.A.“Wie „drei Busladungen Cheerleader“ den berühmtesten Tanz der Pop-Geschichte erfanden

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Könige des Disco: Die Village People surften Ende der 70er-Jahre dank ihres Millionensellers „Y.M.C.A.“ ganz oben auf der Disco-Erfolgswelle. (Bild: Arte/Alamy/Zentralfilm)
„Y.M.C.A.“ ist ein Phänomen. Der Song wird auch 48 Jahre nach seiner Entstehung überall gespielt. In Clubs, auf Abschlussbällen und in Seniorenheimen! Und natürlich wird dazu getanzt. Wenn's zum Refrain geht, steht zum Beispiel auch jedes Oktoberfestpublikum auf den Bänken und wedelt mit den Armen und versucht, die vier magischen Buchstaben zu formen. Unglaublich, aber wahr: Der Tanz entstand aus purem Zufall. Wie auch der Disco-Evergreen, der größte Hit der Village People. Das zeigt eine aktuelle Doku bei ARTE.
„Y.M.C.A.“ wurde im Oktober 1978 veröffentlicht. Er sollte dem amerikanischen TV-Publikum erstmals in der Show „American Bandstand“ präsentiert werden. Die Band hatte für den markanten Refrain lediglich geplant, mit über dem Kopf erhobenen Händen mitzuklatschen. Aber es kam anders.
„Der Tanz wurde aus purer Begeisterung erfunden“

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Randy Jones war Mitglied der Ur-Formation der Village People und war der Original-“Cowboy“. In der Arte-Doku „Die Erfindung der Village People“ berichtet er über die Entstehung der Band und ihres größten Hits „Y.M.C.A.“. (Bild: Arte/Zentralfilm)
„Im Publikum saßen an diesem Abend zufällig drei Busladungen von Cheerleadern“, erinnert sich Randy Jones im Film „YMCA - Die Erfindung der Village People“. Und die hätten dann die Choreografie mit den zu Buchstaben geformten Armen erfunden. „Der Tanz wurde aus purer Begeisterung erfunden“, sagt Jones. Ohne Absprache, zufällig aus der Magie des Moments.
Randy Jones (73) ist der Original-“Cowboy“ der Village People. Er ist einer der Hauptprotagonisten in der äußerst sehenswerten ARTE-Doku. Die Geschichte der Band und ihrer Disco-Hymne klingt wie eine Verkettung von Zufällen oder schicksalhaften Ereignissen. Apropos Schicksal: Die Dokumentation von Sascha Schmidt wird bei ARTE linear am Mittwoch, 22. Juli um 22.05 Uhr gezeigt. Sie wurde aber bereits jetzt in die Mediathek gestellt. Aus traurigem Anlass, denn am 1. Juli verstarb Victor Willis, Gründungsmitglied, Leadsänger und „Polizist“ der Village People, im Alter von 74 Jahren.
Jeder kennt „Y.M.C.A.“. Der deutsche DJ und Grammy-nominierte Musikproduzent Mousse T. nennt den Song „Star Wars auf Disco“. Dabei entstand er nur zufällig. Jacques Morali, ein französischer homosexueller Musikproduzent hatte sich in die Kreativzelle New York und den neuen Undergroundsound Disco verliebt. Der pulsierte vor allem in den Clubs im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, kurz „The Village“ genannt, als Sound der Emanzipation der jungen Schwulenbewegung.
Einstellungskriterium für die Village People: „Wir lieben deinen Schnurrbart“
Morali hatte die Idee, eine „Schwulenband zu gründen“, wie Randy Jones in der Doku erzählt. Morali war mit dem Mythos Hollywood aufgewachsen, „mit Cowboy und Indianer, Polizist und Räuber und dem Mythos von Amerika als Land der Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten“. Jones arbeitete damals als Tänzer, besondere Fähigkeiten musste er aber nicht vorweisen. Als ihn Morali ansprach, sagte er: „Wir lieben deinen Schnurrbart“, erzählt der Original-Cowboy in der Doku.
Morali machte die im Film und Fernsehen erlebten Klischee-Figuren „typischer“ Amerikaner zu real existenten Klischee-Bühnenstars. Als Polizist, Indianer, Cowboy, Bauarbeiter, Biker und Soldat wurden Victor Willis, Felipe Rose, Randy Jones, David Hodo, Glenn M. Hughes und Alexander Briley zu weltweiten Superstars und Königen des Disco-Genres.
1978 nahm Randy Jones Band-Producer Morali mit in ein Heim des Young Men's Christian Association (YMCA), zu Deutsch „Christlicher Verein junger Männer“ (CVJM), in der 23. Straße mit. Jones war da Mitglied und ging regelmäßig zum Trainieren hin. Morali hatte noch nie was vom YMCA gehört, sei aber von dem Ort, an dem sich jedermann treffen und zur Not auch ein günstiges Zimmer kriegen konnte, begeistert gewesen. Aber nicht nur wegen der Sportmöglichkeiten, sondern auch, weil Morali dort Leute erkannte - Schauspieler aus Erwachsenenfilmen, die Morali daheim schaute. (tsch)
