Wer denkt sich eigentlich all die Fragen aus, die Günther Jauch seinen Kandidatinnen und Kandidaten bei „Wer wird Millionär?“ seit 26 Jahren stellt? In einem Interview hat nun ein Fragen-Autor Insider-Wissen preisgegeben - auch über den Fall, dass Fragen „total in die Hose“ gehen.
„Staune immer wieder“„WWM“-Quiz-Autor: Viele machen Kardinal-Fehler

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Günther Jauch und eine Kandidatin in der aktuellen „3-Millionen-Euro-Woche“ von „Wer wird Millionär?“: „Durch Halbwissen kann man sich viele Antworten erschließen.“
Aktualisiert
Was passiert, wenn Günther Jauch mit einer Quiz-Frage bei „Wer wird Millionär?“ so gar nicht zufrieden ist, konnte das RTL-Publikum in der Sendung vom Mittwochabend erleben. Der Moderator wurde nach einer durchgehend falsch beantworteten Auswahlfrage ungewohnt deutlich.
Eine komplexe multiple Wortspielerei raubte Jauch den Nerv. Und den Kandidaten auch - keiner wusste die Antwort. Jauch empörte sich: „Wenn so was noch mal kommt, dann brechen wir die Sendung ab“, kritisierte er. „Da können wir die Sendung umbenennen. Nicht mehr 'Wer wird Millionär?', sondern 'Wer gewinnt im Ausnahmefall 100 Euro?'“.
Wenn Fehler passieren, ist die Stimmung in der Redaktion richtig mies
Harald Valder mag bei dieser Schelte zusammengezuckt sein. Er ist seit 13 Jahren Chef einer Redaktion, die sich im Auftrag der WWM-Produktionsfirma Endemol Shine die Quizfragen ausdenkt. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sprach Valder nun über die Arbeit seines siebenköpfigen Teams und auch über Fragen, die „total in die Hose“ gegangen seien.
„Entweder wir haben uns verschätzt beim Schwierigkeitsgrad - das passiert selten, aber kann vorkommen“, sagte der ehemalige Geografie-Student. „Oder man hat das Gefühl, die Frage war so kompliziert gestellt, dass weder Herr Jauch noch der Kandidat was damit anfangen konnten und das Ganze umständlich erklärt werden musste. Dann überlegen wir, wie man Fragen dieser Art künftig einfacher formulieren könnte.“
Das Schreiben der Fragen mache nur zehn bis 20 Prozent der Arbeitszeit aus, verriet der Redakteur weiter. Das Checken der Fragen nehme die restliche Zeit in Anspruch: „Einer formuliert die Frage, zwei andere checken, ob das tatsächlich stimmt, wie wir es schreiben.“ Dennoch kam es schon mal vor, dass zwei Antwortmöglichkeiten richtig waren. In so einem Fall sei die Stimmung in der Redaktion mindestens eine Woche lang richtig schlecht.
„Es geht doch darum, eine Million zu gewinnen!“
Kandidatinnen und Kandidaten, die auf dem heißen Quiz-Stuhl landen, riet er: „Durch Halbwissen kann man sich viele Antworten erschließen. Aber dazu braucht es auch die Coolness, das Halbwissen in dieser Extremsituation dann auch clever einzusetzen.“ Überdies sei eine gründliche Vorbereitung auf die Sendung essenziell: „Ich staune immer wieder, dass die Leute sich nicht vorbereiten.“
Der Quiz-Autor weiter: „Da lese ich doch vorher jeden Tag die Tageszeitung, und zwar nicht nur den Sportteil, sondern von A bis Z ausnahmsweise mal alles, die Kinocharts, die Musikcharts. ‚Spiegel‘-Bestsellerliste. Das Bundeskabinett habe ich parat, alle 16 Minister lerne ich auswendig. Es geht doch darum, eine Million zu gewinnen!“
Günther Jauch hat mit all dem übrigens nichts zu tun, wie Harald Velder im „SZ“-Gespräch versicherte. Der Moderator sehe die Fragen zum ersten Mal, wenn er sie den Kandidaten stellt. Das sei auch gut so. Warum? „Ich glaube, es würde ihn in Schwierigkeiten bringen, wenn er die Antwort schon kennt und dann immer versuchen muss, möglichst neutral zu bleiben.“ (tsch)
